Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

20. Jahrhundert war in Nordpakistan das feuchteste seit 1.000 Jahren

27.04.2006


Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die Niederschlagsmenge in den Bergen Nordpakistans erheblich erhöht. Das zeigt die weltweit erste Auswertung von Isotopen in Jahresringen aus mehr als 1.000 Jahre alten Wacholder-Bäumen. Das 20. Jahrhundert war im Norden Pakistans demnach das feuchteste des vergangenen Milleniums, berichten Wissenschaftler des Schweizer Forschungsinstituts WSL, des Geoforschungszentrums Potsdam, des Forschungszentrums Jülich und der Universität Bonn in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift "Nature" vom 27. April. Grund könnte die globale Erwärmung sein: Mit zunehmender Temperatur kann die Atmosphäre mehr Feuchtigkeit speichern, was wiederum stärkere Schnee- und Regenfälle zur Folge hat. Der Niederschlagszuwachs ist zumindest für die letzten 1.000 Jahre ohne Beispiel; der Einfluss des Menschen sei daher nicht unwahrscheinlich, schreiben die Forscher.



Baumringe sind empfindliche Indikatoren für die Klima- und Umweltbedingungen, unter denen sie wachsen: "Wenn Bäume unter Stress geraten - beispielsweise in besonders trockenen Jahren -, ist ihr Stammzuwachs geringer als in guten Zeiten", erklärt der Bonner Geographie-Professor Matthias Winiger. "Entsprechend schmal fallen damit die Jahresringe aus." Noch aussagekräftiger ist die Analyse des ins Holz eingebauten Sauerstoffs. Dazu misst man das Verhältnis zweier unterschiedlich schwerer Sauerstoff-Varianten, so genannter Isotope. "Diese Methode ist extrem aufwändig, erlaubt aber sehr genaue Aussagen über die Feuchtigkeitsbedingungen im jeweiligen Jahr", erklärt Winiger.

... mehr zu:
»Isotop »Jahresringe »Pakistan


Das Wissenschaftlerteam hat vier Bestände von Wacholderbäumen im Karakorum- und Himalaya-Gebirge unter die Lupe genommen. Wacholderbäume können extrem alt werden. Bei einem der Bestände lassen sich die Jahresringe bis zum Jahr 828 nach Christus zurückverfolgen. Ihr Holz ist damit ein sehr aussagekräftiges "Klimaarchiv", das mehr als 1.000 Jahre zurückreicht. Um die Genauigkeit der Daten abzuschätzen, haben die Forscher die aus den Jahresringen abgeleiteten Niederschlagsverlaufskurven für eine Referenzperiode mit Beobachtungswerten von meteorologischen Stationen verglichen. Diese gibt es in den Bergen Pakistans allerdings erst seit 1898. "Für diese Zeitspanne stimmt unsere Methode bemerkenswert gut mit den Messergebnissen überein", betont Professor Winiger.

Die Resultate zeigen, dass es schon in der Vergangenheit besonders feuchte Jahrzehnte gegeben haben muss, beispielsweise um 1200 oder 1350. Im späten 19. und dem gesamten 20. Jahrhundert waren jedoch derartige "Niederschlagsspitzen" sowohl besonders hoch als auch ausgesprochen häufig. Die Niederschlagsentwicklung in Pakistan zeigt damit Parallelen zur globalen Temperaturerhöhung, die sich in den letzten 150 Jahren beobachten lässt. Sie hat unter anderem Auswirkungen auf atmosphärische Prozesse, insbesondere die so genannte atmosphärische Zirkulation. Darunter verstehen Wissenschaftler die weltumspannenden Luftströmungen, die vor allem durch die Wärmeeinstrahlung der Sonne angetrieben werden.

Es wird vermutet, dass die Klimaänderung zumindest teilweise auf vom Menschen direkt oder indirekt erzeugten Treibhausgase wie Kohlendioxid und Wasserdampf zurückgeführt werden kann. Die Autoren der Studie zeigen sich von ihren Ergebnissen selbst besorgt: "Änderungen in Niederschlagsrate und -verteilung, somit des Wasserhaushalts, hätten in diesen subtropischen und randtropischen Regionen einen weit größeren Einfluss auf das Wohlergehen des Menschen und den Wandel der Ökosysteme als die alleinige Änderung der Temperatur", schreiben sie.

Kontakt:
Professor Dr. Matthias Winiger
Geographisches Institut der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-7297
E-Mail: winiger@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Isotop Jahresringe Pakistan

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen