Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Naturschutzgroßprojekt "Lüneburger Heide" erfolgreich abgeschlossen

02.09.2005


Vogtmann: "Lüneburger Heide ist ein wichtiger Baustein zur Erhaltung der biologischen Vielfalt"



Das Naturschutzgroßprojekt des Bundes "Lüneburger Heide" konnte nach gut 14 Jahren erfolgreich abgeschlossen werden. Diesen Erfolg feiert der Verein Naturschutzpark mit einem Hoffest am 04. September 2005 auf dem Landschaftspflegehof Tütsberg mitten in der Heide und zur Hochphase der Heideblüte. "Das Projekt leistet einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Deutschland. Es ist auch ein Beispiel dafür, dass Naturschutz besonders erfolgreich ist, wenn ihn wie hier viele Menschen vor Ort unterstützen," sagte Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, Präsident des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).



Die Lüneburger Heide ist das größte Heide-Naturschutzgebiet Mitteleuropas. Dort ist eine durch die Heidebauernwirtschaft der letzten Jahrhunderte geprägte Kulturlandschaft erhalten geblieben. Dieses Gebiet ist in dieser Ausdehnung und Lebensraumausstattung einzigartig in ganz Mitteleuropa. Das Projektgebiet, das weitgehend mit dem Naturschutzgebiet identisch ist, enthält alle landschaftstypischen Lebensräume wie Heiden, Sandmagerrasen, Heidebäche, Moore, naturnahe Eichen-Birken- und Buchenwälder sowie Hutewälder. Zahlreiche Rote Liste-Arten wie Raubwürger, Schwarzstorch, Heidelerche, Ziegenmelker, Schwarzkehlchen, Wendehals sowie Kreuzotter und Schlingnatter sind hier beheimatet. Darüber hinaus beherbergt die Lüneburger Heide die zweitgrößte Flachlandpopulation des Birkhuhns in der Deutschland. Dies alles zusammen verleiht dem Gebiet eine bundesweite Bedeutung für den Naturschutz.

Um die wertvollen Lebensräume langfristig zu erhalten und gestörte Bereiche naturnah zu entwickeln, wurden im Rahmen des Bundesprojektes in den vergangenen Jahren insgesamt 1523 ha Flächen erworben und 932 ha Flächen angepachtet. Darüber hinaus wurden umfangreiche Maßnahmen zur Entwicklung von Lebensräumen durchgeführt.

Heide-Landschaften bedürfen zu ihrer Erhaltung der kontinuierlichen Bewirtschaftung oder Pflege durch den Menschen. Da die traditionelle Heidebauernwirtschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts an Bedeutung verlor und aufgegeben wurde, wurden die heidetypischen Pflanzen wie das Heidekraut (Calluna vulgaris) zunehmend durch andere Arten verdrängt. Große Heideflächen wurden zudem aufgeforstet. Um die heidetypischen Pflanzen zu erhalten und zu fördern, werden daher Pflegemaßnahmen wie Schoppern und Plaggen, welche die alte Heidebauernwirtschaft imitieren, durchgeführt. Darüber hinaus wurden im Rahmen des Bundesprojektes standortfremde Aufforstungen und Gehölze entfernt, um die Heiden wieder auszuweiten und untereinander zu vernetzen. "Insgesamt konnte so die Heidefläche mit vielen speziell daran angepassten Arten um 2200 ha ausgeweitet und insgesamt auf 5200 ha vergrößert werden. Die bundesweit bedeutende Population des Birkhuhns konnte stabilisiert werden. Das ist ein großer Erfolg", sagte BfN-Präsident Vogtmann.

Die Beweidung mit Heidschnucken ist das wichtigste Pflegeverfahren in der Lüneburger Heide. Um diese Pflege langfristig sicherzustellen, wurden im Rahmen des Projektes neue Schafherden aufgebaut und ein neuer Schafstall errichtet. Der Projektträger, der Verein Naturschutzpark, betreibt einen eigenen Landschaftspflegehof, der die Beweidung in der Lüneburger Heide mit derzeit sechs Schafherden durchführt.

In den entwässerten Mooren wurden Entwässerungsgräben verschlossen und Gehölze beseitigt, um wieder landschaftstypische offene Moorflächen und einen intakten Wasserhaushalt zu schaffen.

In einigen Heidebächen wurden Wehre und andere Bauwerke zurückgebaut und so die Durchgängigkeit der Fließgewässer für Fische, Muscheln und Krebse wiederhergestellt. Verrohrte, eingetiefte und begradigte Bachabschnitte wurden renaturiert. Die Heidebäche sollen in weiten Teilen der eigendynamischen Entwicklung überlassen werden. Die Bachtäler werden teilweise durch extensive Wiesen- und Weidenutzung offen gehalten. 2003 wurden im Radebachtal und im Tal der Schmalen Aue so genannte "halboffene Weidelandschaften" eingerichtet, in denen Rinder und Pferde alter robuster Haustierrassen ganzjährig weiden. "Die Bachtäler sind wichtige Bereiche für die Rückhaltung und Speicherung von Wasser und Nährstoffen", so Prof. Vogtmann.

Für das Projekt "Lüneburger Heide", das vom Bundesamt für Naturschutz fachlich betreut wird, wurden von 1991 bis 2004 rund 15 Mio. Euro bereitgestellt, davon 11 Mio. Euro aus Mitteln des Bundesumweltministeriums. Der Verein Naturschutzpark als Projektträger war mit ca. 1,6 Mio. Euro und das Land Niedersachsen mit rund 2,4 Mio. Euro an den Gesamtkosten beteiligt.

Hintergrund

Das Projekt "Lüneburger Heide" ist eines von 63 Vorhaben, die im Rahmen des Bundesprogramms zur Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung gefördert wurden bzw. werden. 31 Projekte sind bereits abgeschlossen und 32 Projekte befinden sich derzeit in der Durchführung.

Das Bundesförderprogramm existiert seit 1979. Es soll dazu beitragen, den hohen Rang großflächiger naturnaher Landschaften national hervorzuheben und international zu dokumentieren, dabei die Bemühungen der Länder auf dem Gebiet des Naturschutzes unterstützen und so die Biodiversität in Deutschland für künftige Generationen erhalten. Es handelt sich dabei um den größten Naturschutz-Fördertitel in Deutschland mit einem jährlichen Etat von aktuell 15 Mio. €. Insgesamt wurden seit 1979 ca. 300 Mio. € Bundesmittel für die Sicherung und Entwicklung bundesweit bedeutsamer Landschaftsausschnitte bereitgestellt. Betreut werden die Projekte durch das Bundesamt für Naturschutz in Bonn.

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Nachhaltige Wasseraufbereitung löst Algenprobleme
26.10.2017 | SCHOTT AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte