Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umweltwirkungen moderner (Misch-) Kraftstoffe für Dieselmotoren

16.02.2006


In ihrem im Jahre 2004 vorgelegten Bericht zur nachhaltigen Entwicklung kam die frühere Bundesregierung bei Kraftstoffen zu dem Ergebnis, dass bis 2020 Effizienzsteigerungen bei Diesel- und Ottomotoren sowie innovative Antriebskonzepte eine zentrale Rolle spielen werden. Biokraftstoffe wie Biodiesel werden zukünftig insbesondere als Beimischungskomponente eingesetzt werden. Die gleiche Feststellung trifft nach Auffassung der früheren Bundesregierung ebenfalls für die zukünftige Verwendung sowohl von Gas-to-Liquid-Kraftstoffen (GTL) als auch Biomass-to-Liquid-Kraftstoffen (BTL) zu.



Auch wenn in dem Bericht bei BTL-Kraftstoffen von nennenswerten Produktionskapazitäten frühestens ab dem Jahr 2010 ausgegangen wird, müssen für eine flächendeckende Verwendung sowohl von Biodiesel als auch BTL als Mischungsanteil in Dieselkraftstoff die Umweltwirkungen bezüglich der entstehenden Abgasemissionen geprüft werden.



In einem von der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) und Shell Research Limited geförderten Verbundvorhaben des Instituts für Technologie und Biosystemtechnik der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Kooperation mit dem Steinbeis-Transferzentrum Biokraftstoffe und Umweltmesstechnik Coburg sowie dem Zentrum für Arbeits- und Sozialmedizin der Universität Göttingen wurden die Umweltwirkungen unterschiedlicher Dieselkraftstoffe untersucht. Nunmehr legten die Projektpartner die Ergebnisse des Vorhabens in einem Abschlussbericht vor.

Ziel des Projekts waren vergleichende Abgasuntersuchungen bei Verwendung von

o Shell Mittel-Destillat (GTL) mit Schmierfähigkeitsadditiv
o fossilem Dieselkraftstoff (DK)
o Rapsölmethylester (RME)
o Premium-Dieselkraftstoff (PDK - bestehend aus 60 % DK, 20 % RME und 20 % GTL)
o einem Gemisch aus 95 % GTL und 5% RME (B5GTL).

Bei dem letztgenannten Gemisch ist also RME dem GTL als Additiv zur Verbesserung der Schmierfähigkeit beigemischt. Für die Untersuchungen wurde ein Nutzfahrzeugmotor OM 906 LA der Firma Mercedes-Benz (Euro III) im ESC-Test mit den genannten Kraftstoffqualitäten betrieben und die limitierten Abgaskomponenten, die Partikelgrößenverteilung sowie die Mutagenität der organisch löslichen Partikelfraktionen wurden ermittelt.

Insgesamt verursacht der Kraftstoff GTL durchweg niedrigere Emissionen als herkömmlicher DK, wobei die besonders niedrigen Stickoxidemissionen und die deutlich geringere Mutagenität hervorzuheben sind. RME zeigt bei den Kohlenwasserstoff-, Kohlenmonoxid- und Partikelmassenemissionen Vorteile. PDK verbindet diese Vorteile. Während B5GTL nahezu in allen Messwerten der zu erwartenden Kombination aus GTL mit geringer Verschiebung zum RME entspricht, zeigen sich beim PDK nichtlineare Effekte. Dazu gehört eine geringere Partikelmassenemission.

Zusammenfassend diente das Vorhaben dazu, die Verwendung von Kraftstoffen mit einem wahrnehmbaren Biogenitätsgehalt sowie die Auswirkungen von GTL (rein und in Zumischung) auf die Emissionen zu untersuchen. In diesem Sinn kann von einem kraftstoffsystemtechnischen Forschungsansatz gesprochen werden. GTL stellt darüber hinaus einen möglichen Prototyp für zukünftiges BTL dar.

Die präliminaren Testreihen wurden an einem Euro-3-Nutzfahrzeugmotor ohne Abgasnachbehandlung durchgeführt. Insbesondere die nichtlinearen Emissions- und Wirkungsänderungen weisen darauf hin, dass die Untersuchungen auf Euro-4-Fahrzeuge mit Abgasnachbehandlung ausgeweitet werden müssen, um Vorteile und auch Gefahren des beliebigen Mischens von Kraftstoffen zu ermitteln, die Zusammenhänge zu erkennen und an die Motorenentwicklung weiterzuleiten. Das Projekt ist demnach auch als der Beginn der zukünftigen Formulierung eines motor- und umweltverträglichen Biokraftstoffs jenseits von reinem BTL oder reinem RME zu betrachten. Es zeigt die Potenziale der Kraftstoffforschung und regt an, den begonnenen Weg konsequent fortzusetzen.

Der Abschlussbericht des Vorhabens mit dem Titel "Vergleich von Shell Mittel-Destillat, Premium-Dieselkraftstoff und fossilem Dieselkraftstoff mit Rapsölmethylester" ist bei der UFOP (Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V., Haus der Land- und Ernährungswirtschaft, Claire-Waldoff-Str. 7, 10117 Berlin) erhältlich.

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Axel Munack, Institut für Technologie und Biosystemtechnik, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Bundesallee 50, 38116 Braunschweig, Tel. 0531-596-4201, E-Mail: axel.munack@fal.de

Margit Fink | idw
Weitere Informationen:
http://www.fal.de/

Weitere Berichte zu: BtL Dieselkraftstoff GTL Kraftstoff RME Umweltwirkung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie