Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Langzeitprojekt: "Genetisches Monitoring beim Rotwild"

11.11.2005


Mit dem Projekt "Genetisches Monitoring beim Rotwild" der Deutschen Wildtier Stiftung sollen die Erkenntnisse zu den Auswirkungen von Landschaftszerschneidungen auf die Genetik von Wildtieren weiter vertieft und neue Erkenntnisse gewonnen werden.



Beispielhaft sollen Rotwildpopulationen in vier Projektregionen in Niedersachsen, für die bereits genetische Daten aus den 1980er Jahren vorliegen, untersucht werden. Mit identischen Methoden wird heute, 25 Jahre später, der Frage nachgegangen, ob sich hier die Rotwildbestände genetisch verändert haben. In diesem Fall wären Maßnahmen zur Vernetzung von Rotwildpopulationen in Niedersachsen notwendig. Die Untersuchungen werden vom Lehrstuhl für Wildökologie und Jagdwirtschaft der Technischen Universität Dresden durchgeführt. Das Projekt mit der Laufzeit von 24 Monaten startete im Sommer 2005. Die Finanzierung erfolgt durch die Stiftung, zudem erfolgt die Förderung aus Jagdforschungsmitteln des Landes Niedersachsen.



Der Rothirsch ist in Mitteleuropa eine der letzten frei lebenden Großwildarten. Aus offenen oder halboffenen Landschaften, dem ursprünglichen Lebensraum dieser Art, wurde er weitgehend verdrängt und sein Lebensraum in Deutschland auf 140 ausgewiesene Rotwildgebiete reduziert. Doch auch diese Gebiete sind durch Zerschneidung und forstliche Nutzung in ihrer Funktion als Lebensraum für das Rotwild nur eingeschränkt tauglich.

Langzeitmonitoring ist unerlässlich

Welche Auswirkungen künstliche Barrieren auf den genetischen Austausch und damit auf die Überlebensfähigkeit von Arten haben, können nur langfristige Untersuchungsreihen zeigen. Aus diesem Grund untersucht die Stiftung seit 2001 die Auswirkungen des Autobahnbaus auf die Rotwildgenetik am Beispiel der A 20 in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Erste Ergebnisse aus diesem Langzeitmonitoring-Projekt zeigen, dass bisher nicht isolierte Populationen an zwei Genorten bereits deutliche Unterschiede aufweisen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Untersuchungen in verschiedenen, allerdings voneinander isolierten Rotwildgebieten in Sachsen. Um dieses Phänomen weiter zu erforschen, will die Stiftung weitere Rotwildpopulationen in Deutschland untersuchen. Bisher liegen genetische Daten ausschließlich im Sinne von "Momentaufnahmen" zu einem bestimmten Zeitpunkt vor. Es fehlt an längerfristigen, zukunftsweisenden Untersuchungsreihen, um tatsächliche Entwicklungstendenzen nachweisbar zu machen.

Langzeitmonitoring in Niedersachsen

Die genetischen Untersuchungen in Niedersachsen aus den 1980er Jahren zeigen keine oder nur sehr geringe genetische Unterschiede zwischen Rotwildvorkommen. Sollten sich heute solche Unterschiede auch für ehemals "nicht-differenzierte" Rotwildvorkommen zeigen, würde dies weit reichende Konsequenzen für einen zukünftigen Umgang mit dem Rotwild, aber auch mit anderen großen wandernden Wildarten haben.

Vorgehensweise

Die Organproben werden in vier Untersuchungsregionen (Solling, Harz, und der Lüneburger Heide - jeweils westlich und östlich der A 7) erhoben. Für jede Region wird ein Probenumfang von 100 Individuen angestrebt. Die Proben werden mit Hilfe der niedersächsischen Landesforstverwaltung und den Bundesforsten im Rahmen des Routinejagdbetriebes entnommen. Ab Herbst 2005 werden Proben gesammelt, erste Auswertungen liegen im Frühjahr 2006 vor. Finale Ergebnisse werden zum Sommer 2007 erwartet.

Die gemeinnützige Deutsche Wildtier Stiftung mit Sitz in Hamburg wurde 1992 von Haymo G. Rethwisch gegründet. Ihr Ziel ist es, einheimische Wildtiere in ihren natürlichen Lebensräumen zu schützen und erlebbar zu machen. Mit einem Stiftungskapital von 45 Millionen Euro zählt die Deutsche Wildtier Stiftung zu den bedeutendsten Stiftungen für Natur- und Wildtierschutz in Europa.

Deutsche Wildtier Stiftung: Sven Holst, Geschäftsführer, Billbrookdeich 210, 22113 Hamburg, Telefon: 040 / 73 33 93 31, Fax: 040 / 7 33 02 78, S.Holst@DeWiSt.de

Sven Holst | idw
Weitere Informationen:
http://www.DeutscheWildtierStiftung.de

Weitere Berichte zu: Lebensraum Rotwild Rotwildpopulationen Untersuchungsreihen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Enzian oder Spitzwegerich – wer gewinnt in den Alpen, wenn es wärmer wird?
04.11.2016 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie