Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Naturparadiese durch Schnellfähren gefährdet

11.02.2005


Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD, München) und Deutsche Umwelthilfe (DUH, Radolfzell)



Walen und Delfinen droht weltweit eine neue, tödliche Gefahr. Schnellfähren, die mit enormen Geschwindigkeiten die Meere durchpflügen, verursachen in zunehmendem Maße Kollisionen mit den Meeressäugern. Jüngstes Beispiel: die Kanarischen Inseln. Die Fährverbindungen zwischen den Kanaren, einem der großen Urlaubsparadiese der Deutschen, werden mit sogenannten High-Speed-Fähren weiter ausgebaut. Erst kürzlich wurde die Insel La Palma an das Schnellfährennetz angeschlossen, nun sollen die Touristen auch über die Linie Teneriffa-El Hierro noch schneller an ihr Ziel gebracht werden. Zudem wird ab Mai diesen Jahres die Verbindung Teneriffa-Gomera erweitert: Bald soll ein neuer, über 100 Meter langer Trimaran zwischen La Palma, Teneriffa und La Gomera verkehren. Die Schnellfähren durchqueren mit Geschwindigkeiten von bis zu 75 km/h Gebiete, die für viele Populationen von Walen und Delfinen eine existentielle Bedeutung haben. Diese Gewässer sind von so hohem Wert, dass sie von der Europäischen Union als schützenswert eingestuft wurden. Vor Teneriffa ist gar eine bereits ausgewiesene Schutzzone direkt betroffen.



Die Gewässer der Kanarischen Inseln beherbergen eine außerordentliche Vielfalt an Walen und Delfinen. Die teilweise seltenen Arten sind durch den enorm ansteigenden Schnellfährverkehr in akuter Gefahr, weil die Routen durch ihre Lebensräume verlaufen und die Tiere den herannahenden Schiffen nicht rechtzeitig ausweichen können. "Es hat in der Vergangenheit auf den bestehenden Fährlinien immer wieder Kollisionen mit Walen gegeben, die in der Regel für die Tiere tödlich sind. Die Dunkelziffer ist hoch, Schätzungen gehen jedoch von mindestens 20 getöteten Walen pro Jahr allein im Gebiet der Kanaren aus", so der Verhaltensbiologe Fabian Ritter vom Berliner M.E.E.R. e.V., der dort seit Jahren die Wale und Delfine erforscht. Ein erhöhtes Verkehrsaufkommen auf diesen Routen kann das Ökosystem nicht ohne weiteres verkraften und hat Folgen für die Tierwelt. Die Kollisionsgefahr, die von den Fähren ausgeht, gesellt sich dabei zu bereits vorhandenen Belastungen wie Meeresverschmutzung, Überfischung und Lärmbelästigung, unter denen die Tiere zu leiden haben" so Ritter weiter. Die Umweltbehörden sind indes machtlos, da der Schutz der Meereswelt vordergründig als dem Tourismus zuwiderlaufend wahrgenommen wird und diesem als wichtigsten Wirtschaftsfaktor Priorität eingeräumt wird.

Schnellfähren sind nicht nur auf den Kanaren ein wachsendes Problem. Weltweit werden immer schnellere Fähren gebaut und neue Fährverbindungen eingerichtet. Es gibt Pläne für neue Schnellfähren, die Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h erreichen können - mit noch größerem Fassungsvermögen für Autos und Passagiere. Die Natur bleibt im wahrsten Sinne auf der Strecke. "Da können ernsthafte Auswirkungen nicht ausbleiben", so Ritter. In der Wissenschaft wird das Thema bereits diskutiert. Touristen wissen aber in den seltensten Fällen von der Gefahr, die von den Fähren ausgeht. "Und es geht nicht nur um die Wale und Delfine. Alle Lebewesen nahe der Meeresoberfläche, sind in Gefahr: Haie, Meeresschildkröten, sogar Meeresvögel. Deshalb tut Aufklärung dringend Not, damit gut informierte und verantwortungsvolle Touristen Ihre Entscheidung bewusst für langsamere Schiffe treffen können", sagt Jörg-Dürr Pucher von der Deutschen Umwelthilfe. Er fordert, innerhalb von Schutzgebieten keine Schnellfähren zuzulassen. Eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h kann das Risiko von Kollisionen deutlich reduzieren, da wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt haben, dass ab einer höheren Geschwindigkeit die Zahl der Zusammenstöße deutlich ansteigt.

| presseportal
Weitere Informationen:
http://www.delphinschutz.de
http://www.m-e-e-r.de

Weitere Berichte zu: Delfin Fähren Kanaren Kollision Schnellfähren Wal

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe

06.12.2016 | Geowissenschaften

Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs

06.12.2016 | Medizin Gesundheit

Bioabbaubare Polymer-Beschichtung für Implantate

06.12.2016 | Materialwissenschaften