Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Durchbruch im Streit um Patente auf Gene

10.12.2001


Vor einer entscheidenden Wende stehen offensichtlich die Beratungen im Deutschen Bundestag über die Patentierung von Genen. Alle Fraktionen im zuständigen Rechtsausschuss wollen Gene vor umfassenden Patenten schützen. Greenpeace hatte dies mehrfach gefordert. Die Reichweite der Patente soll auf einzelne erfinderische Leistungen für technische Anwendungen beschränkt werden. Die Berichterstatterin des Rechtsausschusses des Bundestages, Margot von Renesse (SPD), erklärte dies in einem Streitgespräch mit Greenpeace für den Deutschlandfunk, das heute gesendet wird. Der Bundestag will Ende Januar endgültig über das neue Patent-Gesetz entscheiden.

Greenpeace begrüßt die aktuelle Entwicklung ausdrücklich. "Wir sind froh, dass unsere Forderung, Gene vor Patenten zu bewahren, endlich angekommen ist", sagt Christoph Then, Gentechnik-Experte von Greenpeace. "Die Lösung reicht allerdings noch nicht aus. Was für die Nutzung einzelner Gene gilt, muss erst recht für ganze Lebewesen gelten. Greenpeace fordert, nur technische Verfahren zu patentieren, nicht aber Pflanzen und Tiere. Die belebte Natur ist keine Erfindung der Industrie, für die man Patente erhält, um damit Geld zu machen."

Nach der neuen Regelung, um deren genaue Formulierung der Rechtsausschuss noch ringt, wäre zum Beispiel das bereits erteilte Patent auf das Brustkrebsgen nur sehr eingeschränkt gültig. Statt der umfassenden Patentrechte an dem Gen, wie sie die US-Firma Myriad erhielt, könnte die Firma nur noch Rechte beanspruchen für ein bestimmtes diagnostisches Verfahren. Weitere Verwendungen des Gens, wie sein Einsatz in neuen diagnostischen Verfahren oder auch bei Therapien und Arzneimitteln, bleiben für alle offen.

Der Bundestag käme mit der Regelung einer wichtigen Forderung entgegen, die Greenpeace ebenso erhebt wie Wissenschaftler, Ärzte und Patientenorganisationen. "Wenn das Parlament Gen-Patente tatsächlich auf einzelne technische Anwendungen begrenzt, beseitigen sie viele der befürchteten Nachteile für Forscher, Mediziner und Patienten", erklärt Then.

Frau von Renesse teilte in dem Rundfunk-Gespräch außerdem mit, dass die Parlamente in den Mitgliedsländern der Europäischen Union über diese Entscheidung informiert werden sollen, damit auch sie Patente auf Gene entsprechend gesetzlich einschränken.

Greenpeace setzt sich für ein generelles Verbot von Patenten auf Lebewesen ein und findet breite Unterstützung u.a. bei der Ethik-Kommission des Bundestages, dem Europarat, dem Deutschen Bauernverband und den Kirchen. In der letzten Zeit stand das Europäische Patentamt (EPA) in München unter heftiger Kritik, weil es unter anderem Patente erteilte auf die sogenannte Krebsmaus, auf Anti-Matsch-Tomate, Mais- und andere Nahrungspflanzen sowie schnell wachsende Fische. Besonderes Aufsehen erregten Patente, die Greenpeace aufdeckte und den Menschen ins Visier nahmen, wie im Falle eines nicht-humanen chimären Tieres, das aus einer Mischung von menschlichen und tierischen embryonalen Zellen hergestellt wird.

Christoph Then | ots
Weitere Informationen:
http://www.greenpeace.de/

Weitere Berichte zu: Gen Lebewesen Patent

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Luftreiniger und Schmutzpumpe: der indische Monsun
15.06.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht 100 % Ökolandwirtschaft in Bhutan – ein realistisches Ziel?
15.06.2018 | Humboldt-Universität zu Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Im Fußballfieber: Rittal Cup verspricht Spannung und Spaß

18.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics