Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Afrikanische Seen verschwinden rasend schnell

03.11.2005


UNEP-Atlas markiert katastrophale Lage der Süßwasser-Reserven


UNEP: Der Tschad-See 1972 und heute



Die dramatischen und teilweise auch erschreckenden Zerstörungen von afrikanischen Seen sind nun erstmals in einem Atlas des UN-Environment Programme UNEP sichtbar gemacht worden. Darin wird zum Beispiel die Ausdehnung der Gewässer anhand von Satellitendaten der vorhergehenden Jahrzehnte mit denen der Jetztzeit verglichen. Der Atlas wurde bei der diesjährigen World Lake Conference in Nairobi vorgestellt.



Nach Schätzungen der UNEP gibt es in Afrika rund 680 Seen mit einem Wasservolumen von etwa 30.000 Kubikkilometer. Das ist das weltweit größte Wasservolumen aller Kontinente. Der Wert des Wassers wird vom UNEP-Direktor Klaus Töpfer auf 37 Mrd. Dollar geschätzt. Die Seen in Afrika sind nicht nur eine wichtiges Reservoir für Trinkwasser, sondern auch Nahrungsquelle. Nach Angaben der UNEP kann die Armut nur bekämpft werden, wenn das ökologische Gleichgewicht der Seen bestehen bleibt.

Die Erhaltung der Seen muss Länder übergreifend stattfinden, meinen die UNEP-Experten. So ist etwa das Volta-Flusssystem, das von den Staaten Burkina Faso, Ghana, Mali, Togo, Benin und der Elfenbeinküste genutzt wird, ein Grund zur Besorgnis. Innerhalb der kommenden zwei Jahrzehnte wird sich die Bevölkerungszahl auf 40 Mio. in der Region verdoppeln. Damit wird auch der Wasser-Konsum steigen. In den vergangenen 30 Jahren hat die Zahl der Niederschläge in dieser Region deutlich abgenommen.

Aus den afrikanischen Seen werden jährlich 1,4 Mio. Tonnen Fische gefangen. 14 Prozent davon entfallen auf Ägypten. Die Zahl der Dämme und Flußverbauten hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Hinzu kommt eine noch größere Menge an ungeklärten Abwässern aus Haushalten, der Landwirtschaft und der Industrie. Umweltverschmutzung hat zu einem massiven Rückgang der Fischerträge geführt, insbesondere im Nildelta, aber auch im Tschad-See.

Feuchtbiotope - sehr oft mit Flusssystemen und Seen in Verbindung gebracht - sind wichtig für den Erhalt von Ökosystemen und zur Filterung von Wasser. Wichtige Feuchtbiotope sind das Okavango-Delta und die Bassins des Lake Victoria und des Tschad-Sees sowie die Mündungsgebiete der großen Flüsse Kongo, Sambesi und Niger. In den vergangenen 30 Jahren sind diese Regionen geschrumpft. Trauriger Rekordhalter ist der Niger: 80 Prozent der Feuchtgebiete sind in den vergangenen 20 Jahren verschwunden.

Dramatisch ist auch der Wasserrückgang im größten See Afrikas, dem Viktoria-See. 30 Mio. Menschen leben rund um das 68.800 Quadratkilometer große ostafrikanische Gewässer, das die zweitgrößte Süßwasserreserve der Welt bildet. Die Bevölkerungsdichte ist mit 1.200 Einwohnern je Quadratkilometer extrem hoch. Geschätzte 150.000 Quadratkilometer Fläche fällt der Land-Degradation jährlich zum Opfer. Der ökologische Zustand des Viktoriasees ist durch die schnell wachsende Bevölkerung hochgradig gefährdet, ebenso durch den Kahlschlag der natürlichen Vegetation entlang der Uferlinie, die boomenden Fischexportindustrie, die Einführung verschiedener exotischer Pflanzen- und Tierarten, das Verschwinden von 50 Prozent der heimischen Fischarten, übermäßiges Algenwachstum und das Ablassen von ungeklärtem Abwasser aus Industrie und menschlichen Siedlungen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.unep.org

Weitere Berichte zu: Gewässer Lake Quadratkilometer Wasservolumen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wie gefährlich ist Reifenabrieb?
19.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Verbreitung von Fischeiern durch Wasservögel – nur ein Mythos?
19.02.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics