Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geograph der Ruhr-Uni untersucht Bochumer Stadtwälder: Belastungen durch Altindustrien und Kfz-Verkehr

01.02.2006


Auf dem Weg vom Schadstofffilter zur Schadstoffquelle


Geograph der Ruhr-Uni untersucht Bochumer Stadtwälder
Belastungen durch Altindustrien und Kfz-Verkehr

... mehr zu:
»Depositionen »Ruhr-Uni


Der aktuelle Waldschadensbericht 2005 zeigt es: Der Zustand der deutschen Wälder ist weiterhin besorgniserregend. Sog. Stadtwälder sind in diesen Berichten allerdings häufig unterrepräsentiert. Das gilt für das gesamte Forschungsfeld Stadtwald. Diese Lücke schließt Dr. Michael Dohlen (Lehrstuhl für Physische Geographie und Geoökologie der Ruhr-Universität Bochum) in seiner Dissertation. Er hat die Schadstoffbelastung in Bochumer Stadtwäldern untersucht. Die Studie, die auch auf andere urbane Wälder im Ruhrgebiet übertragbar ist, ist Ende Januar erschienen.

Stadtwälder als Schadstofffilter

Kennzeichnend für die städtischen Wälder ist - neben vielen positiven psychosozialen Effekten für die Bevölkerung - die herausragende Bedeutung für die Umwelt. Aufgrund ihres hohen Filterpotentials filtern sie einerseits effektiv die Luft in der Stadt und verbessern damit die Luftqualität deutlich. Andererseits speichern sie auch mehr Schadstoffe als andere städtische Flächennutzungen. Durch den jahrzehntelangen Eintrag von Depositionen - aus der Industrie und dem Kfz-Verkehr - oder durch die Einbringung von Fremdmaterialien können sie aber auch zu einer Belastungsquelle für den tieferen Untergrund oder das Grundwasser werden. Folgen dieser Belastungen sind u. a. stark versauerte Böden, vertikale Verlagerungsprozesse von Schwermetallen und nicht zuletzt die Waldgesundheit. Insgesamt ist die Beeinflussung mit verschiedenen Schadstoffen in städtischen Wäldern häufig deutlich stärker als außerhalb, weil die Immissionen direkt aus umliegenden Quellen (z. B. Autobahnen) stammen.

Drei Bochumer Wälder

Die Untersuchungsergebnisse zeigen anhand von drei Bochumer Stadtwäldern (Langendreer, Bergen, Werne), wie der Boden durch Depositionen und künstliche Materialien beeinflusst wird. Sie erlauben zudem Aussagen zur Verlagerung einer Vielzahl von (Schad-)Stoffen. Gleichzeitig lassen sich Rückschlüsse zum Zustand und zum Leistungsvermögen der urbanen Wälder treffen. Dazu wurden in der mehrjährigen Studie umfangreiche Messungen im Gelände und im Labor durchgeführt und ausgewertet.

Unterschiedliche Belastungen

Das Fazit des Autors lautet: Die Wälder in der Stadt sind in vielerlei Hinsicht unterschiedlich, auch wenn sie relativ einheitlich und homogen wahrgenommen werden. Sie unterscheiden sich beispielsweise sehr stark beim atmosphärischen Eintrag und beim Elementaustrag aus dem Boden. Die Hauptgründe dafür sind: Alter des Waldes, Nähe zu Verkehrsachsen usw. Dabei zeigte sich beispielsweise die starke Beeinflussung jüngerer Waldbestände, die an Autobahnen stehen und auf Bergbaurückständen wachsen. Im Gegensatz dazu waren die untersuchten Altbestände aktuell weniger stark durch atmosphärische Schwermetalleinträge beeinflusst, hier spielen jedoch die längere Zeit des Eintrags von Depositionen und die starke Bodenversauerung eine wichtigere Rolle für die Stabilität und Gesundheit dieser Wälder.

Erheblicher Forschungsbedarf

Aus den Ergebnissen der Studie leitet Dohlen letztlich ein Schema ab, womit sich potentielle "Problemstandorte" leicht identifizieren lassen. Zudem lässt sich beurteilen, wo Maßnahmen wie beispielsweise Kalkungen nötig werden könnten - falls die kommunale Finanzlage dies zulässt. Die Studie zeigt außerdem, dass hinsichtlich der Stoffverlagerung in städtischen Ökosystemen noch ein erheblicher Forschungsbedarf besteht.

Titelaufnahme

Dohlen, Michael: "Stoffbilanzierung in urbanen Waldökosystemen der Stadt Bochum". Bochumer Geographische Arbeiten 73, Bochum 2006, 162 Seiten, 12 Euro, ISBN: 3-925143-74-2.

Weitere Informationen

Dr. Michael Dohlen, Physische Geographie und Geoökologie, Geographisches Institut der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-23375, Fax: 0234/32-14180, E-Mail: Michael.Dohlen@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de

Weitere Berichte zu: Depositionen Ruhr-Uni

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie