Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU Richter strafen ohne Harmonie

08.11.2001


Experten fordern europaweit angepasste Strafen beim Schmuggel mit bedrohten Arten




Rechtsexperten aus ganz Europa beschlossen gestern in Frankfurt, Empfehlungen zu erarbeiten, damit in Zukunft beim illegalen Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten europaweit einheitliche Strafen verhängt werden. Auf einer gemeinsamen Veranstaltung der Weltnaturschutzunion IUCN und des WWF Artenschutzprogramms TRAFFIC diskutierten Staatsanwälte und Artenschutzexperten aus 15 Ländern erstmals Maßnahmen, um die seit 1997 bestehende EU-Verordnung zum Handel mit bedrohten Arten einheitlich umzusetzen und zu sanktionieren.



„Die EU kann sich nicht damit zufrieden geben, dass ein auf frischer Tat ertappter Schmuggler in einem Land eine Haftstrafe absitzen muss, in einem anderen aber mit einer bloßen Verwarnung davon kommt,“ erklärt Roland Melisch, Artenschutzexperte beim WWF. „Dieser Workshop hat gezeigt, dass wir in Europa dringend eine Angleichung der Strafen erreichen müssen.“Juristen betonen die Komplexität im Artenschutzrecht, das etwa 40.000 Tier- und Pflanzenarten erfasst. Strafverfolgungsbehörden sehen sich zunehmend mit hohen Gewinnspannen beim illegalen Handel und mit organisierter Kriminalität konfrontiert. Sie fordern von Naturschützern verstärkt Informationen über Wert und Bedrohungsgrad der geschmuggelten Tiere und Pflanzen, um das geforderte Strafmaß daran ausrichten zu können. Als erstes Ergebnis des bislang weltweit einmaligen Forums erarbeitet TRAFFIC für die Richter in der EU einen Katalog an Präzedenzurteilen bei Vergehen gegen das Artenschutzrecht.

„Für Staatsanwälte und Richter ist auf diesem Gebiet eine verbesserte Ausbildung notwendig,“ fordert Melisch. „Wir setzen auf künftig optimierte Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgern und Naturschutz.“

Auch in Deutschland gibt es nach Auskunft des WWF durchaus noch Handlungsbedarf. In einem der größten Fälle der letzten Jahre wurde ein Tierhändler im Dezember 2000 zwar zu drei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt, befindet sich aber nach wie vor auf freiem Fuß. Der Richter hatte den ursprünglichen Anklagepunkt der Gründung einer kriminellen Vereinigung nicht aufgenommen. Zahlen belegen, dass die EU zu den bedeutendsten Umschlagplätzen für den Handel mit bedrohten Arten gehört. So läuft rund ein Drittel des weltweiten Handels mit Kaviar oder Heilpflanzen in oder über die EU. Im Windschatten dieses legalen Markts tummeln sich viele Formen des illegalen Handels. Dazu gehören zum Beispiel der versteckte Transport lebender Reptilien und Vögel im Reisegepäck, die Einfuhr mit gefälschten Dokumenten wie auch der Schmuggel von seltenen Pflanzen per Post.

Roland Melisch | WWF

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie