Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel ablesbar

04.07.2005


Forschungsprojekt an der Universität Hannover zeigt Ausweitung der Stechpalme in Nordeuropa

Die Stechpalme, Ilex aquifolium, ist die einzige in Mitteleuropa einheimische immergrüne Laubbaumart. Sie ist besonders empfindlich gegenüber tiefen Wintertemperaturen und stellt ein klassisches Beispiel einer klimatisch bedingten Verbreitungsgrenze dar, das oft in Lehrbüchern der Botanik aufgeführt wird. Ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Forschungsprojekt an der Universität Hannover hat nun eine Studie aus den 1940er Jahren mit neuen Daten zum Verbreitungsgebiet der Stechpalme verglichen. "Unsere aktuellen Untersuchungsergebnisse zeigen, dass sich die Stechpalme weiter nördlich und nordöstlich ausbreitet. Damit gibt es ein sichtbares Beispiel für den Klimawandel", erläutert Projektleiter Dr. Gian-Reto Walther vom Institut für Geobotanik. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes werden in der neuesten Ausgabe der britischen Zeitschrift "Proceedings of the Royal Society" veröffentlicht.

In dem zweijährigen Forschungsprojekt wurde ein Zusammenhang zwischen der Ausbreitung der Stechpalme und dem Klima nachgewiesen. Die Verschiebung der Verbreitungsgrenze geht mit einem graduellen Anstieg der Wintertemperaturen einher, der an lokalen Klimastationen im Untersuchungsgebiet gemessen wurde.

Die Forscher der Universität Hannover haben zeigen können, dass die Stechpalme mittlerweile auch an der Südküste Schwedens und in ganz Dänemark zu finden ist. Dafür haben sie sowohl quantitative als auch qualitative Nachweise erbracht, in dem sie den Baumbestand gezählt und zum Beispiel auf Alter, Fruchtbarkeit und Zustand näher untersucht haben. Sie stellten fest, dass es zahlreiche neue Fundorte gibt. Noch vor 50 Jahren konnte die Stechpalme in Schweden nicht nachgewiesen werden. Die damalige Verbreitungsgrenze verlief durch Dänemark und das nordöstliche Deutschland. "Insbesondere in Südschweden lassen sich zahlreiche neue Fundorte nachweisen, die jünger als 20 Jahre sind. Jährlich kommen neue Fundorte hinzu", beschreibt Dipl.-Biol. Silje Berger, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geobotanik, die aktuelle Entwicklung. "Wenn die kontinuierliche Erwärmung anhält, ist zu vermuten, dass sich die Pflanze in naher Zukunft noch weiter nach Norden ausbreiten wird", so Berger weiter.

Mit Hilfe eines Computermodells hatten Kollegen aus Lund in Schweden die Verbreitungsgrenze der Stechpalme berechnet. Die im Feld erarbeiteten Ergebnisse bestätigen die im Modell prognostizierte Entwicklung. Gleichzeitig dienen die gesammelten Realdaten nun dazu, das Computermodell noch weiter zu verbessern. Die Stechpalme ist ein guter Bioindikator für den ablaufenden Klimawandel und deren Ausbreitung ein weiteres Indiz, dass die Auswirkungen der Klimaänderung bereits sichtbare Spuren in der Natur hinterlassen.

Dr. Stefanie Beier Pressesprecherin Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Universität Hannover Welfengarten 1 30167 Hannover Tel.: 0511 / 762-5342 Fax: 0511 / 762-5391 mailto:info@pressestelle.uni-hannover.de

Dr. Stefanie Beier | Universität Hannover
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Berichte zu: Computermodell Fundorte Klimawandel Stechpalme Verbreitungsgrenze

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Den Trends der Umweltbranche auf der Spur
17.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Etablierung eines Zuchtprogramms zum Schutz der letzten Saolas
17.10.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik