Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ökologisch richtig: differenzierter Winterdienst

17.02.2005


Wie Kommunen Schnee und Eis umweltfreundlich von den Straßen räumen können



Winterzeit - Schnee und Eis auf den Straßen: Wie kann eine Kommune für freie Wege sorgen und sich dabei noch umweltfreundlich verhalten? "Wir halten einen so genannten differenzierten Winterdienst für die ökologisch richtige Strategie", sagt Dr. Dietlinde Quack, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Öko-Institut e.V. in Freiburg.



Unter einem differenzierten Winterdienst versteht die Expertin:

  • Nebenstrecken sollten gar nicht geräumt oder gestreut werden ("weißer Winterdienst);

  • Auf den Hauptstrecken sollte der Schnee schon bei geringen Schneehöhen (ab 1,5 Zentimeter) zuerst gründlich geräumt werden, bevor der Winterdienst streut (Schwarzräumen);
  • Je nach Straßen- und Wettersituation sollte dann zeitnah abgestuft entschieden werden, ob Salz oder Splitt ausgebracht wird, beziehungsweise ob auf das Streuen ganz verzichtet werden kann.

So habe sich gezeigt, dass auf nicht geräumten Straßen keineswegs mehr Unfälle passieren. Grund: Die Autofahrer verhalten sich umsichtig. Durch ein verstärktes "mechanisches Schneeräumen" werde die nachfolgende Streuung mit auftauenden Salzen deutlich reduziert. Wenn der Winterdienst für die anderen Straßen konsequent Feuchtsalz verwende, lasse sich die spezifische Salzmenge zudem halbieren. Weitere Einsparmöglichkeiten ergeben sich durch verbesserte Witterungsvorhersagen und neue Dosiertechniken. Diese erfassen mit Sensoren die Temperatur, Luftfeuchte und eventuell noch vorhandenes Restsalz auf der Fahrbahn. So kann die Salzbelastung von Böden, Gewässern und Pflanzen auf ein umweltverträgliches Minimum reduziert werden.

Zu diesem Ergebnis kommt die Wissenschaftlerin auch in einer aktuellen Studie. Darin hat das Öko-Institut eine Ökobilanz der Winterdienste in den Städten München und Nürnberg aufgestellt.

Bislang ging es bei einem umweltfreundlichen Winterdienst hauptsächlich um die Frage des Streumittels: Salz oder Splitt. In dieser Studie hat das Öko-Institut aber die gesamte Umweltbelastung bewertet. Dazu gehören:

  • die Herstellung und der Transport der Streumittel,
  • das Räumen der Straßen,
  • das Ausbringen von Streumitteln,
  • Kontrollfahrten und Fahrzeugreinigung,
  • die Entsorgung der Streumittel.

Dabei berücksichtigt die Studie sowohl die direkten Umweltauswirkungen wie beispielsweise die Emissionen der Winterdienstfahrzeuge als auch die indirekten Folgen für die Umwelt, die beispielsweise bei der Herstellung der Streumittel entstehen.

Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich über zwei Winterperioden, einen durchschnittlich und einen überdurchschnittlich eingeschätzten Winter.

Um zu erfassen, welche Auswirkungen das Streuen von Salz hat, haben die WissenschaftlerInnen folgende aktuelle Daten ausgewertet: zu Baumschäden, zur Beschaffenheit des Grundwassers, zur Straßenentwässerung und zur Abfallentsorgung.

Die Ergebnisse der Studie zeigen teilweise große Unterschiede zwischen den beiden untersuchten Kommunen: So entstehen in München im durchschnittlichen Winter 50 Prozent der Umweltauswirkungen durch das Räumen des Schnees, das Ausbringen der Streumittel sowie den Betrieb der Winterdienst-Fahrzeuge. In Nürnberg entfallen 60 Prozent der Umweltauswirkungen auf die energieintensive Herstellung und den Antransport des abstumpfenden Streumittels Blähton. Im Ergebnis zeigte sich, dass abstumpfende Streumittel nicht a priori mit einem Umweltvorteil verbunden sind.

Weitere Handlungsempfehlungen für die Kommunen:

  • Energieintensiv hergestellte Streustoffe wie beispielsweise Blähton sollten nur sparsam eingesetzt werden.
  • Die eingesetzten Streumittel sollten über möglichst kurze Transportwege vom Hersteller in die Kommune herantransportiert werden.
  • Umweltverträgliche Transportmittel wie Bahn und Binnenschiff sind dabei dem Transport per Lastwagen über die Straße vorzuziehen.
  • Die Feuchtsalz-Technologie sollte konsequent eingesetzt werden.

AnsprechpartnerInnen:

Projektleiterin Dr. Dietlinde Quack
wissenschaftl. Mitarbeiterin im Bereich "Produkte & Stoffströme", Öko-Institut e.V. Freiburg
Telefon 0761/452 95 - 48, d.quack@oeko.de

Martin Möller
wissenschaftl. Mitarbeiter im Bereich "Produkte & Stoffströme", Öko-Institut e.V. Freiburg
Telefon 0761/452 95 - 56, m.moeller@oeko.de

Christiane Rathmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.oeko.de/
http://www.oeko.de/oekodoc/239/2004-027-de.pdf

Weitere Berichte zu: Salz Streumittel Umweltauswirkung Winterdienst

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Enzian oder Spitzwegerich – wer gewinnt in den Alpen, wenn es wärmer wird?
04.11.2016 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie