Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Einschätzung des Aussterberisikos von Pflanzengattungen

21.02.2006


Im Rahmen des TRANSPLANT-Projekts wurden die Wachstumsfähigkeit der Jungpflanzen und die quantitative genetische Variation von drei Pflanzengattungen im Verhältnis zu Populationsgröße sowie Isolation und Plastizität untersucht.



Die stetig zunehmenden Eingriffe des Menschen durch die Bereiche Landwirtschaft, Transportwesen, Erholungsbranche und Ausbreitung der Städte gingen mit entscheidenden Veränderungen des Flächenbedarfs einher. Trotz nationaler und internationaler Naturschutzbestrebungen zur Erhaltung der Lebensraumqualität weisen seltene und bedrohte Arten Verbreitungsprobleme in fragmentierten Lebensräumen auf. Insbesondere stiellose, langlebige Organismen, wie der Großteil aller Pflanzen, verfügen über zu kleine und zu weit verstreute Populationen, wodurch sich die Neubesiedelung verbesserter Biotope als unzureichend erweist.



Davon angetrieben wurden im Rahmen des TRANSPLANT-Projekts die Aussterberisiken von Pflanzengattungen in fragmentierten Landschaften innerhalb Europas untersucht und wissenschaftlich solide Wiedereinführungspläne entwickelt. Ein Teil der Projektarbeit umfasste ein allgemeines Gartenexperiment mit drei Pflanzengattungen - Pimpinella saxifraga (Bibernelle), Carlina vulgaris (Golddistel) und Hypochoeris radicata (Ferkelkraut). Dabei entdeckten die Forscher eine genetische Variation in Populationsgröße sowie Isolation und Plastizität der Carlina-Gattung.

Die Pflanzen wurden aus Samen gezüchtet, die aus verschiedenen Populationen bezüglich Größe und Grad der regionalen Isolation gesammelt wurden, und über einen Zeitraum von zwei Jahren in einem allgemeinen Garten aufgezogen. Die Forscher untersuchten die morphologischen und auf die Kondition bezogenen Merkmale sowie die Verbreitung einer quantitativen genetischen Variation in Regionen sowie in Populationen innerhalb von Regionen und Familien. Außerdem erforschten sie im Rahmen unterschiedlicher Verfahren den Grad der Plastizität verschiedener Carlina-Gattungen aus unterschiedlichen Regionen Europas und aus Populationen verschiedener Größe und unterschiedlichen Isolierungsgrades.

Die Ergebnisse belegten, dass Fragmentierung einen stärkeren genetischen Einfluss auf gering verbreitete Gattungen (Carlina und Pimpinella) als auf stärker verbreitete Gattungen (Hypochoeris) hat. Obwohl die Lebensraumfragmentierung keine negativen Auswirkungen auf die phänotypische Plastizität der Carlina-Gattung hat, schienen die Populationen aufgrund der genetischen Isolation eine unterschiedliche Plastizität aufzuweisen.

Bessere Einblicke in die Verbreitung von Pflanzengattungen sollen den Wissenschaftlern und Entscheidungsträgern, die an der Vorhersage von Einflüssen der Fragmentierung auf Pflanzengattungen beteiligt sind, eine wertvolle Hilfestellung geben. Diese starke genetische Variation innerhalb der Populationen zeigt einen sehr begrenzten Genfluss unter den verbleibenden fragmentierten Populationen in den entsprechenden Regionen. Dabei sollten sich Naturschutzpläne auf große Pflanzenpopulationen in verschiedenen Regionen Europas konzentrieren, um die genetische Veränderlichkeit der Arten zu erhalten.

Prof. Dr. Diethart Matthies | ctm
Weitere Informationen:
http://www.uni-marburg.de

Weitere Berichte zu: Isolation Pflanzengattung Plastizität Populationen Variation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein neuer Index zur Diagnose einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Cockpit für Kühlgeräte

20.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Der Hausschwamm als Chemiker

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie