Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lkw-Maut nützt Umwelt und Wirtschaft

07.11.2001


Mit Schwerverkehrsabgabe und besserem Bahn-Angebot effizienten und umweltverträglichen Güterverkehr erreichen

Die von der Bundesregierung für 2003 geplante Autobahn-Maut für schwere Lastkraftwagen kann zu Produktivitätssteigerungen im Transportgewerbe führen und mehr Güter auf die Bahn verlagern. Unter zwei Voraussetzungen: Die rechtlichen Spielräume für eine umweltorientierte Gestaltung der Maut müssen ausgeschöpft werden, die Bahn muss ihr Gütertransportangebot verbessern. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse zweier Studien, die das Umweltbundesamt (UBA) jetzt in der Reihe "TEXTE" veröffentlicht hat. Verkehrswissenschaftler der Universität Karlsruhe und die Berliner Anwaltskanzlei Schmidt-Wottrich, Jungnickel und Partner haben im Auftrag des UBA die ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen einer umweltorientierten Schwerverkehrs­abgabe ausführlich untersucht.

Die Ergebnisse der Studien sind besonders für das von der Bundesregierung beschlossene Autobahnmautgesetz bedeutsam. Es besteht die Chance, durch die Autobahnmaut den Güterverkehr in Deutschland effizienter und umweltschonender zu gestalten. Hierzu ist es allerdings erforderlich, dass die Maut über der bisher diskutierten Höhe liegt, wie sie zum Beispiel von der Pällmann-Kommission vorgeschlagen wurde. Außerdem ist es notwendig, die Einnahmen in hohem Maße für den Ausbau der Bahn zu verwenden und alle von Verlagerungen betroffenen Straßen einzubeziehen.

Die verkehrswissenschaftliche Studie der Uni Karlsruhe unter der Leitung von Prof. Werner Rothengatter vergleicht die ökonomische und umweltbezogene Wirkung unterschiedlicher Maut-Szenarien. Wichtigstes Ergebnis: Die Einführung einer Lkw-Maut kann die vom Schwerlastverkehr ausgehenden Umweltbelastungen deutlich verringern, wenn sie ausreichend hoch ist, das gesamte Fernstraßennetz einbezieht, geringere Mautsätze für emissionsarme Fahrzeuge vorsieht und mit einem besseren Güterverkehrsangebot auf der Schiene verknüpft wird. Eine bis 2010 auf durchschnittlich 40 Pfennig je km ansteigende Lkw-Maut auf allen Bundesfernstrassen wird nicht nur Produktivitätssteigerungen im Transportgewerbe nach sich ziehen und verkehrsmindernde Anpassungen der Wirtschaft bewirken. Wird gleichzeitig das Transportangebot der Bahn verbessert, werden sich deutlich mehr Transporte auf die Schiene verlagern. Dies führt dazu, so die Studie, dass der Güterverkehr auf der Straße um 3,3 % abnimmt und auf der Schiene um rund 14 % steigt.

Eine auf das Autobahnnetz beschränkte Lkw-Maut in Höhe von 25 Pfennig je km wird hingegen nur geringe Entlastungen des Straßengüterverkehrs und der Umwelt bewirken. Sie kann sogar zu zusätzlichen Umweltbelastungen außerhalb von Autobahnen führen, da mehr Lastwagen von der Autobahn auf nachgeordnete Straßen ausweichen, um die Maut zu sparen. Durchschnittlich wird eine reine Autobahnmaut das Verkehrsaufkommen auf nachgeordneten Straßen um 4,5 % erhöhen, wobei die höchsten Verlagerungswirkungen bei Transporten unter 150 km auftreten.

Die rechtswissenschaftliche Studie untersucht eingehend die rechtlichen Möglichkeiten einer umweltorientierten Gestaltung der Lkw-Maut. Rechtliche Beschränkungen für den Anwendungsbereich und die Höhe der Schwerverkehrsabgabe ergeben sich vor allem aus der so genannten EG-Wegekostenrichtlinie. Danach ist die Lkw-Maut grundsätzlich auf Autobahnen beschränkt, Strecken des nachgeordneten Straßennetzes dürfen jedoch einbezogen werden, um ein unerwünschtes Ausweichen von Lkw auf andere Straßen zu vermeiden. Die Höhe der Lkw-Maut muss sich an den Wegekosten des mautpflichtigen Straßennetzes orientieren. Dies schließt allerdings umweltbezogene Infrastrukturaufwendungen (zum Beispiel zur Lärmminderung oder für naturschutzrechtliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen) ein. Zusammenfassendes Fazit des Rechtsgutachtens: Die EU-rechtlichen Regelungen belassen genügend Spielraum, um mit der Lkw-Maut Umweltentlastungen zu erreichen und Verlagerungen von Lkw-Transporten von der Autobahn auf nachgeordnete Straßen entgegenzuwirken.

Die Studien "Anforderungen an eine umweltorientierte Schwerverkehrsabgabe für den Straßengüterverkehr" und "Umweltorientierte Schwerverkehrsabgaben aus der Sicht des Verfassungs- und Europarechts - Modelle, Restriktionen, Gestaltungsoptionen" sind in der Reihe "Texte" des Umweltbundesamtes als Nr. 57/01 und Nr. 58/01 erschienen und können für je 15 DM (7,67 Euro) bezogen werden bei der Firma Werbung und Vertrieb, Ahornstraße 1-2, 10787 Berlin (Vorauszahlung durch Banküberweisung auf das Konto 4327 65-104, Postbank Berlin, BLZ 100 100 10). Sie können auch über das Internet bestellt werden ("Veröffentlichungen").

Karsten Klenner | idw
Weitere Informationen:
http://www.umweltbundesamt.de

Weitere Berichte zu: Güterverkehr Lkw-Maut Maut Schiene Schwerverkehrsabgabe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Nur die Spitze des Eisbergs / Monitoring-Programme unterschätzen den Einfluss des Menschen
16.03.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie