Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Schweinswal in der Ostsee ist vom Aussterben bedroht

19.05.2006


Dem Schweinswal in der Ostsee ist jeder dritte Sonntag im Mai gewidmet. Doch der Ehrentag, in 2006 der 21. Mai, ist kein Tag zum Feiern. Der Kleine Tümmler, wie der etwa 1,60 m lange schwarz-weiße Wal mit der stumpfen Schnauze auch heißt, hat in der Ostsee kaum eine Überlebenschance. In der Östlichen und Zentralen Ostsee leben nach Hochrechnungen noch höchstens 600 Schweinswale, in der Westlichen Ostsee etwa 800 bis 2000. Etwas besser geht es ihnen in Kattegat und Beltsee, so wie in der Nordsee. "Doch auch hier sterben jedes Jahr mehr Tiere als geboren werden", sagt die Meeresbiologin Petra Deimer von der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM). "Das kann kein Bestand verkraften".

Schadstoffe, Unterwasserlärm und Kiesabbau vom Meeresboden, aber vor allem die Fischerei machen den sensiblen Meeressäugern das Überleben schwer. Zu viele sterben in nicht für sie ausgebrachten Fischernetzen, im sogenannten Beifang. Sie können die modernen Netze aus Kunststoffgarn weder sehen noch mit ihrem Echolot erfassen. Sie verheddern sich und ersticken elendig.

Um den einzigen Wal der Ostsee vorm Aussterben zu bewahren, wurde unter dem "Abkommen zur Erhaltung der Kleinwale in Nord- und Ostsee" (ASCOBANS) ein Rettungsplan entwickelt. Er rät zur Umrüstung auf weniger gefährliche Fischfangtechniken: Von Treibnetzen auf Langleinen und von Stellnetzen auf Fischreusen. Er rät auch zu Öffentlichkeitsarbeit und Schutzgebieten, wie sie für Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft im Rahmen von "Natura 2000" ohnehin Pflicht geworden sind.

Die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM) bittet seit 2002 Seefahrer um Mithilfe: Melden Sie der GSM Schweinswalsichtungen, möglichst mit ausführlichen Angaben wie GPS-Daten unter www.gsm-ev.de. 869 Sichtungen erhielt die GSM für die Saison 2005, die das Bundesamt für Naturschutz (BfN) auf eine Seekarte übertragen hat. In diesem Jahr verbindet die GSM ihr Projekt mit einem Foto- und Videowettbewerb, der mit Mitteln der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gefördert wird. "Jedes Lebenszeichen hilft", sagt Jörg Dürr-Pucher, Geschäftsführer der DUH. "Zumal manche Politiker und Fischer nur zu gern ein Scheitern des Rettungsplans sehen würden." Ihr Motto: Wo keine Schweinswale sind, werden Rettungsmaßnahmen überflüssig. Dabei haben auch die Fischbestände Schutz längst bitter nötig.

"Die Sichtungsdaten helfen, Schutzgebiete einzurichten - und zu verteidigen", sagt Hans-Jürgen Schütte, Initiator des GSM-Sichtungsprojektes. "Doch keine Angst. Naturverträglicher Wassersport, wird genau wie nachhaltige Fischerei dadurch nicht beeinträchtigt werden." Die Ergebnisse des Foto- und Videowettbewerbs werden am 20. Oktober 2006 im Deutschen Meeresmuseum (DMM) in Stralsund bekannt gegeben.

Das DMM führt seit 2002 ein akustisches Monitoring in der gesamten deutschen Ostsee durch. Schweinswaldetektoren registrieren die Echoortungslaute der Kleinwale, mit denen diese sich orientieren und jagen. "Ich freue mich sehr, dass uns die Detektoren so hervorragende Ergebnisse über das Vorkommen von Schweinswalen liefern. Dabei müssen wir leider aber auch erkennen, dass in der östlichen deutschen Ostsee nur sehr wenige Schweinswale registriert werden, was für einen sehr kleinen Bestand spricht." meint Dr. Harald Benke, Walforscher und Direktor des Deutschen Meeresmuseums.

Historische Dokumente belegen, dass Schweinswale einst überall in der Ostsee lebten. Sie wurden auch als "Meerschwein" gegessen. Heute kommen sie fast nur noch im südwestlichen Teil, vor den Küsten Dänemarks, Deutschlands und Schwedens vor, aber nur noch selten in finnischen und polnischen Gewässern. Eine etwaige Grenze liegt in Höhe der dänischen Insel Bornholm. Ein Rettungsplan kann natürlich nur funktionieren, wenn dem Ostsee-Wal keine tödlichen Fallen mehr gestellt werden und er eine Chance bekommt, seine angestammte Heimat wieder zu erobern: die ganze Ostsee.



Für Rückfragen:


Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM),
Petra Deimer und Hans-Jörg Schütte
Tel.: 0 4106 4712, Fax: 04106 4775, E-Mail: pdeimer@gsm-ev.de

Petra Deimer | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.gsm-ev.de
http://www.duh.de

Weitere Berichte zu: Aussterben GSM Meeressäugetiere Rettungsplan Schweinswal

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Vogelmonitoring leicht gemacht: Erfassung der Brutvögel wird digitalisiert
22.01.2018 | Bundesamt für Naturschutz

nachricht Versauerung: Wie der Klimawandel die Süßgewässer belastet
12.01.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Warum genau diese 20? – Quantenchemie löst Aminosäure-Rätsel

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Simulation: Neuartiger zweidimensionaler Schaltkreis funktioniert mit magnetischen Quantenteilchen

22.01.2018 | Physik Astronomie

Vogelmonitoring leicht gemacht: Erfassung der Brutvögel wird digitalisiert

22.01.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz