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Weniger Abfall nur durch Vermeidung

31.05.2005


Zur Umweltentlastung durch die neue Deponieregelung gehört ein konsequentes Ressourcenmanagement


Ab dem 1. Juni 2005 dürfen in Deutschland organische Abfälle nur noch vorbehandelt auf Deponien gelagert werden. Beschlossen wurde dies bereits vor zwölf Jahren. Durch die neue Regelung werden die Emissionen von klimawirksamen Treibhausgasen und von schädlichen Sickerwässern aus Deponien reduziert. Im Rahmen der mechanisch-biologischen Vorbehandlung können manche Reststoffe besser für das Recycling aussortiert werden. Das nötige Deponievolumen wird deutlich vermindert, wenn die zu entsorgenden Abfälle letztlich verbrannt werden. Sicher ist es auch sinnvoll, dabei den Energiegehalt des Abfalls zu nutzen. Diese Entwicklungen sind zweifellos ein Fortschritt.

Doch reduzieren sie die Abfallmenge nicht, denn die Regelung greift erst am Ende des Lebenszyklus von Produktion und Konsum. Sie bestimmt, in welcher Form und auf welchem Weg die Abfälle wieder an die natürliche Umwelt abgegeben werden. Doch egal, ob der Abfall verbrannt und damit in die Atmosphäre verfrachtet wird oder ob er an Land deponiert wird: die Ressourcennutzung und der Materialdurchsatz bleiben praktisch auf unverändert auf hohem Niveau. Auch dem Recycling sind ökologisch und ökonomisch Grenzen gesetzt, weil jeder Verwertungsprozess seinerseits Material und Energie erfordert.


Die Menge der Abfälle, die bei Herstellung und dem Gebrauch der verschiedenen Produkte anfallen, wird letztlich vom Einsatz der Primär-rohstoffe bestimmt. Die Forschung am Wuppertal Institut ist darauf gerichtet, die Stoffströme, die letztlich zu Abfall werden, von ihrem Beginn an zu betrachten. Dr. Stefan Bringezu fordert deshalb verbindliche Ziele für die mittel- und langfristige Ressourcennutzung: "Der konsequente nächste Schritt liegt in einem Konzept zu Abfallvermeidung und Ressourcenschonung," betont der Wissenschaftler, "Nur auf dieser Basis lässt sich auch die Ressourcenproduktivität in Deutschland weiter erhöhen und die Kosten des Materialeinsatzes verringern, so wie es die Nachhaltigkeitsstrategie vorsieht."

Dabei geht es um beträchtliche Mengen, Umweltbelastungen und Kosten. Der Siedlungsabfall macht in Deutschland 0,6 Tonnen pro Kopf aus. Dazu kommen 0,5 Tonnen pro Kopf industrielle Abfälle aus der Produktion und ca. 3 Tonnen pro Kopf Bauabfälle. Zusätzlich fallen im Bergbau und bei der Steine und Erdengewinnung 22 Tonnen pro Kopf nicht verwertete Förderung an, die praktisch direkt zu Abfall werden. Damit nicht genug, ein erheblicher Teil der Abfälle, die durch inländische Produktionstätigkeit induziert wird, entsteht und bleibt im Ausland. Die ökologischen Rucksäcke der Importe, d.h. ihr kumulierter Primärmaterialaufwand, betragen 23 Tonnen pro Kopf. Der überwiegende Teil davon wird vor Ort zu Abfall. Dies liegt weit über der Menge jener Abfälle, deren sichere Entsorgung nun im Inland durch die neue Bestimmung zur Abfallablagerung geregelt sind.

Das Wuppertal Institut arbeitet an Bausteinen für ein nachhaltiges Ressourcenmanagement für Unternehmen und Politik. Ein solcher Managementansatz muss die Materialnutzung der verschiedenen Branchen berücksichtigen und die besonders ressourcenintensiven Branchen dabei unterstützen, ihre Materialeffizienz zu steigern. Eine Kosteneinsparung beim Bezug von Material, Energie und Wasser entlastet die Unternehmen und steigert deren Wettbewerbsfähigkeit. Die Suche nach neuen ressourcenleichten Produkten wird deren Innovationskraft stärken. Auf diesem Feld lässt sich langfristig durch eine gezielte Förderung mehr Beschäftigung sichern als durch eine Unterstützung von ressourcenintensiven Industrien.

Eine Strategie der Abfallvermeidung und Ressourcenschonung schafft Zukunftsmärkte und neue Geschäftsfelder, auch für die Entsorgungs- und Verwertungsbranche.

Ansprechpartner:
Dr. Stefan Bringezu
Leiter der Forschungsgruppe Stoffströme und Ressourcenmanagement
Tel.: 0202 -2492-131
E-Mail: Stefan.Bringezu@wupperinst.org

Dorle Riechert | idw
Weitere Informationen:
http://www.wupperinst.org

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