Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie ein schwerkranker See erfolgreich restauriert wurde

27.06.2005


Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) hat eine neuartige Technologie entwickelt und angewandt. Die Prognosen der IGB-Wissenschaftler haben sich mehr als bestätigt. Der Tiefwarensee gilt wieder als gesund.



Der Tiefwarensee in der Müritz ist wieder gesund. Innerhalb von nur vier Jahren ist es gelungen, das ehemals von Algenmassenentwicklungen, Fischsterben und völligem Sauerstoffschwund in der Tiefe geprägte Gewässer in einen sauberen, klaren Maränen-Hecht-See zu verwandeln. Der Erfolg beruht auf einer neuartigen Technologie, die das Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) konzipiert und zur Verfügung gestellt hatte. Die Pilotanlage wird am 30. Juni offiziell abgeschaltet. Damit gilt die Restaurierung des Sees an der Stadt Waren (Mecklenburg-Vorpommern) als abgeschlossen. "Für uns zeigt die Maßnahme beispielhaft den Nutzen eines ganzheitlichen Gewässerschutzes", sagt Prof. Rainer Koschel. Er leitet die Abteilung "Limnologie Geschichteter Seen" des IGB in der Neuglobsower Außenstelle am Stechlinsee und hat zusammen mit seinem Berliner Kollegen Thomas Mehner das Projekt verantwortet.

... mehr zu:
»Binnenfischerei »IGB »Phosphor


Zu Beginn der Sanierung war der Tiefwarensee hocheutroph, also mit Nährstoffen überlastet. Vor allem Phosphor bereitete Probleme. Abgestorbene Algen, die von Bakterien zersetzt wurden, führten dazu, dass jeglicher Sauerstoff aus dem Tiefenwasser schwand. Zahlreiche Fische starben. Heute dagegen sind 90 Prozent des Phosphors aus dem See entfernt und das Wasser ist viel klarer: Die Durchsichtigkeit hat sich verdoppelt und zum Teil verdreifacht - auf derzeit fünf bis sieben Meter. Auch die Bestände von Unterwasserpflanzen haben zugenommen.

Wie kam es zu diesem durchschlagenden Erfolg? "Während des Sommers haben wir mit Hilfe einer umgebauten Tiefenwasserbelüftungsanlage den gesamten Tiefwasserkörper mehrere Male durchmischt und mit hocheffizienten Phosphorfällmitteln versehen", berichtet Koschel. Diese Fällmittel, es handelt sich um eine Kombination von basischem Aluminat und Calciumhydroxid, haben den im Wasser und Schlamm gelösten Phosphor gebunden und dauerhaft im Sediment festgelegt, so dass er für ein übermäßiges Algenwachstum mit allen negativen Folgen nicht mehr zur Verfügung steht.

Parallel dazu haben die Experten den Fischbestand beeinflusst. Damit wollten sie die Seengütesteuerung unterstützen und das Ökosystem (die "Fischbiozönose") möglichst schnell an die veränderten Nährstoffverhältnisse anpassen. Der See wurde deshalb jedes Jahr mit Larven der Kleinen Maräne und Jungfischen des Hechtes besetzt, zugleich entnahm man Silberkarpfen und Weißfische; die Angelfischerei wurde zeitweise eingeschränkt. Die Maßnahmen führten zu einer Zunahme des Raubfischanteils, vor allem von Barsch und Hecht, und zur deutlichen Abnahme des Weißfischanteils, vorwiegend Plötze und Blei. Lediglich der Bestand der Kleinen Maräne ist weiterhin relativ gering, der natürliche Aufbau hin zu wirtschaftlich nutzbaren Beständen wird sich noch einige Jahre verzögern.

"Wir führen die Veränderungen in der Fischbiozönose auf die oben genannten Managementmaßnahmen und die veränderten Fraßbeziehungen zwischen den Fischarten zurück", erläutert Mehner. Es sei zu einem Artenwechsel gekommen als Reaktion auf die Verminderung der Nährstoffe (Fachleute sprechen von Oligotrophierung) und auf die verstärkte Ausbreitung von Unterwasserpflanzen. Koschel ist sehr zufrieden: "Damit sind jene Effekte im Fischbestand weitgehend eingetreten, die wir im Zusammenhang mit der chemisch-physikalischen Restaurierung des Sees erwarteten und durch das Management unterstützten."

Den IGB-Experten zufolge unterstreicht die hohe Effizienz der Maßnahme die Bedeutung eines optimierten Gewässerschutzes. Dieser begann am Tiefwarensee auf der Grundlage sehr guter Voruntersuchungen im Einzugsgebiet und im Gewässer, vereinigte eine Verminderung der Belastung durch Emissions- und Immissionsmaßnahmen und wurde konsequent mit allen Beteiligten verwirklicht, vom Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern über die Stadt Waren, den Berufsfischern der Müritz-Plau GmbH, dem Staatlichen Amt für Umwelt und Natur bis hin zu organisierten Anglern und Anrainern.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Rainer Koschel, IGB, Abt. Limnologie Geschichteter Seen,
16775 Stechlin, Neuglobsow
Alte Fischerhütte 2,
Tel. 033082 / 699-0, Fax 699-17
e-mail: stechlin@igb-berlin.de

PD Dr. Thomas Mehner, IGB, Abt. Biologie und Ökologie der Fische,
12587 Berlin
Müggelseedamm 310
Tel. 030 / 641 81 613
e-mail: mehner@igb-berlin.de,

Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. Es betreibt multidisziplinäre strategische Grundlagenforschung zur Struktur und Dynamik aquatischer Ökosysteme. Das IGB erarbeitet wissenschaftliche Grundlagen für neue Ökotechnologien, für nachhaltige Binnenfischerei und für ökotoxikologische bzw. -physiologische Bestimmungskriterien der Gewässerbeschaffenheit. Die Forschungen werden an Grundwasser, Seen, Flüssen und deren Einzugsgebieten überwiegend im nordostdeutschen Tiefland betrieben. Das Institut hat rund 180 Mitarbeiter und einen Etat von zirka zehn Millionen Euro.
Das IGB im Internet: http://www.igb-berlin.de

Der Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB) ist Träger von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Forschungsinstituten in Berlin, die alle wissenschaftlich eigenständig sind, aber im Rahmen einer einheitlichen Rechtspersönlichkeit gemeinsame Interessen wahrnehmen. Alle Institute des FVB gehören zur Leibniz-Gemeinschaft.

Josef Zens | idw
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de
http://www.igb-berlin.de

Weitere Berichte zu: Binnenfischerei IGB Phosphor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer
20.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

nachricht Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger
20.10.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie