Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsprojekt soll neue Maßstäbe in der mikrobiellen Biodiversitätsforschung setzen

12.09.2005


Die Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation fördert ab August 2005 bis Juli 2008 mit rund 158.000 Euro das Forschungsprojekt "Ökologische Signifikanz der Biodiversität mikrobieller Eukaryoten in anoxischen marinen Systemen" von Dr. Thorsten Stoeck, Fachbereich Biologie, Fachrichtung Ökologie, der TU Kaiserslautern.


Der 33-jährige Leiter einer Emmy-Noether Nachwuchsgruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) setzt in seinem Forschungsprojekt auf die Entdeckung und Charakterisierung neuer Organismen. Er konzentriert sich dabei vor allem auf mikrobielle (einzellige) Eukaryoten aus marinen Extrem-Lebensräumen, in denen ähnliche Bedingungen wie zur Zeit der frühen Entwicklung des Lebens vorherrschten: ein Mangel an Sauerstoff, und eine stark schwefelhaltige Umgebung. Neben Bakterien und Archaeen bilden Eukaryoten (Organismen mit einem echten Zellkern) die dritte Domäne des Lebens, zu der auch wir Menschen gehören.

Das Projekt baut auf zwei zentralen Fragestellungen auf: Wie viele und welche mikrobielle Eukaryoten gibt es in unseren Ozeanen (Biodiversität)? Welche Rolle spielen sie in Ökosystemen und was leisten sie?


Nachdem man die "Phase der neuen organismischen Entdeckungen" seit dem letzten Jahrhundert für abgeschlossen hielt, erinnern die Arbeiten in der Forschungsgruppe um Dr. Stoeck wieder sehr an die ersten großen Meeresexpeditionen wie die der "Challenger" (1872-1876): jede neue Probe aus dem Meer beinhaltet neue Arten und erlaubt neue Einblicke in die Organisation mariner Lebensgemeinschaften. Dies ist vor allem auf neu entwickelte sensitive Techniken zurückzuführen, die den frühen Entdeckern nicht zur Verfügung standen, nämlich die Analyse von genetischem Material, das aus Umweltproben gewonnen wird. Jeder (bekannte oder unbekannte) Organismus auf unserem Planeten hat einen einzigartigen unverwechselbaren genetischen Fingerabdruck, anhand dessen man ihn identifizieren kann. Durch die Anwendung dieser Techniken hat Dr. Thorsten Stoeck selbst in den unwirtlichsten Lebensräumen der Erde zahlreiche neue Organismen nachweisen können. Diese und andere Arbeiten in der Diversitätsforschung zeigten, dass die bislang bekannten mikrobiellen Eukaryoten nur die Spitze eines Eisbergs sind, und der Großteil noch unentdeckt ist.

Diese Techniken gehen jedoch nicht über den Nachweis der bloßen Existenz eines Organismus hinaus und sagen kaum etwas über dessen Lebensgewohnheiten aus. Deshalb schlägt Dr. Stoeck in dem von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation finanzierten neuen Forschungsprojekt eine Herangehensweise vor, die sich in den letzten Jahren in der bakteriellen Mikrobiologie bewährt hat, um neben der bloßen Erfassung der Biodiversität auch deren ökologische Signifikanz zu untersuchen.

Damit sollen Fragen untersucht werden, die Mikrobiologen schon seit Entdeckung der Mikroorgansimen vor mehr als drei Jahrhunderten durch Antonie vaan Leeuwenhoek beschäftigen: Welche Mechanismen erhalten die Diversität mikrobieller Lebensgemeinschaften? Wie sind die evolutiven Beziehungen zwischen den mikrobiellen Organismen in der Natur? Sind die Mikroben global verbreitet oder durch einen Endemismus gekennzeichnet? Wie sind die ökologischen Beziehungen zwischen den Mikroben und wie werden diese erhalten und gesteuert? Steht die funktionelle Stabilität einer mikrobiellen Gemeinschaft in Bezug zu ihrer Diversität? Was sind die Grenzen der Funktion solcher Lebensgemeinschaften im Angesicht globaler Umweltveränderungen? Wie passen sich die Organismen solchen Veränderungen an?

Die Klärung solcher Fragen ist eine Voraussetzung zum Verständnis mikrobieller Systeme, die die Grundlage für jegliches höhere Leben auf unserem Planeten bilden. Das dreijährige Projekt soll neue Maßstäbe in der mikrobiellen eukaryotischen Biodiversitätsforschung setzen. Die Biodiversitätsforschung ist seit dem Jahr 2004 ein neuer Forschungsschwerpunkt an der TU Kaiserslautern. Dieses Forschungsprojekt, das in Kooperation mit verschiedenen internationalen Instituten durchgeführt wird, soll dazu beitragen, dass die TU Kaiserslautern zu einem der wenigen Zentren für mikrobielle Biodiversitätsforschung in Deutschland mit internationaler Reputation avancieren kann.

Die Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation fördert die wissenschaftliche und technologische Entwicklung im Land Rheinland-Pfalz. Der Schwerpunkt des Stiftungsengagements liegt im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Die Stiftung wird bevorzugt an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft tätig. Sie unterstützt Projekte über die gesamte Innovationskette von der Grundlagenforschung über die anwendungsorientierte Forschung bis hin zur Entwicklung neuer Technologien und dem Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Wirtschaft. Jährlich können 30 bis 50 Vorhaben mit einem Fördervolumen von insgesamt fünf bis sechs Millionen Euro durch die Stiftung finanziert werden.

Antragsberechtigt sind Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, Forschungseinrichtungen in und außerhalb der Hochschulen sowie Unternehmen in Rheinland-Pfalz. Maßstab für die Beurteilung von Anträgen sind in erster Linie die Qualität der vorgeschlagenen Projekte und die optimale Nutzung der Stiftungsgelder für den Stiftungszweck.

Thomas Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kl.de

Weitere Berichte zu: Biodiversitätsforschung Eukaryoten Maßstab Organismus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer
20.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

nachricht Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger
20.10.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Antibiotikaresistenzen: Ein multiresistenter Escherichia coli-Stamm auf dem Vormarsch

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Sturmfeder bekämpft Orkanschäden

23.10.2017 | Maschinenbau

Vorstellung eines neuen Zellkultursystems für die Analyse von OPC-Zellen im Zebrafisch

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie