Flammschutzmittel in Seen entdeckt

Konzentration an hormonaktiven Substanzen steigt rasant an

Ein Forscherteam der Schweizer ETH hat festgestellt, dass bromierte Flammschutzmittel zu einer immer größeren Umweltgefahr werden: In den Sedimenten des Greifensee etwa haben diese Substanzen seit 1980 markant zugenommen, wie Untersuchungen ergeben haben. Bromierte Flammschutzmittel sind zum Teil schwer abbaubar, manche von ihnen stehen auch im Verdacht, in Säugetieren wie Hormone zu wirken.

Das Forscherteam der Forschungsinstitution für Materialwissenschaften und Technologie des ETH-Bereichs (Empa) und des Wasserforschungsinstituts des ETH-Bereichs (Eawag) haben festgestellt, dass sich die Konzentration der Substanzen rund alle neun Jahre verdoppelt. Ein Ende der Entwicklung ist vorerst nicht abzusehen. „Wir haben aus den Sedimenten des Greifensees einen Kern entnommen, um das Umweltverhalten verschiedener problematischer Stoffe zu untersuchen“, so Walter Giger, Experte für chemische Problemstoffe der Eawag.

Bromierte Flammschutzmittel werden seit 25 Jahren in vielen Produkten eingesetzt. Kunststoffe oder Textilien aber auch Polstermöbel, Baumaterialien oder Elektronikgeräte werden mit diesen Zusatzstoffen behandelt und sollen dadurch sicherer gemacht werden. Manche der Substanzen sind sehr langlebig und werden durch atmosphärische Prozesse über weite Distanzen verfrachtet. Abgelegene Bergseen sind ähnlich stark belastet wie die Gewässer des Mittellandes. Mit ihrem Verhalten erinnern die Flammschutzmittel stark an andere langlebige Problemstoffe. Es wird daher diskutiert, sie auf die Liste der „Persistent Organic Pollutants“ (POP) zu setzen.

Die drei bromierten Brandschutzmittel, die untersucht wurden, unterscheiden sich in der Anzahl der Bromatome. „Die am häufigsten verwendete Substanz, Deca-BDE mit zehn Bromatomen, gilt als vergleichsweise unbedenklich. Die beiden verwandten Verbindungen Penta-BDE und Octa-BDE mit niedrigerem Bromgehalt stehen demgegenüber im Verdacht, hormonaktive Stoffe zu sein“, so Martin Kohler von der Abteilung organische Chemie der Empa. Die beiden Verbindungen sind nicht nur langlebig und hormonaktiv, sondern reichern sich auch in der Nahrungskette an, erklärt Kohler. In der EU sind die Stoffe seit 2004 gänzlich verboten.

Allerdings stellten die Forscher einen ungebremsten Anstieg von Deca-BDE fest. Experimente mit Klärschlamm zeigen, dass unter sauerstofffreien Bedingungen ein Teil des Deca-BDE umgewandelt wird. „Es könnte sein, dass diese Abbauprodukte ebenfalls hormonaktiv sind“, so Giger. Kohler schließt zudem nicht aus, dass auch in den Seesedimenten eine gewisse Umwandlung stattfindet. Denn die Zusammensetzung der bromierten Flammschutzmittel in den Sedimenten ist anders, als man dies auf Grund der industriell verwendeten Produkte erwarten würde. Unbekannt ist allerdings wie die Schadstoffe genau in die Umwelt gelangen, denn Untersuchungen an Fischen verliefen negativ.

Media Contact

Wolfgang Weitlaner pressetext.schweiz

Weitere Informationen:

http://www.empa.ch http://www.eawag.ch

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