Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Leben im Untergrund": Schutz der Grundwasserfauna ist wichtig für gute Trinkwasserqualität

07.04.2005


Dass beim Aufdrehen des Wasserhahns sauberes Trinkwasser fließt, ist für Menschen in Industrieländern selbstverständlich. In der Europäischen Union wird mehr als die Hälfte des Trinkwassers aus dem Grundwasser gewonnen. Doch Grundwasser ist mehr als nur eine Quelle für Trink- und Brauchwasser. Es ist einer der größten und ältesten Lebensräume. Über 2.000 Tierarten sind aus dem Grundwasser Europas bekannt, über 500 Arten haben Forscher bislang im deutschen Grundwasser gefunden - Tendenz steigend.



"Es steht außer Zweifel, dass biologische Prozesse entscheidenden Einfluss auf die Reinheit des Grundwassers haben", erklärt Dr. Hans Jürgen Hahn von der Arbeitsgruppe Grundwasserökologie am Campus Landau der Universität Koblenz-Landau. Die dort lebenden Mikroorganismen und Tiere zersetzen organisches Material, dass von der Oberfläche ins Grundwasser gelangt und tragen so in hohem Maße zu dessen Reinigung und damit zu einer guten Trinkwasserqualität bei. "Wir müssen deshalb die Bedeutung des Grundwassers als Lebensraum einer breiten Öffentlichkeit bewusst machen. Denn nur was man kennt, kann und will man auch schützen.



"Das Grundwasser ist auch ein Fenster in die Vergangenheit", meint Hahn. Viele der meist nur durchs Mikroskop sichtbaren Einzeller, Würmer und Krebstierchen, die sich im Grundwasser tummeln, stammen von seit Jahrmillionen ausgestorbenen, oberirdischen Arten ab. Obwohl schon eine große Zahl dieser für die Wissenschaft hochinteressanten Grundwassertierarten bekannt sind, betritt die Forschung laut Hahn bezüglich des Lebensraums und der zahlreichen wichtigen ökologischen Funktionen, die diese Tiere im Grundwasser übernehmen, Forschungs-Neuland. Doch gerade das Wissen darüber sei für die nachhaltige Nutzung und den Schutz des Grundwassers unentbehrlich.

Rechtlich allerdings wird das Grundwasser nach wie vor nicht als Lebensraum, sondern nur als Ressource behandelt - eine Situation, die für Wasserversorger, Fachbehörden und Naturschutz gleichermaßen unbefriedigend ist. Deshalb möchte Grundwasserökologe Hahn, gemeinsam mit seinem Münchner Kollegen Dr. Peter Rumm, erstmals Anwender und Fachleute aus der Grundwasser-Branche im südpfälzischen Landau an einen Tisch bringen. Unter dem Motto "Grundwasser - Lebensraum, Ressource, Schutzgut" findet am 14. und 15. April eine interdisziplinäre Tagung statt, getragen von neun Veranstaltern - vom Umweltbundesamt über die Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V. bis hin zur Universität Koblenz-Landau. "Unser Ziel ist es, mit der bundesweit ersten fächerübergreifenden Darstellung und Diskussion des Themas, Perspektiven zum nachhaltigen Umgang mit der Ressource und dem Lebensraum Grundwasser auszuloten", bekräftigen Hahn und Rumm.

Die Aufgabe der Forschung liegt laut Hahn klar auf der Hand: Die Wissenschaftler müssen die dazu nötigen Daten, Konzepte und Bewertungsansätze liefern. "Wir müssen erreichen, dass das Grundwasser rechtlich genauso wie das Oberflächenwasser behandelt wird - es geht also nicht nur um Qualität und Quantität, sondern vor allem auch um Ökologie." Mit dem interdisziplinären Ansatz der Tagung in Landau wollen die Organisatoren den ersten Schritt in diese Richtung unternehmen.

Kontakt:

Universität Koblenz-Landau
Arbeitsgruppe Grundwasser-Ökologie
Dr. Hans Jürgen Hahn
Fortstraße 7, D-76829 Landau
Tel.: 06341-280-211
Fax: 06341-280-367
Email: hjhahn@uni-landau.de

Bernd Hegen | idw
Weitere Informationen:
http://www.future-camp.de/grundwasser/

Weitere Berichte zu: Grundwasser Lebensraum Ressource Trinkwasserqualität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

26.06.2017 | Messenachrichten

Sind Zeitreisen physikalisch möglich?

26.06.2017 | Physik Astronomie

Auf der Suche nach Hochtechnologiemetallen in Norddeutschland

26.06.2017 | Geowissenschaften