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Steigende Temperaturen verdrängen den Kabeljau in der Nordsee

21.10.2005


Die starke Abnahme des Kabeljaubestandes besonders in der südlichen Nordsee wird neben der Fischerei auch von der globalen Erwärmung verursacht. Der Kabeljau legt seine Eier bei hohen Wintertemperaturen zu früh.



Warum steigende Temperaturen den Kabeljau in der Nordsee nach Norden verdrängt haben!



Die starke Abnahme des Kabeljaubestandes besonders in der südlichen Nordsee wird neben der Fischerei auch von der globalen Erwärmung verursacht. Der Kabeljau legt seine Eier bei hohen Wintertemperaturen zu früh. Die Larven verhungern vor dem Auftreten der Futterorganismen. Die globale Erwärmung und die Zunahme der Westwinde im Winter haben die Lebensbedingungen in der Nordsee entscheidend verändert.

Den Einfluss der Wintertemperaturen auf das Auftreten der Larven von Nordseefischen wird im Detail in einer Veröffentlichung in der aktuellen Ausgabe von ScienceDirect des "ICES Journal of Marine Science" beschrieben. Die Langzeitstudie wurde von einem Team unter der Leitung von Dr. Wulf Greve durchgeführt. Wulf Greve ist Wissenschaftler am Forschungsinstitut Senckenberg, Abteilung Deutsches Zentrum für marine Biodiversitätsforschung (DZMB) am Standort Hamburg.

Das zeitliche Auftreten von jährlich wiederholten Ereignissen, den Phänophasen, wird in der Phänologie untersucht. Ein bekanntes Beispiel aus unseren Hausgärten ist die wechselnde Periode des Aufblühens von Forsythien im Frühling. Greves Team hat seit 31 Jahren an jedem Montag, Mittwoch und Freitag bei Helgoland gemessen, welche Zooplanktonarten wie häufig sind. Auch die seit 1990 gemessenen Fischlarven gehören als Ichthyoplankton zum Zooplankton. Das Datenmaterial erlaubt nun die Berechnung des Einflusses, den die Wintertemperatur auf die Phänophase "Saisonmitte" bei den Nordseefischen hat. Dabei hat jede Fischart ihren eigenen engen Vorkommenszeitraum, in dem die Larven beobachtet werden. Während die erwachsenen Fische alle ganzjährig in der Nordsee vorkommenden Temperaturen tolerieren, ist das Vorkommen der Fischlarven abhängig von der Eiablage. Diese wiederum ist das Ergebnis der Reifung der Gonaden/Keimdrüsen, die ihrerseits von der Wassertemperatur beeinflusst wird.

Im kalten Jahr 1996 wurde z.B. die Masse der Kabeljaularven Mitte April gemessen, im warmen Jahr 1990 aber schon Mitte Februar. Zu dieser Zeit sind die Ruderfußkrebse, von denen die Larven sich ernähren, jedoch auf dem Minimum ihres Jahresvorkommens. Die Kabeljaularven verhungern und der Nachwuchsjahrgang wird schwach.

Am Team Greves sind neben Mitarbeitern des Forschungsinstituts Senckenberg, Abteilung Deutsches Zentrum für marine Biodiversitätsforschung (DZMB), das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie im Rahmen des Monitorings der Meeresqualität und die Biologische Anstalt Helgoland in der Stiftung Alfred-Wegener-Institut beteiligt. Durch die langfristige hochfrequente Zooplanktonmessung konnte Greve die marine Phänologie des gesamten Zooplanktons in die Wissenschaft einführen. Die jetzt publizierten Ergebnisse zum Temperatureinfluss auf das Vorkommen der Fischlarven sind besonders bedeutsam zum Verständnis auch wirtschaftlicher Auswirkungen zukünftiger globaler Erwärmung.

Doris von Eiff | idw
Weitere Informationen:
http://www.senckenberg.de

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