Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäische Gewächshäuser auf Energiesparkurs

24.10.2005


Wissenschaftler des ttz forschen an kostenreduzierenden Maßnahmen für Gewächshäuser



Damit die Tomate auch morgen noch schön rot und zum gewohnten Preis daher kommt, müssen europäische Gewächshausbetreiber immer neue Wege gehen. Viele Gemüsesorten, Zierpflanzen und Obstsorten benötigen ein angenehm warmes Ambiente zum optimalen Wachstum. Die daraus resultierenden Energiekosten machen den europäischen Gewächshausbetreibern aber zunehmend zu schaffen.



In dem neuen EU-Projekt GREENERGY dreht sich alles um die Energieoptimierung in europäischen Gewächshäusern. Mit geschätzten 41.000 Hektar Gewächshausfläche, das sind 410 Quadratkilometer (rund vier mal das Stadtgebiet von Paris), ist Europa größter Produzent von Gewächshausprodukten weltweit. Die Ausgaben für das Beheizen und Kühlen von Gewächshäusern ist in ganz Europa Hauptkostenpunkt der Betreiber. Die außereuropäische Konkurrenz, steigende Ölpreise und EU-Umweltverordnungen zwingen die Landwirte zunehmend auf sparsamere Produktionsmethoden umzusteigen. "Der Bonus europäischer Hersteller in diesem Sektor waren bisher die enorm niedrigen Transportkosten gegenüber außereuropäischen Produzenten. Durch die rapide steigenden Energiekosten gerät die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte aus EU-Gewächshäusern zunehmend ins Wanken," erklärt Patricio López, Projektleiter des deutschen Forschungsinstituts ttz Bremerhaven.

Deswegen sollen in dem von der EU geförderten Projekt zunächst handfeste Hinweise erarbeiten werden, die sich von den einzelnen Betreibern kurzfristig und kostengünstig umsetzen lassen. "Die Wirtschaftlichkeit der angewandten Verfahren hat für uns bei diesen Projekten Priorität. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen müssen besonders auf einen sinnvollen Kosten-Nutzen-Effekt achten," so Dr. Gerhard Schories, Technischer Leiter des Umweltinstitutes am ttz Bremerhaven. Oft helfe schon eine neue Isolierung oder der Hinweis, dass bestimmte Pflanzenarten nicht acht, sondern nur sechs Stunden künstlichen Lichts brauchen, um die Kosten deutlich zu reduzieren.

Unter den Projektpartnern aus zehn verschiedenen EU-Ländern befanden sich beim Projektstart Anfang September in Thessaloniki/Griechenland neben dem ttz Bremerhaven noch zwei weitere deutsche Partner: Die beiden Bremerhavener Gärtnereien Pätz und Sadowski sind mit ihren je 2000 Quadratmetern Gewächshausfläche repräsentativ für kleine und mittelständische Gewächshausbetreiber in Deutschland. Trotz neuester Heizungstechnik in den eigenen Gewächshäusern versprechen sich beide erheblichen Nutzen vom Projekt: "Obwohl ich mir erst in den letzten Jahren eine neue Ölheizung habe einbauen lassen, zwingen mich die steigenden Energiepreise zu weiteren Maßnahmen", erläutert Michael Sadowski, Geschäftsführer der gleichnamigen Gärtnerei, die Energieproblematik. Auch Hubert Pätz will seine Produktionskosten senken und zukünftig nicht mehr allein auf seine neue Gasheizung setzen. "Wir versprechen uns einen Fingerzeig, wie wir in Zukunft verschiedene Energieträger zur intelligenten Nutzung vernetzen können." Nachwachsende Rohstoffe sind bei diesen Überlegungen hoch im Kurs und so sind Pätz und Sadowski nicht die einzigen Gärtnereibetreiber, die mit dem Einsatz einer sogenannten Holzhackschnitzelheizung (Verbrennung von Holzhackschnitzeln aus Land- und Forstwirtschaft) für ihren Betrieb liebäugeln.

Den Partnern des GREENERGY Projektes steht eine EU-Förderung von rund 1,7 Millionen Euro zur Verfügung. In einem Zeitraum von drei Jahren wird das internationale Expertenteam aus Gewächshausbetreibern, -produzenten und Wissenschaftlern in diesem "Collective Research"-Projekt sowohl kurz- als auch langfristige Energiesparstrategien erarbeiten. Neben der Analyse des Energiesparbedarfs in den unterschiedlichen europäischen Regionen und der Entwicklung neuer Einsparungstechniken geht es um die Weitergabe des Know-hows über einzelne Berufsverbände an die Gewächshausbetreiber. Das ttz Bremerhaven hat in diesem Projekt die Koordination der wissenschaftlichen Aktivitäten übernommen und wird außerdem maßgeblich am Wissenstransfer beteiligt sein. "Wir freuen uns, dass wir in diesem Projekt sowohl mit Gewächshausbetreibern aus der Region als auch internationalen Partnern zusammen arbeiten können. Gerade beim Thema Energiesparen müssen wir national und international an einem Strang ziehen," erklärt Werner Mlodzianowski, Geschäftsführer des ttz Bremerhaven.

Dem ttz Bremerhaven sind sechs Forschungsinstitute zugehörig, die sich der Entwicklung moderner marktfähiger Produkte und Prozesse verschrieben haben. Dies sind jeweils das Umweltinstitut; das Bremerhavener Institut für Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik (BILB); das Institut für Energie- und Verfahrenstechnik (IEV); das Bremerhavener Institut für Gesundheitstechnologien (BIGT); das Bremerhavener Institut für Biologische Informationssysteme (BIBIS) sowie das Bremerhavener Institut für Organisation und Software (BIOS).

Kontakt:
Anke Janssen,
ttz Bremerhaven,
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0471 / 4832-121;
Email: ajanssen@ttz-bremerhaven.de

Anke Janssen | idw
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften