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Wissenschaftler untersuchen Rückstände des Elbe-Hochwassers

23.03.2005


Das Frühjahrshochwasser hält nicht nur die Anwohner der Elbe in Atem - auch die Forscher beschäftigt die Flutwelle. So untersuchen die Wissenschaftler des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) Schadstoffablagerungen in den Überschwemmungsgebieten. Nicht zuletzt seit der Elbe-Flut 2002 ist bekannt, dass organische Schadstoffe und Schwermetalle sowie Arsen mobilisiert, flussabwärts transportiert werden und sich in strömungsarmen Zonen ablagern. Im Extremfall kann dies bis in die Nordsee reichen. Die Ausbreitung organischer Schadstoffe nach deren Ablagerung in den Flußauen und deren Weg über den Boden ins Grundwasser ist bisher nicht vollständig aufgeklärt. Die UFZ-Wissenschaftler untersuchen nun - basierend auf den Erkenntnissen der großen Flut von 2002 - ob auch kleinere Hochwässer wie dieses Frühjahrshochwasser ähnliche Auswirkungen auf die Deichvorländer und damit auf die Landwirtschaft in diesem Bereich der mittleren Elbe haben.

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Auf den ersten Blick sieht es aus, als ob jemand seinen Fußabtreter von der Haustür genommen und auf der frühjahresgrünen Wiese an der Elbe bei Wittenberge abgelegt hätte. Doch die Spezialmatten sind akkurat ausgerichtet, mit Erdnägeln befestigt und liegen nicht zufällig hier. Für Ingo Lobe und seine Kollegen der UFZ-Gewässerforschung in Magdeburg dienen die Borsten der "Fußabtreter" als Fallen. Gefangen werden sollen die Schlämme, die das Hochwasser auf die Überflutungsgebiete bringt und die dort verbleiben, wenn die Flutwelle nach Ostern vorbei ist und das Wasser sich wieder zurückzieht. Wie beim Kaffeesatz in der Tasse lagern sich auch in strömungsarmen Gewässerbereichen die unlöslichen, feinen Partikel am Boden ab. Die Wissenschaftler nennen das Sediment. Hier vermuten sie u. a. organische Schadstoffe wie Chlorpestizide und deren Abbauprodukte. Deshalb werden Ingo Lobe und seine Kollegen die Matten nach der Flut einsammeln, den tonig-sandigen Schlamm ausspülen und auf seine Bestandteile analysieren. "Uns interessiert vor allem, wie sich die Schadstoffe verhalten und ob sie über den Boden ins Grundwasser vordringen können", erklärt Ingo Lobe das Ziel der Forschungen. "Deshalb haben wir bereits im Herbst Bodenproben in den Elbeauen genommen und werden diese mit neuen Proben nach der Flut vergleichen." Dieser Informationsgewinn ermöglicht es den Wissenschaftlern, die Gefährlichkeit der Schadstoffe, welche die Elbe bei jedem Hochwasser anspült, besser einzuschätzen.

Die Firma ELANA - eine Ausgründung aus dem UFZ - legt die Matten in Sachsen-Anhalt an der Elbe bei Wittenberge sowie an der Saale und der Mulde aus. Am tschechischen Oberlauf der Elbe übernimmt diese Arbeit die Firma Aquatest. An weiterführenden Forschungsarbeiten sind außerdem noch weitere deutsche, tschechische, britische, schweizer und niederländische Wissenschaftler beteiligt. Damit werden die im Oktober 2004 gemeinsam begonnenen Untersuchungen an den Elbe-Auen fortgesetzt. Ziel ist es, Grundlagen für ein verbessertes Hochwassermanagement zu schaffen.


Die Untersuchungen des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) sind Teil des Projektes "AquaTerra", das sich mit Schadstoffen in Sedimenten, Böden und Gewässern beschäftigt. An dem fünfjährigen Projekt sind 45 Institute aus 12 Ländern der EU, der Schweiz, Rumäniens und Serbiens beteiligt, die von der Universität Tübingen koordiniert werden. Die Europäische Union unterstützt die Forschungen mit insgesamt 13 Millionen Euro. Neben Forschungsaktivitäten an der Elbe, die Wolf von Tümpling aus dem UFZ im Rahmen von Aqua Terra leitet und koordiniert, werden auch die Einzugsgebiete der Donau, des Ebro (Spanien), der Mass (Belgien/Niederlande) und der Brévilles (Frankreich) untersucht.

Doris Böhme | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de

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