Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schleichende Klimaveränderung verändert alle Wälder dieser Erde

01.04.2005


Noch in diesem Jahrhundert werden die Wälder mittlerer und hoher Breiten - bedingt durch den globalen Klimawandel - an ihren traditionellen Standort an der bisherigen Zusammensetzung weiter bestehen können. Nach Ansicht von Professor Hartmut Graßl am Zentrum für Marine und Atmosphärische Wissenschaften in Hamburg wird die globale Erwärmung und die damit verbundene Verschiebung der Klimazonen dazu führen, dass manche Waldflächen verschwinden und andere durch andere Baumarten ersetzt werden müssen. Auch mitbedingt durch den inzwischen bewiesenen Einfluss des Menschen auf das Klima forderte beispielsweise der außergewöhnlich heiße Sommer 2003 in Deutschland mehr Todesopfer als deutsche Opfer der Tsunami-Katastrophe. Als Resumé seiner 40-jährigen Wissenschaftlerkarriere fordert Graßl die internationale Staatengemeinschaft auf, Klimaschutz endlich ernsthaft zu betreiben, zumal dies nach seiner Einschätzung ohne Einschränkung des Lebensstandards möglich sei.



Sogar der Prozess der raschen natürlichen Klimaänderungen in einem Jahrtausend wird durch den Einfluss den Menschen auf ein Jahrhundert und damit auf das zehnfache beschleunigt. Damit ist für bestimmte Pflanzenarten die Anpassung nicht mehr möglich, sagte Prof. Dr. Hartmut Graßl, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und langjähriger Leiter des Weltklimaforschungsprogramms anlässlich eines Festkolloquiums zu seinem 65. Geburtstag in Hamburg. Die Forstwirte stehen international vor einer sehr schweren Aufgabe, denn niemand kann derzeit sagen, welche Baumart an welchem Standort in einem halben Jahrhundert angepasst sein wird. Alleine 25% der Fläche der Bundesrepublik sind von diesen Auswirkungen der Klimaänderung betroffen, so hat die Bundesregierung den Zustand der deutschen Wälder in ihrem jüngsten Waldschadensbericht als "alarmierend" eingestuft. Nicht nur das Klima direkt, in Folge von am Ort veränderten Temperaturen und Niederschlägen, sondern auch daraus folgende Umweltveränderungen, wie Schädlingsbefall und veränderte Grundwasserpegel machen den Wäldern zu schaffen.



Die gravierenden Veränderungen in der Forstwirtschaft sind nur ein Beispiel für die globalen Auswirkungen des Klimawandels. Beispielsweise sind mehr Deutsche in Folge des außergewöhnlich heißen Sommers im Jahr 2003 gestorben, als bei der Tsunami-Flutkatastrophe im vergangenen Winter.

Die jährlichen Schäden durch "Globale Klimaänderungen" werden derzeit auf 100 Milliarden bis zu Billionen Euro geschätzt. Die Kosten für den Klimaschutz betragen nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen mit 10 bis 30% nur einen Bruchteil der sonst anfallenden Schadenssummen. Nach Ansicht von Professor Hartmut Graßl hat die Menschheit bislang fast nichts für den globalen Klimaschutz getan außer der Unterzeichnung des Kioto-Protokolls. Nach Ansicht des weltweit renommierten Klimaforschers kann nur eine "totale Reform des Energieversorgungssystems der Menschheit" die Situation verbessern: Vor allem fossile Brennstoffe würden dann mehr kosten, da die Schäden, die sie anrichten, von vorneherein im Preis enthalten waren. Dennoch ist Graßl überzeugt davon, dass diese massive Form der Ökosteuer unseren Lebensstandard nicht nachhaltig beeinträchtigen würde, weil ja andere Steuern dafür gesenkt werden müssten.

Dr. Annette Kirk | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpimet.mpg.de
http://www.zmaw.org

Weitere Berichte zu: Klimaschutz Klimawandel Klimaänderung Lebensstandard

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Mit Urzeitalgen zu gesundem Wasser: Wirtschaftliches Verfahren zur Beseitigung von EDC im Abwasser
27.04.2017 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

nachricht Plastik – nicht nur Müll
26.04.2017 | Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie