Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch Europa wird die Klimaveränderung zu spüren bekommen

23.07.2001


Die Veränderung der Häufigkeit schwerer Dürren und Hochwasser für das Jahr 2075 für ein Szenario ohne Klimaschutzmaßnahmen.


Klimaschutz jetzt vermeidet auch in Europa Umweltkatastrophen und spart Geld:
Auch Europa wird die Klimaveränderung zu spüren bekommen.
Der Klimawandel wird auch an Europa nicht spurlos vorübergehen, wie die neuesten Forschungsergebnisse des Zentrums für Umweltsystemforschung der Universität Gesamthochschule Kassel zeigen.

Kassel. Der Klimawandel wird auch an Europa nicht spurlos vorübergehen, wie die neuesten Forschungsergebnisse des Zentrums für Umweltsystemforschung der Universität Gesamthochschule Kassel zeigen. Daher sei die Vorreiterrolle, die die Europäische Union bei den derzeitigen Klimaschutzverhandlungen in Bonn spielt, kein reiner Altruismus: sondern schlicht Lebensnotwendigkeit, wie die Wissenschaftler/innen des Zentrums unter Leitung von Prof. Dr. Joseph Alcamo betonen. So belegt eine jetzt erschienene Studie des Wissenschaftszentrums in Kassel, dass aufgrund des Klimawandels in einigen Regionen Europas Jahrhunderthochwasser oder Jahrhundertdürren künftig alle 50 Jahre oder noch häufiger auftreten können.

Mit Hilfe eines globalen Wassermodells wurden die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wassersituation in Europa untersucht. Forscherinnen und Forscher des Zentrums waren unter der Leitung von Prof. J. Alcamo erstmals in der Lage die Auswirkungen des Klimawandels auf die Häufigkeit von Hochwasserereignissen und Dürren in Europa zu untersuchen. Die Ergebnisse von Modellrechnungen für das Jahr 2075 für ein Szenario mit ungebremstem CO2-Anstieg zeigen ein sehr beunruhigendes Bild für die einzelnen Regionen Europas:

Im Norden und Osten Europas kann der Klimawandel dazu führen, dass sogenannte Jahrhunderthochwasser (Hochwasser, die nur alle 100 Jahre auftreten) doppelt so oft (oder noch öfter) auftreten als bisher. Betroffen von diesen ansteigenden Hochwasserhäufigkeiten sind etwa 30 Prozent der Landfläche Europas, in denen als Folge auch die Überschwemmungsgefahr steigt.

Für weite Teile des südlichen und östlichen Europa muss dagegen mit häufigeren Trockenperioden gerechnet werden. Rund 40 Prozent der Fläche Europas sind damit von einer zunehmenden Gefahr von Dürren betroffen.

Sogar ein vermehrtes Auftreten beider Arten von Extremereignissen innerhalb einer Region oder eines Landes ist möglich, z.B. wenn es im Sommer weniger regnet, dafür aber im Winter die Niederschläge stärker werden als bisher. Eine Folge dieser Verschiebung der Niederschläge von einer Jahreszeit in die andere kann häufigere Dürren im Sommer und Überschwemmungen im Winter oder Frühjahr zur Folge haben.
Für die Berechnungen wurde das am Zentrum entwickelte globale Wassermodell WaterGap eingesetzt, dessen Ergebnisse schon erfolgreich in einer internationalen Studie der World Commission on Water for the 21st Century, finanziert von Weltbank und UN, verwendet wurden.

Reduktion von Treibhausgas hilft, Geld zu sparen

Ein weiteres Projekt des Zentrums befasste sich mit den Wechselwirkungen zwischen der Reduktion von Treibhausgasemissionen (hauptsächlich CO2) und der Emission luftverschmutzender Gase wie Schwefeldioxid (SO2). Eine umfassende Reduktion von Treibhausgasemissionen ist vor allem durch Energieeinsparungen oder eine Umstellung des Brennstoffmixes hin zu kohlenstoffärmeren Brennstoffen wie z.B. Gas statt Erdöl zu erreichen. Diese Maßnahmen wirken sich auch auf die Freisetzung sauer reagierender Gase wie z.B. SO2 aus. Die Ergebnisse unter Verwendung der neuesten Klimaszenarien zeigen nun, dass Waldökosysteme durch die Eindämmung von Treibhausgasemissionen entscheidend vor einer Versauerung geschützt werden können. D.h. die Minderung von CO2 Emissionen hat einen zweifachen Effekt; es werden nicht nur die oben geschilderten Auswirkungen des Klimawandels wie Überschwemmungen und Dürren abgemildert, sondern auch die Kosten für bereits existierende und unterzeichnete internationale Vorgaben zur Reduktion von SO2 Emissionen werden entscheidend kostengünstiger. Die Kosteneinsparungen bei der Vermeidung von SO2 Emissionen können so 50 Prozent und mehr betragen.

Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es auch für Europa ist, dass bei den Klimaverhandlungen, die gerade in Bonn stattfinden, das Kyoto-Protokoll in eine umsetzbare Form gebracht wird, so betonen Janina Onigkeit und Bernhard Lehner, die die beiden oben genannten Untersuchungen durchgeführt haben. Sie unterstreichen, dass Europa als einer der großen Treibhausgas - Emittenten nicht nur seine Emissionen reduzieren muss, sondern durchaus auch mit Auswirkungen des Klimawandels zu kämpfen haben wird.
Anmerkung für die Redaktionen: Frau Onigkeit und Herr Lehner stehen Ihnen morgen, Dienstag den 24. Juli von 9 bis 16 Uhr für Nachfragen zur Verfügung.

Kontakt:

Zum Thema Hochwasser und Dürren
Bernhard Lehner
Tel.: 0561 804 2284
E-Mail: lehner@usf.uni-kassel.de

Zum Thema Klimaschutz und Ökosystemversauerung
Janina Onigkeit
Tel.: 0561 804 3072
E-Mail: onigkeit@usf.uni-kassel.de

Ingrid Hildebrand | idw

Weitere Berichte zu: Emission Klimawandel Treibhausgasemission

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik