Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Endlagerung radioaktiver Abfälle - Umfangreiches Gutachten zu sicherheitstechnischen Fragen vorgestellt

07.11.2005


Zur Endlagerung radioaktiver Abfälle ist keines der möglichen Wirtsgesteine in Deutschland (Salz, Ton, Granit) generell den anderen vorzuziehen. Ein bestmöglicher Endlagerstandort ist nur auf Grundlage eines Standortvergleiches zu ermitteln. Dies sind die zentralen Aussagen eines Abschlussberichtes zu einem umfangreichen Untersuchungsprogramm des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) zu sicherheitstechnischen und konzeptionellen Fragen der Endlagerung radioaktiver Abfälle. Diese Ergebnisse sind von übergeordneter Natur und beziehen sich weder auf die Eignung eines konkreten Endlagerstandorts noch auf Salz als Endlagerformation, sondern auf alle in Deutschland möglichen Endlagerformationen.



In Untersuchungsvorhaben wurde zu 12 grundsätzlichen sicherheitstechnischen und konzeptionellen Fragen der Endlagerung radioaktiver Abfälle der aktuelle Stand von Wissenschaft und Technik ermittelt und einer Bewertung unterzogen. Ausgangspunkt ist die Vereinbarung zwischen Bundesregierung und Energieversorgungsunternehmen vom Juni 2001 zur Beendigung der Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung. Im Zuge der Vereinbarung wurde die Erkundung des Salzstocks in Gorleben für längstens zehn Jahre unterbrochen, da die weitere Erkundung zur Klärung methodisch-konzeptioneller und sicherheitstechnischer Einzelfragen nicht beitragen kann. Die untersuchten Fragestellungen beziehen sich somit nicht auf die Eignungsfrage des Salzstocks Gorleben.

... mehr zu:
»Abfall »BfS »Endlager »Endlagerung »Salz


Von besonderer Bedeutung waren im Rahmen des Untersuchungsprogramms folgende Themen:

  • Die Geeignetheit von Salz als Wirtsgestein im Vergleich zu anderen, wie Ton oder Granit, vor dem Hintergrund der Erkenntnisse in anderen Ländern.
  • Rückholbarkeit der radioaktiven Abfälle.
  • Die Beherrschbarkeit von Gasbildung in dichtem Salzgestein in Folge von Korrosion und Zersetzung der Abfälle.
  • Rolle technischer und geologischer Barrieren (Mehrbarrieren).
  • Ausschluss einer kritischen Ansammlung spaltbarer Stoffe (Kritikalität).
  • Unbeabsichtigtes menschliches Eindringen in ein verschlossenes Endlager.

Die Fragestellungen sind von fachlich kompetenten Auftragnehmern aus dem In- und Ausland im Auftrag des BfS bearbeitet worden.


Zur Absicherung der Ergebnisse wurden sie einem "peer review" unterzogen und von einer fachkompetenten und pluralistisch zusammengesetzten Expertengruppe im Rahmen eines Workshops Ende September 2005 diskutiert. Das BfS hat unter Einbeziehung der Ergebnisse des Workshops nunmehr den zusammenfassenden Bericht "Wirtsgesteine im Vergleich - Synthese" vorgelegt, der eine Grundlage für weitere Entscheidungen darstellen kann. Der Untersuchungsbericht wurde hierfür dem Bundesumweltministerium übermittelt.
Die Untersuchungen zu den konzeptionellen und sicherheitstechnischen Einzelfragen haben eine Fülle von vorhandenen Informationen zum aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik zur Planung, Errichtung und Betrieb von Endlagern zusammengetragen. Die Untersuchungen sind in ihrer Gesamtheit ein Grund-lagen-werk zur Bestimmung des Standes von Wissenschaft und Technik für die Endlagerung radioaktiver Abfälle. Es wird deutlich, wo die Grenzen und Möglichkeiten in der wissenschaftlichen Beantwortung der konzeptionellen und sicherheitstechnischen Einzelfragen liegen und welcher Forschungsbedarf noch besteht und welche regulatorischen Entscheidungen ausstehen.

