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Flussperlmuschel und seltene Fließgewässer-Libellen nehmen im Heidebach Lutter wieder zu

16.08.2001


Am Bachlauf der Lutter fördern das Bundesamt für Naturschutz, das Land Niedersachsen sowie die Landkreise Celle und Gifhorn seit 1989 ein Naturschutzgroßprojekt mit insgesamt 32,4 Mio. DM. Nachdem die Anzahl der Flussperlmuscheln im Heidebach Lutter - einem der letzten Vorkommen in Norddeutschland - über Jahrzehnte dramatisch zurückging, erholen sich die Bestände dank der ergriffenen Maßnahmen allmählich wieder. Auch seltene Fließgewässer-Libellen profitierten von den Schutzmaßnahmen. Neuerdings treten u.a. die vom Aussterben bedrohte Scharlachlibelle und der stark gefährdete Kleine Blaupfeil wieder in großer Zahl auf. "Naturschutzgroßprojekte des Bundes sind damit ein wichtiger Baustein zur Erhaltung der biologsichen Vielfalt in Deutschland", sagte der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Dr. Hardy Vogtmann. "Sie tragen wesentlich dazu bei, das nationale Naturerbe Deutschlands auch für nachfolgende Generationen zu sichern".



Flussperlmuscheln stehen nicht auf Sand und Gülle

Zwischen Hannover und Uelzen erstreckt sich auf ca. 23 km das Fließgewässersystem der Lutter. In diesem Heidebach lebt u.a. die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel. Sie stellt besonders hohe Ansprüche an die Qualität ihres Lebensraumes. Neben Uferveränderungen, dem Bau von Stauanlagen und Fischteichen stellen Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft und eine zunehmende Sandfracht im Wasser eine Gefahr für die Muscheln dar. Oberstes Ziel des Projektes ist es daher, die Lutter und ihre Nebengewässer wieder in einen möglichst naturnahen Zustand zu überführen. Hierzu sind Maßnahmen wie die Anlage von so genannten Sandfängen und die Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung erforderlich.


Noch vor 150 Jahren waren die Flussperlmuscheln in mehreren Gewässern der Lüneburger Heide sehr häufig. Durch Perlräubereien und Gewässerausbau im 19. Jahrhundert wurden die Muscheln stark dezimiert. Um 1935 hatten in der Südheide noch 50.000 Tiere überlebt. Die weitere Verschlechterung der Lebensbedingungen führte dazu, dass es heute in den Bächen Lutter und Lachte gerade noch ca. 2.500 Muscheln gibt.

Ein großes Problem besteht darin, dass der Flussperlmuschelbestand mit mehr als 50 Jahren völlig überaltert ist. Denn über Jahrzehnte stellte sich bei den Muscheln, die ein Lebensalter von 100 Jahren erreichen können, fast keinerlei Nachwuchs ein. Die größte Gefahr für Jungmuscheln ist die Übersandung. Als eine Ursache wurde ein oberhalb einer natürlichen Bachstrecke befindlicher Mühlenteich mit Stauanlage erkannt. Bei Hochwasser wurde dessen Stau geöffnet, sodass sich die im Teich abgesetzten Sandmassen bachabwärts wälzten. Dabei wurde das für die Muscheln wichtige Lückensystem des Gewässergrundes verstopft. Die hier lebenden Tiere ersticken und auch die Eier von in den Kies laichenden Fischen wie Bachforelle und Elritze sterben ab. Im Rahmen des Projektes wurde deshalb das Staurecht erworben, so dass seit 1992 das Mühlenwehr nicht mehr geöffnet wird und infolgedessen immer größere Teile des übersandeten Bachgrundes freigespült werden. Seitdem eignet sich dieser Teil des Gewässergrundes wieder als Lebensraum für Flussperlmuscheln. Ferner wurden in verschiedenen Bereichen des Gewässersystems so genannte Sandfänge eingebaut.

Kleiner Blaupfeil und zweigestreiften Quelljungfer brauchen fließendes Wasser

Im Oberlauf der Lutter und ihren Zuflüssen Ahrbeck und Schmalwasser wurden Anfang des 20. Jahrhunderts drei Teichanlagen angelegt. Die teilweise sehr intensiv bewirtschafteten Teiche wirkten sich negativ auf das Ökosystem der Heidebäche aus. Betroffen waren neben den Flussperlmuschelbeständen auch die für diesen Lebensraum typischen Fließgewässerlibellen. Daher wurden die Teiche im Rahmen des Projektes "Lutter" 1997/98 zurückgebaut. Erste Erfolge dieser Maßnahme zeigten sich in den Ergebnissen der gleichzeitig durchgeführten Untersuchungen zur Bestandsentwicklung der Libellen. Vor dem Rückbau der Teiche vermehrten sich fast ausschließlich für Teiche und Weiher typische, weit verbreitete Arten, die nicht gefährdet sind. Das änderte sich nach dem Rückbau deutlich. Die ehemaligen Teiche wurden nämlich z.T. wieder in Fließgewässer umgewandelt. Mit den Prachtlibellen und der Zweigestreiften Quelljungfer wanderten für Heidebäche charakteristische Arten ein. Einige Teiche ließ man einfach verlanden bzw. vermooren. Daraufhin traten u.a. die für nährstoffarme Moore typische, vom Aussterben bedrohte Scharlachlibelle und der stark gefährdete Kleine Blaupfeil in großer Zahl auf.

Insgesamt stieg die Zahl der seltenen "Rote-Liste-Arten" von zwei auf elf Arten. Im Hinblick auf die Libellenvorkommen wird die Umwandlung der Teiche als äußerst positiv bewertet.

Naturschutzgroß- und Gewässerandstreifenprojekte des Bundes

Neben der Lutter werden derzeit weitere 25 sogenannte Naturschutzgroß- und Gewässerandstreifenprojekte des Bundes überwiegend mit Bundesmitteln gefördert. Es handelt sich damit um einen der größten Naturschutz-Fördertitel in Deutschland. Die dargestellten Ergebnisse zeigen, dass gut geplante und konsequent umgesetzte Naturschutzmaßnahmen trotz oft schwieriger Ausgangsbedingungen (mangelnde Flächenverfügbarkeit und rechtliche Einwirkungsmöglichkeit) dazu beitragen können, die bedrohten Arten in Deutschland gezielt zu fördern und damit zu erhalten.


Franz August Emde | idw

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