Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Feinstaub-Smog sofort entdecken

15.05.2006


Neues Überwachungssystem für Feinstaub-Emissionen auf dem "Ideenpark 2006"


Stellt Feinstaubemssionen sofort fest: Das neue Überwachungssystem aus dem Clausthaler IMV (hier zu sehen: Das Messe-Exponat für den ’Ideenpark 2006’)



Wenn wir sie einatmen, bringen manche von ihnen krebserregende Stoffe bis tief in unsere Lunge. Sie kommen aus Dieselmotoren, Holzöfen oder Laserdruckern und man kann sie nur schwer messen. Die Rede ist von feinsten Partikeln, die in unserer Atemluft schweben, so genannte gasgetragene Feinstpartikel. Clausthaler Forscher haben nun ein Anzeigesystem entwickelt, das Feinstpartikel sofort und schon in geringsten Konzentrationen zuverlässig erfasst. Auf dem "Ideenpark 2006" der Firma Thyssen-Krupp vom 20. bis zum 28. Mai im Deutschen Pavillon des Expo-Plaza in Hannover stellen die Wissenschaftler der Technischen Universität (TU) Clausthal um Professor Dr. Alfred Weber vom Institut für Mechanische Verfahrenstechnik (IMV) ihren Sensor einem breiten Publikum vor.



Feinstpartikel sind so klein, dass sie fast keine Masse haben. Dafür haben sie eine vergleichsweise große Oberfläche, an die sich z.B. krebserregende Kohlenwasserstoffe anheften. Diese finden dann mit den Schwebeteilchen den Weg bis tief in unsere Lunge. Außerdem kann die Konzentration von Feinstaub in kurzer Zeit stark schwanken.

Bisherige Überwachungssysteme, wie sie auch die Dieselruß-Normen der Europäischen Union (EU) vorsehen, können die Gefahrenquelle Feinstaub nicht angemessen erfassen: Sie zielen entweder auf die Masse der Schwebeteilchen ab, oder sie messen nicht schnell genug.

Kinder sind besonders stark belastet

"Wie genau die Feinstaubbelastung zu Asthma-Anfällen, Lungenentzündungen und Herzinfarkt beiträgt, ist zum Teil noch nicht geklärt", berichtet Professor Dr. Alfred Weber vom IMV. Es sei aber unbestritten, dass von Feinstpartikeln ein erhebliches gesundheitliches Risiko ausgeht. Besonders kleine Menschen und Kinder würden von Feinstäuben stark belastet, da die Konzentration von Feinstpartikeln in Bodennähe oft viel höher ist.

Die Forscher aus Webers Arbeitsgruppe am IMV der TU Clausthal haben nun ein Überwachungssystem entwickelt, das unmittelbar und sehr empfindlich die Feinstaubkonzentration anzeigt. Unabhängig von der sehr geringen Masse des Feinstaubs misst er die Oberfläche der Partikel. Über den photoelektrischen Effekt reagiert der Sensor dabei besonders empfindlich auf Kohlenwasserstoffe, die sich an die Schwebeteilchen angeheftet haben. "Wenn Sie in zehn Metern Entfernung eine Zigarette rauchen, dann gibt mir der Sensor sofort das Signal, dass die Belastung für mich gestiegen ist", erklärt Weber. Damit sei der Sensor den bisherigen Systemen zur Feinstaubmessung weit überlegen.

Abgaskontrolle für Kamin und Straßenverkehr

Eingesetzt werden könnte der Feinstaubdetektor laut Weber zum Beispiel zur Abgaskontrolle in Holzöfen, einer jüngst vom Umweltbundesamt identifizierten massiven Feinstaubquelle. Holzfeuer in Kaminen und Öfen in Haushalten und kleinen Firmen produzierten dem Bericht des Bundesamts zufolge mehr Feinstaub, als alle Pkw, Lkw und Motorräder zusammen. "Falls es zu einer Gesetzesänderung und damit zu strengeren Vorschriften für das Verbrennen von Holz kommt, haben wir bereits die Technik, mit der sich die neuen Grenzwerte kontrollieren lassen," sagt der Clausthaler Wissenschaftler.

Aber auch zur sofortigen Anzeige der Feinstaubbelastung an Straßen lässt sich der neue Sensor verwenden. "Die zeitliche Auflösung der Messung ist so groß, dass die Feinstaub-Emission unmittelbar angezeigt wird", so Weber. Mit solchen Messungen könnte auch die Dieselruß-Norm der EU auf eine neue Basis gestellt werden. "Messungen mit unserem Sensor ermöglichen Grenzwerte, die sich an der Belastung für Menschen orientieren. Gekoppelt etwa an innovative Verkehrsleitsysteme könnten sie Anwohner deutlich besser vor Gefahren durch Feinstaub schützen."

"IdeenPark 2006" - Begeisterung für Technik wecken

Unter dem Motto "Technik entdecken - Zukunft gestalten" präsentiert der "IdeenPark 2006" der Firma Thyssen-Krupp gemeinsam mit dem Land Niedersachsen und über 50 Partnern neun Tage lang auf 30 000 Quadratmetern "Technik zum Anfassen und Begreifen". Auf der Ausstellung werden etwa 100 Exponate und Experimente zu sehen sein. Die TU Clausthal beteiligt sich mit fünf Exponaten und einem Vortrag am IdeenPark, der in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindet.

Kontakt:
Prof. Dr. Alfred Weber
Institut für Mechanische Verfahrenstechnik
Leibnizstraße 19
38678 Clausthal-Zellerfeld
Tel.: 05323 - 72 2191 (Sekretariat)
Email: tower@mvt.tu-clausthal.de (Sekretariat)

Andreas Moseke | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-clausthal.de
http://www.zukunft-technik-entdecken.de

Weitere Berichte zu: Feinstaub IMV Schwebeteilchen Sensor Überwachungssystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll
23.02.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

From rocks in Colorado, evidence of a 'chaotic solar system'

23.02.2017 | Physics and Astronomy

'Quartz' crystals at the Earth's core power its magnetic field

23.02.2017 | Earth Sciences

Antimicrobial substances identified in Komodo dragon blood

23.02.2017 | Life Sciences