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Schlechte Zeiten für Menschenaffen

05.09.2005



Nächste Verwandte des Homo sapiens könnten bald ausgestorben sein


Die Menschenaffen der Erde blicken keiner rosigen Zukunft entgegen: Innerhalb einer Menschen-Generation könnte ihnen der nächste Verwandte, der Homo sapiens, sie fast völlig ausrotten. Zu diesem Schluss kommt der soeben veröffentlichte "World Atlas of Great Apes", der von der UN-Umweltorganisation UNEP erschienen ist.

Die Orang-Utans in Indonesien leiden unter Bergbau, Kahlschlag und neuen Krankheiten. Innerhalb der kommenden fünf Jahre wird der Lebensraum der "Waldmenschen" - wie sie auf Malaysisch heißen - um weitere 50 Prozent zurückgehen. Auch für die Schimpansen sieht es nicht gut aus: Auf mehr als 20.000 Menschen kommt ein einziges Tier. Nach Angaben der Autorin Lera Miles vom World Conservation Monitoring Centre in Cambridge sind alle Menschenaffen-Spezies entweder "bedroht" oder "kritisch bedroht". "Kritisch bedroht bedeutet, dass die Zahl der Tiere um 80 Prozent zurückgegangen ist, oder innerhalb von drei Generationen so zurückgehen wird", so Miles.


Eine der am schlimmsten betroffenen Arten sind die Sumatra-Orang-Utans. Nur noch etwa 7.300 Tiere leben in der Wildnis in der Region um Aceh. Die Provinz ist vielen Menschen ein Begriff, da hier der Tsunami vom Dezember 2004 den größten Schaden angerichtet hat. Hinzu kommen noch Konflikte zwischen Separatisten und der indonesischen Zentralregierung, die schon fast 30 Jahre dauern und erst Mitte August beigelegt wurden. "Die Ironie an der Sache ist jedoch, dass dies nur für die Menschen eine Erlösung bedeutet, denn die Waldgebiete werden zusehends mehr gerodet - legal und illegal", berichtet Miles. Bei einer solchen Entwicklung werden in 50 Jahren nur noch 250 in freier Wildbahn lebende Tiere vorhanden sein. Etwas besser sehe es auf der Insel Borneo aus. Dort gibt es noch etwa 45.000 wild lebende Orang-Utans.

Extrem bedroht sind auch die Berggorillas in der Region zwischen Nigeria und Kamerun und in der Demokratischen Republik Kongo (dem ehemaligen Zaire). Nur noch zwischen 700 und 250 Tiere sind am Leben. "Viele der Gorillas sterben an Ebola", bestätigt Miles. Unklar ist den Forschern allerdings, warum. "Ein möglicher Zusammenhang könnte in der raschen Abholzung des Waldes liegen. Möglicherweise wird der Krankheitserreger von einer bis dato unbekannten Tierart weiterverbreitet", erklärt die Expertin. Ein ähnliches Schicksal bedroht auch Schimpansen und Zwergschimpansen, die Bonobos. Sie werden immer öfter Opfer von Erkrankungen und Jägern, die das Fleisch verkaufen. Auch Afrikas Wälder droht der Kahlschlag: Besonders in den 90-er Jahren gingen die Bestände rasch zurück.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.unep-wcmc.org
http://www.unep.org

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