Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Virenalarm für Mittelmeer-Fische

11.05.2005


In Tunfischfarmen verfütterte Fische bringen fremde Krankheiten mit und gefährden dadurch die Fischbestände im Mittelmeer



Die Fische im Mittelmeer sind nach Einschätzung des WWF durch „exotische“ Krankheitserreger stark gefährdet. Die Umweltschützer machen dafür die im großen Stil in den mediterranen Tunfischfarmen verfütterten Fische verantwortlich. Diese stammen meist aus anderen Gewässern und schleppen fremde Viren ein, denen ihre Verwandten im Mittelmeer nur wenig entgegenzusetzen haben. „Die Europäische Union muss den Einsatz von importiertem und unverarbeitetem Futterfisch verbieten“, fordert Stefanie Schmidt, Fischereireferentin des WWF Deutschland. „Das Risiko, dass sich die Mittelmeerfische mit einem für sie tödlichen Virus anstecken, ist einfach zu hoch. Neue Krankheiten können ganze Fischbestände gefährden. Darunter leiden das ganze Ökosystem und schließlich auch die Fischer, deren Existenzgrundlage auf dem Spiel steht.“



Im Mittelmeer gehören Fischereiunternehmen in Spanien, Malta, Italien, Griechenland und Zypern zu den Hauptbetreibern von riesigen Tunfischfarmen. Dort werden die Tunfische zunächst gefangen und dann in Zuchtbecken etwa sechs Monate lang auf Idealmaß gemästet. Wie der WWF-Bericht aufzeigt, werden sie während dieser Zeit mit großen Mengen an gefrorenen und unbehandelten kleineren Fischen gefüttert, die hauptsächlich vor den Küsten Westafrikas, Nord- und Südamerikas und im Nordatlantik gefangen werden.

Laut WWF landen jedes Jahr etwa 225.000 Tonnen Hering, Lodde und weitere nicht-mediterrane Arten in den Zuchtbecken. Futterreste und die Ausscheidungen der gemästeten Tunfische gelangen in das Wasser, das die Becken und Tanks umgibt. Seevögel, die sich ebenfalls an den Futterfischen laben, bringen einzelne Bestandteile sogar bis in die offene See und in weit entfernte Küstengebiete. Viren, die in den Ursprungsregionen kaum negative Auswirkungen haben, können unter den dort lebenden Fischen schlimme Krankheiten und Seuchen auslösen.

Die laut WWF bislang spektakulärste Fisch-Epidemie, die in Tunfischfarmen ihren Ausgang nahm, hatte sich in den 1990er Jahren in Australien ereignet. Bis 1995 waren 5.000 Kilometer Küste von der Seuche betroffen. Am Ende waren drei Viertel aller ausgewachsenen Sardinen Australiens verendet. „Leider kann man nie ausschließen, dass Futterfische völlig virenfrei sind. Deshalb ist ein totales Verbot solcher Füttermethoden die einzige Lösung“, stellt Stefanie Schmidt klar. In Dänemark ist das Verfüttern von unverarbeiteten Fischen in Salzwasser-Aquakulturen bereits seit 1985 untersagt. Der WWF fordert eine Ausweitung dieses Verbots auf alle EU-Staaten.

Jenni Glaser | WWF
Weitere Informationen:
http://www.wwf.de

Weitere Berichte zu: Futterfisch Mittelmeer Tunfischfarmen Virenalarm Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer
20.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

nachricht Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger
20.10.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise