Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rußfilter: Gesundheit für die Bürger und Konjunkturprogramm für den Mittelstand

04.04.2005


Filterhersteller und Kfz-Handwerk können Fahrzeugbestand kurzfristig schnell ausstatten

Deutsche Umwelthilfe schlägt aufkommensneutrales Förderkonzept vor.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Bund und Länder aufgerufen, die öffentliche Debatte über Feinstaubproblematik und bevorstehende Fahrverbote als Chance zur entschlossenen Förderung des Dieselrußfilters zu nutzen. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch sprach sich in Berlin für "eine bis Ende 2007 befristete aufkommensneutrale Förderung des Rußfilters für Alt- und Neufahrzeuge" aus. Danach soll die Minderung der Kfz-Steuer für Pkw mit Rußfilter nicht aus den Länderhaushalten, sondern über einen Malus für Dieselfahrzeuge ohne Filter bezahlt werden. Ausdrücklich bezog sich die DUH auf Vorschläge der NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne), die im Grundsatz auch mehrere unionsregierte Länder mittragen würden. Diese Form der Aufkommensneutralität entspreche im Übrigen der Praxis der Vergangenheit. Immer schon seien besonders abgasarme Fahrzeuge steuerlich ent- und im Gegenzug Dreckschleudern belastet worden. Resch: "Die Bevölkerung ist sensibilisiert wie nie. Wer jetzt weiter Schwarzer Peter spielt, wird spätestens bei den nächsten Wahlen verlieren".

Im Einzelnen schlägt die DUH vor, Rußfilter in Neuwagen - wie von der Bundesregierung Anfang Februar vorgeschlagen - mit 350 EUR zu fördern, wenn sie den EU-Fördergrenzwert von 5 mg/km erreichen. Die Nachrüstung von Altfahrzeugen auf diesen ambitionierten EU-Wert soll mit 600 EUR und die Nachrüstung mit "ungeregelten" Filtern mit 250 EUR gefördert werden. Resch warnte insbesondere Bundesfinanzminister Eichel, seine seit fast einem Jahr andauernden Bremsmanöver jetzt weiter fortzusetzen. Auch für Nutzfahrzeuge (Lkw, Busse, Transporter) sei die beschleunigte Einführung von Partikelfiltern dringend geboten. Dazu biete sich die Ausweitung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen und auf alle Nutzfahrzeuge ab 3,5 Tonnen an. Die Maut-Gebühr müsse sich dann stärker als bisher am Schadstoffausstoß orientieren. Auch diese Form der Filterförderung könne aufkommensneutral gestaltet werden, indem schadstoffreiche Nutzfahrzeuge entsprechend stärker belastet werden.

Die Deutsche Umwelthilfe verwies darauf, dass fast alle Autohersteller ihre Pläne zur flächendeckenden Einführung der Filtertechnik binnen weniger Tage erheblich beschleunigt hätten. Dies sei hocherfreulich und beweise nachträglich, dass schon längst hätte gehandelt werden können. Ab dem 1. Juli 2005 dürften Neuwagen nur noch mit Partikelfilter ausgeliefert werden. Dies solle serienmäßig und ohne Aufpreis geschehen. Außerdem müssten bis zur Jahresmitte Nachrüstlösungen für alle früher verkauften Diesel-Pkw bereitgestellt werden. Sollte es tatsächlich - wie verschiedentlich erwartet - bei einzelnen Herstellern Lieferprobleme bei den Filtern geben, könnten deren Neufahrzeuge entsprechend vorgerüstet ausgeliefert werden, verbunden mit einem Gutschein, der den Käufer zum kostenlosen Einbau des Filters zu einem späteren Zweitpunkt berechtigt. Ein solches Verfahren sei in den achtziger Jahren bei der Einführung des 3-Wege-Kats bereits einmal angewendet worden. Die DUH, die Bürger in Berlin, München und Stuttgart bei ihren Klagen gegen die Überschreitung der EU-Feinstaubgrenzwerte unterstützt, kündigte eine weitere Klage in Dortmund noch für diese Woche an. Mit ersten Entscheidungen im vorläufigen Rechtsschutzverfahren sei noch im April zu rechnen. Resch zeigte sich erschrocken über die dramatischen Feinstaubwerte am DaimlerChrysler-Stammsitz Stuttgart. Am dortigen "Neckartor" seien die EU-Grenzwerte in diesem Jahr bereits 44 Mal überschritten worden, der Spitzenwert habe mit 300 Mikrogramm pro Kubikmeter um das Sechsfache über dem Grenzwert gelegen.

Vor Journalisten in Berlin stellten zwei mittelständische Hersteller von Rußfilter-Systemen (HJS, Twintec) ihre Produkte vor. Sie erwarten angesichts der aktuellen Feinstaubdebatte eine Sonderkonjunktur vor allem bei der Nachrüstung von Filtern. Burkhard Eberwein, Sachgebietsleiter Omnibustechnik der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erklärte, dass von den von seinem Unternehmen betriebenen 1.300 Diesel-Bussen bereits 1.000 mit Rußfiltersystemen ausgerüstet seien. Eberwein: "Mit unseren rund 1.300 Bussen stellen wir uns unserer Verantwortung für eine lebenswerte Umwelt in Berlin". Der hauptstädtische Verkehrsbetrieb werde auch in Zukunft auf die Filtertechnologie setzen. Bundesweit sei dagegen nur jeder vierte Bus mit einem Rußfiltersystem ausgestattet. Städte und Kommunen subventionieren den ÖPNV jährlich mit vielen Millionen Euro. Statt weiter plexiverglaste Bushaltestellen einzurichten, solle darüber nachgedacht werden, Busse mit Rußfilter-Systemen auszurüsten, schlug Eberwein vor. Gegen einen Aufpreis von nur 3% könne ein Filtersystem im Neubus eingebaut werden.

Jürgen Resch | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.duh.de

Weitere Berichte zu: DUH Filtern Nachrüstung Nutzfahrzeug Rußfilter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich
24.05.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

nachricht Eisenmangel hemmt marine Mikroorganismen
19.05.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften