Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klima-Simulation: Sahelzone droht eine neue Dürre

20.06.2005


Westafrika droht in den nächsten 20 Jahren eine verheerende Dürre, sollte die Zerstörung der Wälder weiter voran schreiten. Zu dieser Prognose kommen Meteorologen der Universität Bonn, die das Klimageschehen in den Ländern südlich der Sahara mit verbesserten Klimamodell-Prognosen simuliert haben. Demnach ist der Einfluss der Vegetationsbedeckung auf das Klima in der Sahelzone zumindest mittelfristig viel größer als der des Treibhauseffekts.


Brandrodung in Benin. (c) Tobias El-Fahem


Kinder in Benin beim Wasserholen. (c) Tobias El-Fahem



Um mehr als 100 Millimeter könnte die jährliche Niederschlagsmenge in Benin, Guinea oder Mali in den nächsten 20 Jahren abnehmen - das wäre je nach Region bis zu einem Viertel weniger als heute. Zum Vergleich: In der letzten großen Dürreperiode Mitte der 80er Jahre fielen an der Küste Guineas bis zu 150 Millimeter weniger Regen als im langjährigen Mittel. Gleichzeitig steigen nach den Berechnungen die Temperaturen im Sommer und Herbst um zwei bis drei Grad. Die Extremwerte lägen dann sogar sieben Grad höher als heute - eine zusätzliche Gefahr für Pflanze, Tier und Mensch.

... mehr zu:
»Dürre »REMO »Sahelzone


Zu diesen Zahlen kommt der Bonner Geograph Dr. Heiko Paeth in seiner Habilitationsschrift, in der er vor allem den drohenden Klimawandel im westafrikanischen Benin untersucht. "Wir wollten uns in unserer Studie nicht einseitig auf den Einfluss der Atmosphäre fokussieren - also die ’wärmenden’ Treibhausgase oder die ’kühlenden’ Sulfataerosole aus Vulkanausbrüchen und Autoabgasen", betont Paeth. "Gerade für das regionale Klima ist die Vegetationsbedeckung ein extrem wichtiger Einflussfaktor. Das gleiche gilt für die Bodendegradation - dass also beispielsweise aufgrund der zunehmenden Verdichtung und Versiegelung des Bodens weniger Niederschlag versickert."

Wie wichtig diese Einflüsse sind, zeigt ein Computerprogramm, dass die Bonner Wissenschaftler eigens für diesen Zweck weiterentwickelt haben: Das "Regionale Klimamodell", kurz REMO. Damit spielen die Meteorologen "Was wäre, wenn...?": Was wäre beispielsweise, wenn die Vegetation in Westafrika um 25, 50, 75 oder gar 100 Prozent abnähme, die restlichen Klimafaktoren aber gleich blieben? Und wie sähe es im Vergleich aus, wenn aufgrund des Treibhaus-Effekts die Meerestemperatur vor Afrikas Küsten um zwei Grad stiege - einen Wert, mit dem viele Forscher zum Ende des 21. Jahrhunderts rechnen?

Die Ergebnisse sind erschreckend: Zwar errechnet das Modell aufgrund des Treibhaus-Effekts für die Küstenregionen Westafrikas einen stärkeren Monsunregen. In der ohnehin schon trockenen Sahelzone geht der Niederschlag dagegen weiter zurück. "Resultat könnte sein, dass viele Menschen aus den Trockengebieten in den feuchteren Süden ziehen und dort den Bevölkerungsdruck weiter erhöhen", befürchtet Paeth.

Wälder reichen das Wasser weiter

Der Verlust der Vegetationsdecke würde zu noch dramatischeren Niederschlagseinbußen führen. Gerade Gebiete wie das Kongobecken, die sich im Moment noch nicht über Regenmangel beklagen können, müssten dann mit einem starken Rückgang rechnen. Dieser fällt laut REMO umso größer aus, je stärker die Pflanzendecke geschädigt wird. Grund: Die Pflanzen halten den lebenswichtigen Kreislauf aus Verdunstung und Niederschlag im Gang. Gerade Wälder geben Tag für Tag riesige Wassermengen an die Luft ab. In ihrer Umgebung fällt daher erheblich mehr Regen - Wälder reichen das Wasser gewissermaßen weiter.

Um die Klimaentwicklung einer Region zu prognostizieren, reicht eine isolierte Betrachtung einzelner Faktoren natürlich nicht aus. Daher hat Paeth REMO mit realistischen Rahmendaten gefüttert. "Die Welternährungsorganisation FAO rechnet beispielsweise damit, dass die Waldfläche in Westafrika bis 2020 auf 68 Prozent gegenüber heute zurückgeht", sagt der Geograph. "Außerdem haben wir in REMO die Weltklima-Prognose und die künftige Temperatur der Weltmeere aus dem Hamburger Klimamodell berücksichtigt, das von vielen Arbeitsgruppen weltweit genutzt wird." Zusätzlich floss die vermutliche Entwicklung der Treibhausgas-Konzentration und der Bodendegradation in das Szenario ein. Die Ergebnisse wurden eingangs bereits geschildert. "Wenn die Länder Westafrikas nicht durch eine schonende Landnutzung gegensteuern, droht ihnen bis 2020 mit großer Wahrscheinlichkeit die nächste Dürre", befürchtet Paeth. Ganz sicher ist das allerdings nicht; dazu sei REMO noch zu ungenau.

Heiko Paeths Studie ist Teil des Verbundprojekts "IMPETUS", an dem deutschlandweit rund 20 Arbeitsgruppen mit knapp 50 Forschern beteiligt sind. Sie bemühen sich unter anderem, Strategien für einen sparsameren Umgang mit der Ressource Wasser in Westafrika zu finden und zu einer schonenderen Nutzung mit den fragilen Ökosystemen zu kommen. Wenn das nicht gelingt, trifft es wieder einmal die Ärmsten der Armen: Von den zehn finanzschwächsten Ländern der Welt liegen nach Weltbank-Angaben von 2004 allein vier im südlichen Westafrika.

Kontakt:
Dr. Heiko Paeth
Meteorologisches Institut der Universität Bonn
Telefon: 0228/73 51 86
E-Mail : hpaeth@uni-bonn.de

www.uni-bonn.de/ | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Dürre REMO Sahelzone

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise