Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Über die Hälfte der Pflanzenarten in Europa durch Klimawandel bedroht

23.03.2006


UFZ-Wissenschaftler stellen Forschungsergebnisse auf der UNO-Konferenz zur biologischen Vielfalt in Brasilien vor


Die europäische Flora wird sich in den nächsten Jahren durch den Klimawandel deutlich verändern. Grafik: Miguel B. Araújo


Alpen-Leinblatt (Thesium alpinum) - eine Art, deren Lebensräume vermutlich deutlich schrumpfen werden.
Quelle: Bundesamt für Naturschutz / www.floraweb.de



Über die Hälfte aller Pflanzenarten sind in Europa durch den Klimawandel ernsthaft bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Wissenschaftlerteam im Forschungsprojekt ALARM, das vom Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) geleitet wird. Erste Ergebnisse werden zurzeit im Rahmen der UNO-Konferenz zur biologischen Vielfalt im brasilianischen Curitiba vorgestellt.



Besonders dramatisch werde sich die Situation in den mittleren bis hohen Lagen der Gebirgsregionen entwickeln. Die Gebirgsflora dort sei sehr spezialisiert und könne sich deshalb schlechter anpassen. Das betreffe neben den Alpen und Pyrenäen vor allem große Teile des Mittelmeerraumes und Osteuropas. Geringer seien die Verluste der Artenvielfalt dagegen in Skandinavien und im Bereich des Atlantiks. Die Wissenschaftler hatten den Einfluss verschiedener Klimaprognosen auf 1350 europäische Pflanzenarten berechnet. Diese Klimaprognosen rechnen mit einem Ansteigen der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre bis zum Doppelten der heutigen Werte und einem Ansteigen der Mitteltemperatur um bis zu 4 Grad im Jahre 2080.

ALARM ist eines von fünf Forschungsprojekten mit einem Gesamtvolumen von 60 Millionen Euro, die die EU-Delegation am Donnerstag auf dem Treffen der Biodiversitätskovention präsentiert. Dr. Josef Settele vom UFZ Leipzig-Halle ist Mitglied dieser Delegation und wird in Curitiba unter anderem über Inhalte und Zwischenergebnisse des von ihm koordinierten Forschungsprojektes ALARM berichten. Dabei werden vier Bereiche, denen ein Anteil am Rückgang der biologischen Vielfalt zugeschrieben wird, näher unter die Lupe genommen: der Klimawandel, der Verlust an Bestäubern wie Bienen, Hummeln und Schmetterlingen, die in der Umwelt vorhandenen Schadstoffe sowie die Invasion gebietsfremder Tier- und Pflanzenarten. Die Wissenschaftler arbeiten in über 40 verschiedenen Untersuchungsgebieten verteilt über ganz Europa und Südamerika. Zum Ende der Projektlaufzeit 2009 erhoffen sich die Projektinitiatoren einen gewaltigen Wissenszuwachs - allein aufgrund der nie da gewesenen Breite und Vielschichtigkeit der Untersuchungen.

Der Umweltrat der europäischen Union hat in einer Erklärung im Vorfeld des Treffens der Biodiversitätskovention die Notwendigkeit betont, die Biodiversitätsforschung zu verstärken und das Biodiversitäts-Monitoring sei eine als zentrale Komponente, um die Ziele der Biodiversitätskonvention zu erreichen. Die Teilnehmer des UNO-Umweltgipfels von Rio de Janeiro hatten 1992 beschlossen, die Zerstörung der Umwelt und Artenvielfalt bis 2010 entscheidend zu verringern.

Vom 20. bis 31. März findet im südbrasilianischen Curitiba die 8. UNO-Konferenz zur biologischen Vielfalt statt. Die Konferenz ist Teil eines Treffens der Vertragspartner der Biodiversitätskonvention (englisch: Conference of the Parties to the Convention on Biological Diversity, COP 8). Erstmals werden dabei Experten auch über den Einfluss der Vogelgrippe auf Wildtiere und die Biodiversität diskutieren.

Die Biodiversitätskonvention (englisch: Convention on Biological Diversity, CBD) soll die Artenvielfalt der Erde schützen. Die Unterzeichner verpflichten sich, die biologische Vielfalt (Biodiversität) sowohl in ihren eigenen Ländern zu schützen, als auch geeignete Maßnahmen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt auf globaler Ebene zu unterstützen. Biologische Vielfalt umfasst dabei die genetische Vielfalt innerhalb einzelner Arten, die Artenvielfalt und die Vielfalt der Ökosysteme. Inzwischen wurde die Konvention von 187 Staaten sowie der EU unterzeichnet wurde.
Tilo Arnhold

Weitere fachliche Informationen über:
Dr. Ingolf Kühn / Dr. Stefan Klotz / PD Dr. Josef Settele
Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ)
Telefon: 0345-558-5311, -5301, -5320
http://www.ufz.de/index.php?en=821
http://www.ufz.de/index.php?en=817

oder über:
Doris Böhme/ Tilo Arnhold
UFZ-Pressestelle
Telefon: 0341-235-2278
Email: presse@ufz.de

Das Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) erforscht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften. Die Wissenschaftler entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern. Das UFZ ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2.2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Doris Böhme | UFZ Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de
http://www.biodiv.org/
http://www.alarmproject.net/

Weitere Berichte zu: Artenvielfalt Klimawandel Pflanzenart UFZ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

Junge Physiologen Tagen in Jena

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

25.09.2017 | Messenachrichten

Fraunhofer ISE steigert Weltrekord für multikristalline Siliciumsolarzelle auf 22,3 Prozent

25.09.2017 | Energie und Elektrotechnik

Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte

25.09.2017 | Medizin Gesundheit