Die Einzelvorhaben haben die gegenseitigen Abhängigkeiten und zum Teil gegenläufigen Anforderungen verschiedener sicherheitstechnischer Aspekte verdeutlicht (z. B. Rückholbarkeit und Langzeitsicherheit; men-schliche Einwirkungen und Gasbildung).
Nach Abschluss des Untersuchungsprogramms kann jetzt ein Nachweiskonzept für die Langzeit-sicherheit festgelegt werden, das alle Aspekte integriert.

Auf Basis der Untersuchungsergebnisse können vier Kernaussagen getroffen werden:

1. Keine eindeutigen Vorteile eines Wirtsgesteins in Deutschland (Salz, Ton, Granit)
Die Möglichkeiten und Grenzen eines allgemeinen - d. h. nicht standortbezogenen - Vergleichs von Wirtsgesteinen wurden aufgezeigt. Danach gibt es kein Wirtsgestein, das grundsätzlich immer eine größte Endlagersicherheit gewährleistet. Die Aufstellung einer Rangfolge von Wirts-gesteinen ist daher auf dieser Basis nicht sinnvoll, sondern mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.

2. Vorteile von Wirtsgesteinen sind nur im Vergleich von Standorten zu ermitteln
Für alle in Deutschland relevanten Wirtsgesteinsformationen können angepasste Endlagerkonzepte entwickelt werden. Da die Verhältnisse auch innerhalb einer Wirtsgesteinsformation z. T. starken Schwankungen unterliegen, kann ein Vergleich nur standortspezifisch erfolgen. Das BfS hält daher die Durchführung eines Standortvergleiches für erforderlich, um über standortbezogene Sicherheitsanalysen den bestmöglichen Endlagerstandort in Deutschland zu ermitteln.

3. Es besteht Regelungsbedarf zu den Schutzzielen der Endlagerung
Zu einigen Punkten besteht Regelungs- bzw. Entscheidungsbedarf, da hierzu weitere wissenschaftlich-technische Arbeiten keine zusätzlich relevanten Informationen liefern können. Hierzu zählen die Definition des Nachweiszeitraums, die Festlegung von Schutzzielen für Mensch und Umwelt bei einer Freisetzung von chemotoxischen und radioaktiven Stoffen, sowie der Bewertung der Ergebnisse sog. probabilistischer Sicherheitsanalysen, die Festlegung der Anforderungen an den sicheren Einschluss der Schadstoffe und an den Stellenwert der einzelnen Barrieren eines Mehrbarrierenkonzepts. Weiterhin müssen Festlegungen zum Stellenwert der Szenariengruppen für zu erwartende oder außer-gewöhnliche Entwicklungen sowie zu Schlüsselszenarien für unbeabsichtigtes menschliches Einwirken in ein Endlager getroffen werden. Es muss entschieden werden, ob eine Rückholung von Abfällen vorgesehen werden soll.

4. Forschungsbedarf ergibt sich aus standortspezifischen Sicherheitsanalysen
Grundlegender Forschungsbedarf wurde bei der geochemischen Modellierung und der Entwicklung von Bewertungsgrößen und eines Bewertungsmaßstabes für eine gemeinsame Bewertung der Konsequenzen freigesetzter chemotoxischer und radiotoxischer Schadstoffe aus dem Endlager identifiziert. Zukünftige Arbeiten zur Endlagerung radioaktiver Abfälle sollten sich aus Sicht des BfS auf standortspezifische Sicherheitsanalysen konzentrieren, die die Erkundung mehrerer Standorte, ihren Vergleich sowie die Planung eines Endlagers parallel in iterativen Schritten begleiten sollten.

Ghita Cleri | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfs.de

Weitere Berichte zu: Abfall BfS Endlager Endlagerung Salz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie