Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nachhaltige Nutzung - eine neue Vision für den Schutz der Tierwelt

25.08.2005


o Internationales Ziel: Tierarten langfristig nutzen, ohne ihnen zu schaden


o BfN gibt Impulse für modernen Naturschutz

... mehr zu:
»BfN »BfN-Skripten »Fischerei »Tierart »Tierwelt

Jagd, Fischerei, Naturtourismus und die Haltung oder das Sammeln von Tieren - dies alles sind Formen der direkten Nutzung wild lebender Tiere. Wenn die Biologie der Arten und die Größe ihrer Bestände es erlauben, kann die Nutzung für die Tiere unschädlich sein. Die Gefahr liegt aber in einer Übernutzung, die zum Aussterben der Bestände führen kann. Dann sind die Tiere und die mit ihrer Nutzung verbundenen Einnahmequellen verloren. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) will für ein Gleichgewicht zwischen Schutz und Nutzung wild lebender Tiere sorgen.

Unter dem Motto der Nachhaltigkeit bemüht sich die Bundesregierung, den Umgang mit der Natur so zu gestalten, dass möglichst große Bevölkerungsteile einen Nutzen davon haben, gleichzeitig aber Tiere, Pflanzen und Ökosysteme langfristig erhalten bleiben. Mit diesem Ziel befindet sich Deutschland im Einklang mit der Rio-Konvention (1992), den Beschlüssen des Entwicklungsgip-fels von Johannesburg (2003) und anderen internationalen Vereinbarungen.


Die Möglichkeit, aus dem Vorkommen von Tierarten einen wirtschaftlichen Gewinn zu erzielen, stärkt bei den Nutzern das Interesse, die Tiere zu erhalten. Dadurch bekommt der Naturschutz neue Partner. Trotzdem ist die Verallgemeinerung "use it or loose it" (Nutze es oder Du wirst es verlieren) falsch. Denn einerseits zielt der Naturschutz auf die Erhaltung aller Arten, von denen nur ein winziger Teil direkt genutzt werden. Andererseits sind manche Nutzungen auch nicht nachhaltig, sondern plündern die Natur aus. Nach wirtschaftlichen Maßstäben wäre das sogar klug, wenn der erzielte Gewinn eine höhere Verzinsung verspricht als eine langfristige pflegliche Nutzung. Solchen Raubbau will der Naturschutz verhindern.

Ein moderner Tierartenschutz schließt folglich die Nutzung der Tiere nicht aus, aber es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Beispielsweise muss man Kenntnis davon haben, wie viele Tierindividuen in einem Gebiet leben und welche davon entnommen werden können. Das herauszufinden ist oft schwierig. So wissen unsere Jäger bis heute nicht, wie viele Rehe und Wildschweine tatsächlich in Deutschland leben. Noch komplizierter ist es bei wandernden Tierarten: Wildgänse, die in Sibirien brüten und in Mitteleuropa überwintern werden von den Menschen überall bejagt. Da stellen sich die Fragen, wie viele Gänse es überhaupt sind und in welchen Ländern wie viele von ihnen geschossen werden dürfen, ohne die Vögel zu gefährden.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) bemüht sich seit vielen Jahren, die Nutzung unserer Tierwelt nachhaltig zu gestalten und hat entsprechende Kriterien für eine nachhaltige Entnahme von Tieren aus der Natur erarbeitet. In Deutschland wird eine notwendige Modernisierung der Jagdgesetzgebung diskutiert, ebenso müsste sich die Fischerei bereit erklären, Kormorane und Schutzgebiete zu akzeptieren. Seit Jahren macht das BfN entsprechende Vorschläge, aber die Interessenvertreter der Naturnutzer, die Kriterien für eine nachhaltige Entnahme von Tieren aus der Natur noch vor fünf Jahren zugestimmt hatten, drücken sich bis heute vor der Umsetzung.

International stellt der Handel mit gefährdeten Arten nach wie vor ein großes Aufgabenfeld dar. Das BfN kontrolliert nicht nur die Importe von Tieren nach Deutschland, sondern es wirkt auch an den Brüsseler Entscheidungen über Handelsverbote für die EU mit. Die aktuellen Bestimmungen zur Einfuhr von geschützten Arten in die EU sind auf der BfN-Homepage zu finden (Online-Dienst ZEET).

Vertiefende Informationsquellen:
BfN (Hrsg., 2004): Daten zur Natur 2004.
Kap. 2.6: Fischerei, S.49-56; Kap. 2.7: Jagd, S.57-58; Kap. 2.11: Tourismus, S.91-93; Kap. 15.1.1: Übereinkommen über die Biologische Vielfalt, S.334-342; Kap. 15.1.2: Washingtoner Artenschutzüberein¬kommen, S.342-344.

Grimm, U. et al. (2000): Nachhaltige konsumtive Nutzung von Wildtieren. Dokumentation zum gleichnami-gen Workshop. BfN-Skripten 18.

Grimm, U. et al. (2001): Nachhaltige konsumtive Nutzung von Wildtieren. Dokumentation zum gleichnami-gen 2. Workshop. BfN-Skripten 36.

Große, C. et al. (2001): Trophäenjagd auf gefährdete Arten im Ausland. BfN-Skripten 40.

Haupt, H. et al. (2001): Vorschläge zur Änderung der Liste der jagdbaren Tierarten in Deutschland. Natur und Landschaft 76, S.332-334.

Hinweis:
Ab dem 23.August beginnt die "Woche des Tierartenschutzes" im BfN. Jeden Tag werden interessierten Pressevertretern Informationen rund um den zoologischen Artenschutz zur Verfügung gestellt. Folgende Themen werden u.a. angesprochen: "Die Rechte der wilden Tiere", "Erfolge im Artenschutz", "Schutz wandernder Tierarten", "Nachhaltige Nutzung von Tieren". Fotos auf Anfrage erhältlich.

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de/08/zeet/zeet.htm
http://www.bfn.de

Weitere Berichte zu: BfN BfN-Skripten Fischerei Tierart Tierwelt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Den Trends der Umweltbranche auf der Spur
17.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Etablierung eines Zuchtprogramms zum Schutz der letzten Saolas
17.10.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz