Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schienenfahrzeuge in Europa zukünftig leiser

09.03.2006


Europäische Union führt Geräuschgrenzwerte für neue Güter- und Reisezugwagen sowie für Lokomotiven und Triebzüge ein


Für die vielen Millionen Menschen in Deutschland und Europa, die vor allem nachts unter Schienenlärm leiden, ist Besserung in Sicht: Die Europäische Kommission hat zum ersten Mal Geräuschgrenzwerte sowohl für neue Güter- und Reisezugwagen als auch für Lokomotiven und Triebzüge - so genannte konventionelle Schienenfahrzeuge - eingeführt. Sie wurden am 23. Dezember 2005 beschlossen und gelten ab 23. Juni 2006. Bereits Ende 2002 traten Grenzwerte für den Hoch¬geschwindigkeitsverkehr in Kraft. Damit verwirklicht die Kommission einen langjährigen Vorschlag des Umweltbundesamtes (UBA): Schienenverkehr leiser zu machen.

Die neuen Grenzwerte bedeuten vor allem, dass die besonders lauten, von Graugussklötzen gebremsten Fahrzeuge - wie in Güterzügen eingesetzt - nicht mehr zulässig sind. Langfristig bedeutet dies eine hohe Entlastung der Bevölkerung - vor allem an Strecken mit nächtlichem Güterverkehr. Zusammen mit verbesserter Gleispflege lassen sich Lärmminderungen um 10 Dezibel (dB(A)) erreichen, was sonst nur mit einer Verringerung der Verkehrsmengen auf ein Zehntel erreichbar wäre.


Die neuen Geräuschgrenzwerte gelten für den Stand, das Anfahren und das Fahrgeräusch mit konstanter Geschwindigkeit. In der Entscheidung der Kommission ist auch die Messvorschrift enthalten, mit der die Geräuschemissionen der Schienenfahrzeuge zu prüfen sind. Vor allem wichtig: Die Messungen müssen auf einem leisen Prüfgleis erfolgen. Die Geräuschvorschrift beschränkt sich - wie im europäi¬schen Lärmschutzrecht üblich - auf Neufahrzeuge. Das ist ein wesentliches Defizit. Wegen der langen Lebensdauer der Schienenfahrzeuge, von bis zu 40 Jahren, schlug das UBA auch aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes wiederholt vor, die Geräuschvorschrift um ein staatlich gefördertes Umrüstprogramm für die lauten Güterwagen zu ergänzen. Durch ein solches ergänzendes Umrüstprogramm ließe sich das - seit 1999 laufende - Lärmsanierungsprogramm an Schienenwegen nicht nur wesentlich schneller, sondern auch mit deutlich geringeren gesamtwirtschaftlichen Kosten abschließen. Denn: Lärmminderungsmaßnahmen an der "Quelle", das heißt an Fahrzeugen und -wegen, sind sehr wirksam und vergleichsweise kostengünstig.

Den deutlichsten Fortschritt wird die neue Geräuschvorschrift bei den bisher graugussklotz-gebremsten Fahrzeugen bewirken. Deren Bremssystem muss nun durch Kunststoffklotz- oder Scheibenbremsen ersetzt werden. Da fast alle Güterwagen mit Graugussklötzen bremsen, ist der nächtliche Güterverkehr in Deutschland die Hauptquelle für die Schienenverkehrslärmbelastungen der Bevölkerung. Deshalb ist die langfristige Wirksamkeit der Vorschrift sehr hoch.

Lokomotiven und Triebwagen mit besonders lauten Antriebs- und Aggregatgeräuschen dürfen nach in Kraft treten der Vorschrift nicht mehr auf die Schienen. Bei scheibengebremsten Fahrzeugen beschreiben die neuen Grenzwerte allerdings nicht mehr als das heute vorhandene Schallemissionsniveau.

Die Entscheidung der Europäischen Kommission enthält auch Empfehlungen für eine zweite Stufe der Fahrgeräuschegrenzwerte in 10 Jahren: Danach sollen Güter- und Reisezugwagen sowie Lokomotiven um weitere 5 dB(A), Triebwagen um 2 dB(A) leiser werden. Während der vorgesehenen Überarbeitung der Entscheidung wird die Kommission in spätestens 7 Jahren auch Vorschläge unterbreiten, wie sich die Fahrwege und die Wartungsvorschriften für Fahrzeuge in die Geräuschvorschrift einbeziehen lassen.

Die neuen EU Grenzwerte wurden im Amtsblatt L 37 der Europäischen Union am 08.02.2006 verkündet; sie treten am 23. Juni dieses Jahres in Kraft, ohne dass es einer nationalen Umsetzung be¬darf. Die Mitgliedstaaten hatten den Vorschlägen der Kommission zugestimmt. Das UBA hat an der Entwicklung der Entscheidung seit dem Jahr 2000 intensiv mitgearbeitet.

Nähere Informationen zur Entscheidung und zum Schienenverkehrslärm allgemein sind beim UBA-Fachgebiet "Lärmminderung im Verkehr" zu erhalten (Postfach 1406, 06813 Dessau, Tel: 0340-2103-2403, Michael Jaecker-Cueppers (michael.jaecker-cueppers@uba.de).

Die EU-Entscheidung ist unter http://europa.eu.int/eur-lex/lex/LexUriServ/site/de/oj/2006/l_037/l_03720060208de00010049.pdf zu finden.

Frank Hönerbach | idw
Weitere Informationen:
http://europa.eu.int/eur-lex/lex/LexUriServ/site/de/oj/2006/l_037/l_03720060208de00010049.pdf
http://www.umweltbundesamt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise