Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Spazierengehen im Dienst der Wissenschaft - Bundesweit einmaliges Beobachtungsprojekt startet.

15.04.2005


Mit dem Tagfalter-Monitoring Deutschland - einem Langzeitbeobachtungsprogramm - und einem neuen Schmetterlingsführer beteiligt sich das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) als wissenschaftlicher Partner an der Aktion “Abenteuer Schmetterling". Die Partner dieser bundesweiten Kampagne sind das ZDF, der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschlands (BUND) und das UFZ. Ziel der Aktion ist es, auf die Bedrohung vieler Schmetterlingsarten und ihrer Lebensräume hinzuweisen.



Im neuen Naturführer “Schmetterlinge - Die Tagfalter Deutschlands" beschreiben zwei UFZ-Wissenschaftler sowie zwei Kollegen aus Baden-Württemberg und Sachsen alle einheimischen Tagfalterarten, die nördlich der Alpen vorkommen. Neben über 700 Farbabbildungen und detaillierten Steckbriefen enthält das Buch auch Informationen zu den Lebensweisen und Fraßpflanzen der einzelnen Arten. Dieser Feldführer soll interessierten Laien die Bestimmung der Falter näher bringen und damit auch zur Teilnahme am Beobachtungsprogramm animieren. Das Buch erscheint im Ulmer Verlag Stuttgart und ist ab Montag (18. April) im Handel erhältlich.



Etwa 3700 Schmetterlingsarten gibt es in Deutschland - davon sind 190 Tagfalter. Wiederum zwei Drittel von ihnen gelten als bedroht. Doch wie es genau um die einzelnen Arten bestellt ist, das ist nur unzureichend bekannt. Wie stark sind die Bestände zurückgegangen? Welche Arten sind akut gefährdet? Was sind die Ursachen dafür und was können wir Menschen dagegen tun? Diesen Fragen gehen Forscher seit vielen Jahren schon in England, den Niederlanden, Spanien und Finnland nach. Bald werden weitere europäische Länder dazustoßen. “Die Daten, die daraus resultieren, sind von zentraler Bedeutung für die Wissenschaft und für europaweite Forschungsprojekte", sagt Dr. Josef Settele, UFZ-Wissenschaftler und Koordinator von Forschungsprojekten zur Biodiversität - also der Artenvielfalt.

Unterstützung erhoffen sich die Wissenschaftler nun auch von dem weitläufig und langfristig angelegten Beobachtungsprogramm in Deutschland, das auf die Beteiligung vieler Laien setzt. “Es ist eine interessante und leicht erlernbare Möglichkeit für alle, die sich anhand wissenschaftlicher Methoden mit Schmetterlingen beschäftigen und letztendlich zu deren Schutz beitragen wollen", so Dr. Reinart Feldmann vom UFZ, der das Monitoring koordiniert. Diese Art “Volkszählung" für Schmetterlinge soll nun helfen, einen aktuellen Zustandsbericht zu erstellen. Welche Art kommt wo in Deutschland vor und welchen Entwicklungstrend weist sie auf? So sieht die Teilnahme für die Freiwilligen aus: Zwischen April und September wird wöchentlich eine selbst festgelegte Strecke abgegangen, es werden die beobachteten Schmetterlingsarten notiert und die Notizen an das UFZ übermittelt. Ein bis zwei Stunden pro Woche genügen. Sozusagen ein Streifzug mit wachsamem Blick durch die Natur im Dienst von Forschung und Naturschutz. Alle Daten werden im UFZ zusammengetragen und ausgewertet. Erst die Mitarbeit vieler ehrenamtlicher Helfer liefert ausreichend permanente und großflächige Beobachtungsdaten, um kurzfristige Schwankungen von maßgeblichen Trends unterscheiden zu können. Dann wollen die Wissenschaftler die Zusammenhänge zwischen diesen Trends und Veränderungen und Eingriffen in der Landschaft oder auch Klimadaten analysieren.

Das Monitoring ist eine von drei Möglichkeiten, an der “Aktion Schmetterling" mitzumachen. Wer die dort geforderte Zeit nicht aufbringen kann oder überhaupt erst mal einen Einstieg in das Thema Schmetterlinge sucht, kann beim “Faltertag" mitmachen und einige Meldungen zu häufigen Arten in seinem Garten, in Grünanlagen und Ähnlichem abgeben. Informationen dazu gibt es beim BUND, der auch die dritte Aktion koordiniert: In einem Wettbewerb werden Ideen für eine schmetterlingsfreundliche Umwelt gesucht. Das ZDF begleitet die Aktion als Medienpartner und informiert mit einem Programmschwerpunkt im April rund um das Thema Schmetterlinge.

Auf europäischer Ebene werden die wissenschaftlichen Aktivitäten unter dem Dach von “Butterfly Conservation Europe (BCE)" zusammengeführt. “BCE wurde 2004 ins Leben gerufen, um auf europäischer Ebene zu einem umfassenden Bild beim Schutz von Schmetterlingen zu gelangen und möglichst optimal von den Erfahrungen anderer Kollegen zu profitieren. Dabei geht es nicht nur um die Schmetterlinge selbst, sondern auch um deren Bedeutung als Indikatoren für die Artenvielfalt generell" sagt Josef Settele, der auch Mitbegründer von BCE ist. “Durch das Monitoring erhoffen wir uns neue Erkenntnisse über Veränderungen in unserer Umwelt." Weil sie oft sehr speziell an ihre Umwelt angepasst sind, reagieren Tagfalter sehr sensibel auf Veränderungen in ihren Lebensräumen. Sie wirken als eine Art Frühwarnsystem. Wo sie verschwinden, da sind auch noch andere Arten gefährdet. Deshalb hoffen die Wissenschaftler auf möglichst viele Mitstreiter, damit die bunten Falter mit ihrer Schönheit und Leichtigkeit auch in Zukunft die Menschen noch erfreuen können.

Doris Boehme | UFZ-Pressestelle
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=5499
http://www.ufz.de

Weitere Berichte zu: Monitoring Schmetterling Schmetterlingsarten Tagfalter UFZ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll
23.02.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie