Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deichrückverlegung verbessert Lebensraum für Tiere und Pflanzen und vergrößert die Artenvielfalt

18.05.2005


Wissenschaftlich-ökologisches Begleitprogramm zur Deichrückverlegung bei Worms ergibt nach vier Jahren positiven ökologischen Befund



Zur Verbesserung des Hochwasserschutzes entlang dem Rhein werden zunehmend Deiche rückverlegt und dadurch neue Pufferzonen für Überflutungen geschaffen. Die Auswirkungen derartiger Maßnahmen auf die Lebensbedingungen von Tieren und Pflanzen in diesen neu entstandenen Überflutungsbereichen werden kontrovers diskutiert. Im März 2005 legten drei Arbeitsgruppen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz das Ergebnis eines durch die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, Regionalstelle Wasserwirtschaft Abfallwirtschaft und Bodenschutz in Mainz beauftragten wissenschaftlich-ökologischen Begleitprogramms zur Deichrückverlegung "Bürgerweide" bei Worms vor. Es zeigte, dass durch die Rückverlegung von Deichen der Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten erheblich verbessert und die Artenvielfalt erhöht werden kann. "Es gab nur wenig konkrete Vorstellungen, wie sich die Rückverlegung ökologisch auswirken könnte", erklärte Univ.-Prof. Dr. Alfred Seitz vom Institut für Zoologie. "Die Maßnahmen in Worms und unsere begleitenden Untersuchungen können nun als Modell auch für andere Polderbauten genutzt werden."



Südlich von Worms ist durch die Rückverlegung der Deichlinie ein ca. 68 Hektar großer Retentionsraum entstanden. Der Rhein erhielt damit einen Teil seiner natürlichen Überflutungsflächen zurück. Es wurden aber auch vielfältige neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen und der Raum insgesamt ökologisch aufgewertet. Drei Arbeitsgruppen aus dem Bereich des Zentrums für Umweltforschung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben in Kooperation mit dem bearbeitenden Planungsbüro und der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd den Prozess begleitet und den Retentionsraum "Bürgerweide" vier Jahre lang beobachtet.

Das Ergebnis, so ergaben die wissenschaftlich-ökologischen Erhebungen, ist insgesamt sehr positiv zu bewerten. Die Lebensraumqualität konnte für Tiere und Pflanzen erheblich verbessert werden. Die Schaffung von Gewässern, insbesondere die Verlegung des Altbaches auf einer Länge von etwa 1.200 Metern in den Retentionsraum und die Anlage eines Amphibientümpels, wird als "ökologischer Erfolg" bewertet. Gewässergebundene Tierarten, die zuvor keine geeigneten Lebensbedingungen in der "Bürgerweide" vorfanden, sind heute in dem Gebiet ansässig. Außerdem erhöhte sich die Artenvielfalt in dem Beobachtungsgebiet, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass der Ackerbau auf etwa 25 Hektar nun nur noch extensiv betrieben wird. Das Gutachten empfiehlt, die Besucher in dem Naherholungsraum mit Hilfe eines ausgewiesenen Wegesystems so zu lenken, dass Tabuzonen geschaffen werden und dadurch eine dauerhafte Ansiedlung von Tierarten möglich ist. Eine gewisse Pflege erfordert der Amphibientümpel, der vor Verlandung zu schützen und von "einwandernden" Fischen zu befreien ist, um die Amphibien zu schonen.

Für die Deichrückverlegung bei Worms wurde der Rheinhauptdeich 2001 auf einer Länge von 1.200 Metern geöffnet und durch einen etwa 3.000 Meter langen, rückverlegten Deich ersetzt. Der so geschaffene Retentionsraum hat die Funktion einer ungesteuerten Hochwasserrückhaltung. Er beginnt sich schon bereits bei kleinen Hochwassern zu füllen. Dabei werden 68 Hektar als Überflutungsfläche reaktiviert, die bisher durch den Rheinhauptdeich von der Dynamik des Rheins abgeschnitten waren. Bei Volleinstau, der einem Hochwasser entspricht, wie es statistisch alle 200 Jahre einmal vorkommt, beträgt das Fassungsvermögen des Rückhalteraums bei einer maximalen Wassertiefe von 3 Metern etwa 2 Millionen Kubikmeter.

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.oekologie.biologie.uni-mainz.de
http://www.zfu.uni-mainz.de
http://www.sgdsued.rlp.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wie gefährlich ist Reifenabrieb?
19.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Verbreitung von Fischeiern durch Wasservögel – nur ein Mythos?
19.02.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics