Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Traubenkraut und Auster schlagen gnadenlos zu

23.12.2005


Invasive Arten bedrohen heimische Ökosysteme


Beifußblättriges Traubenkraut



Aggressive Bioinvasoren, die in heimische Ökosysteme eingeschleppt werden, erweisen sich zunehmend als ernste Bedrohung für Flora und Fauna. So ist einem Bericht des WWF zufolge die flächendeckende Ausbreitung der Pazifischen Auster im Nationalpark Wattenmeer nicht mehr aufzuhalten. Einheimische Arten wie die Miesmuschel werden durch die zu Zuchtzwecken eingebürgerte Art vollkommen verdrängt - mit weitreichenden Auswirkungen auf die Nahrungskette von Vögeln und anderen heimischen Tierarten.



Der teure Leckerbissen war nach dem Aussterben der einheimischen europäischen Austerart in den 60er-Jahren zunächst an der niederländischen Küste, in den 80er-Jahren dann auch vor Sylt zu Zuchtzwecken eingebürgert worden. Die Pazifische Auster (Crassostrea gigas) entwischte jedoch aus den Aquakulturen und breitet sich seitdem durch ihre treibenden Larven unaufhaltsam aus. "Das Beispiel belegt, dass die Risiken der Zucht fremder Arten im Wattenmeer unkalkulierbar sind", meint WWF-Expertin Beatrice Claus. Durch ihr schnelles Wachstum würde die fremde Auster vor allem Miesmuschelbänke gefährden. Darüber hinaus verändere sich durch die Invasion auch der gesamte Stoffhaushalt im Wattenmeer, so Claus. Sie geht davon aus, dass viele der Auswirkungen "wahrscheinlich unumkehrbar sind".

An anderer Front kämpft eine deutsch-schweizerische Forschergruppe auf Initiation der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) gegen die ebenfalls unaufhaltsam scheinende Ausbreitung des Beifußblättrigen Traubenkrauts (Ambrosia artemisiifolia). Die aus Nordamerika eingeschleppte Pflanze, die weitläufig unter dem Namen Ragweed bekannt ist, stellt vor allem für Allergiker eine nicht zu unterschätzende Belastung dar. "Die Gefahr, die von Ambrosia ausgeht, liegt besonders im hohen allergenen Potenzial ihrer Pollen", erklärt Gritta Schrader, Wissenschaftlerin in der Abteilung für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit der BBA, im Gespräch mit pressetext. Da bisher kein umfassendes Datenmaterial zum Vorkommen der Pflanze existiere, sei nun eine interdisziplinäre deutsch-schweizerische Arbeitsgruppe ins Leben gerufen worden, die neben der Datensammlung auch die Sensibilisierung der Bevölkerung für das Thema in Angriff nehmen solle, so Schrader.

Die besonders aggressiven Pollen, die sich in mehreren Ländern wie Frankreich, Italien und Ungarn bereits massiv ausgebreitet haben, können bei Betroffenen neben allergischen Reaktionen der Augen und Atemwege in verstärktem Maß Asthma auslösen. Da die Pflanze darüber hinaus erst im August und September blüht, stellt sie zudem eine zusätzliche Belastung für Pollenallergiker dar, da die heimische Pollensaison verlängert wird. Zur Bekämpfung der Ambrosia, die es in der Schweiz und Österreich bereits auf maßgebliche Bestände bringt und auch in Deutschland beginnt zunehmend Fuß zu fassen, schlägt die Expertin das Ausreißen gesichteter Bestände vor der Blütezeit vor. Ein weiteres Problem stelle mit den Samen der Pflanze verunreinigtes Vogelfutter dar. Lückenlose Screenings könnten hier Abhilfe schaffen, meint Schrader, die darauf hinweist, dass die invasive Art zunehmend auch zu einer Belastung für die Landwirtschaft werde.

Martin Stepanek | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.wwf.de
http://www.bba.de

Weitere Berichte zu: Ambrosia Auster Pflanze Traubenkraut Wattenmeer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie verändert der Verlust von Arten die Ökosysteme?
18.05.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie