Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Kraft der Böden zur Selbstreinigung

25.07.2001


Bayerisches Verbundvorhaben zur Altlastenbewältigung mit Hilfe natürlicher Prozesse

Der Einsatz moderner Technologien ist nicht die einzige Chance, stark verschmutzte Böden von Schadstoffen zu befreien. Mit einer Vielzahl von chemisch-physikalischen und biologischen Prozessen kommt die Natur den Menschen beim Abbau von Altlasten zur Hilfe. Um mehr über diese natürlichen Reinigungsvorgänge zu erfahren, hat das Bayerische Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen 4,4 Millionen Mark für ein zweijähriges Forschungsvorhaben bereitgestellt. Vier Lehrstühle der Universität Erlangen-Nürnberg sind an den Forschungsarbeiten beteiligt; sie bearbeiten in interdisziplinären Gruppen zwei der insgesamt sechs Teilprojekte.

Unter der Federführung der Gesellschaft zur Altlastensanierung in Bayern mbH (GAB) ist im interdisziplinären Verbundvorhaben "Altlastenbewältigung unter Einbeziehung des natürlichen Reinigungsvermögens" Fachwissen aus Wissenschaft, Praxis und Verwaltung in Bayern gebündelt. Vertreter von Universitäten, Fachhochschulen, Ingenieurbüros und Behörden wollen gemeinsam die Frage klären, inwieweit verschiedene stark belastete Böden in der Lage sind, die Mobilität und Menge von Schadstoffen durch natürliche Prozesse auf ein Maß zu reduzieren, das für die menschliche Gesundheit und das Ökosystem unbedenklich ist.

An konkreten Standorten sollen praktische Erkenntnisse gewonnen und daraus praxisorientierte Handlungsempfehlungen für Planer und Behörden abgeleitet werden. Die fünf Modellflächen sind sowohl durch verschiedene Schadstoffklassen als auch unterschiedliche geologische Verhältnisse gekennzeichnet. Da biologischer Abbau, Dispersion, Verdünnung, Sorption, Verflüchtigung und/oder chemische Stabilisierung von Schadstoffen zu untersuchen sind und sehr komplexe Wirkungsgeflechte zwischen diesen Vorgängen bestehen, ist es unumgänglich, Kompetenzen auf verschiedensten Gebieten zu verzahnen.


Fachübergreifende Thematik

Die wissenschaftliche Ausrichtung der vier Lehrstühle der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die an diesem Projekt beteiligt sind, deutet an, wie breit gefächert der Themenkomplex ist: es sind die Lehrstühle für Umweltverfahrenstechnik und Recycling (Prof. Dr.-Ing. Thomas Neeße), für Angewandte Geologie (Prof. Dr. Heinz Jürgen Tobschall), für Angewandte Mathematik I (Prof. Dr. Peter Knabner) sowie für Systemsimulation (Prof. Dr. Ulrich Rüde).

Die Gruppe um Prof. Neeße und Prof. Tobschall (Teilprojekt 3) wird sich mit einer Grundwasserbelastung durch chlorierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) im Abstrom einer ehemaligen Deponie bei Lauf an der Pegnitz beschäftigen. Labor- und Felduntersuchungen sollen den Nachweis von Abbauprozessen im Grundwasser erbringen, Veränderungen der geochemischen Verhältnisse bewerten, LHKW abbauende Mikroorganismen identifizieren und die Kinetik dieses Abbaus ergründen.

Ziel ist dabei unter anderem, eine Datenbasis für die Modellierung des Schadstoffabbaus und der Schadstoffausbreitung zu schaffen, die in ein sechstes Teilprojekt einfließt. Dieses wird von Mitarbeitern der Professoren Knabner und Rüde bearbeitet und befasst sich standortübergreifend mit der mathematischen Modellierung von Transport-, Rückhalte- und Abbauprozessen mittels moderner und effizienter Verfahren. Für die numerische Simulation wird ein Prognoseinstrument entwickelt, das belastbare Risikoeinschätzungen liefern soll. Aufgrund der anspruchsvollen Struktur der Probleme - Systeme von gekoppelten, nichtlinearen partiellen Differentialgleichungen - werden auch Techniken der Höchstleistungssimulation eingebracht.

An jedem untersuchten Standort soll das Verständnis der im Untergrund ablaufenden Prozesse so vertieft werden, dass nicht nur der momentane Zustand beschrieben werden kann, sondern auch langfristige Prognosen möglich sind. Angesichts von rund 13.300 altlastverdächtigen Flächen in Bayern ist es von großer volkswirtschaftlicher Bedeutung, neben der Entwicklung von kostengünstigen und praxisorientierten Technologien zur Altlastensanierung die natürlichen Selbstreinigungskräfte der Umwelt zu nutzen. Um angemessen handeln zu können, brauchen Behörden und andere Entscheidungsträger eine zuverlässige Antwort auf die Frage: Wie groß ist das natürliche Potenzial eines Altlastenstandortes, sich selbst zu reinigen?

Kontakt:
Dipl.-Math. Alexander Prechtel, Institut für Angewandte Mathematik
Martensstraße 3, 91058 Erlangen
Tel.: 09131/85 -27013, Fax: 09131/85 -27670
E-Mail: prechtel@am.uni-erlangen.de

Heidi Kurth | idw

Weitere Berichte zu: Schadstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise