Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwangspfand würde zu hohen Kosten führen, ohne der Umwelt zu nutzen / Konsenslösung in Sicht

11.07.2001


Eine ökologisch und ökonomisch tragfähige Reform der Getränkevorschriften ist aus Sicht der Bundesvereinigung Deutscher Handelsverbände (BDH) und der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) zum Greifen nah. Es zeichnet sich eine parteiübergreifende Einigung mit den Ländern ab, für die Handel und Industrie zu einer weitreichenden Verpflichtung bereit sind. Kern ist die Zusage des Handels, durch aktive Listungs- und Marketingmaßnahmen den Bestand von ökologisch vorteilhaften Getränkeverpackungen einschließlich Mehrweg dauerhaft auf dem heutigen hohen Niveau zu sichern. Insbesondere für die mittelständischen und regional tätigen Getränkehersteller bedeutet dies praktisch eine Absatzgarantie. Die von den Ländern in den Bundesrat eingebrachten Mindest-Abfüllmengen stellen hierzu eine akzeptierbare Grundlage dar. Zugleich wollen Handel und Industrie gemeinsam mit den Kommunen für jährlich 250 Millionen Mark ein Programm zur Sauberhaltung des öffentlichen Raums durchführen. Dabei sollen je nach lokalem Bedarf beispielsweise Maßnahmen zur Verbesserung der Einsammlung von Verpackungen und der Verbraucherinformation unterstützt werden. Für den Fall, dass die Ziele nicht erreicht werden sollten, wird der Handel unbeschadet weitergehender staatlicher Sanktionen für die Zahlung einer Vertragsstrafe bis zu 500 Millionen Mark einstehen. Davon sollen im Einvernehmen mit den Ländern Maßnahmen zur Stützung von ökologisch vorteilhaften Verpackungen einschließlich Mehrweg sowie zur weiteren Verminderung der Umweltauswirkungen von Verpackungen durchgeführt werden. Als Rechtsträger für sämtliche Verpflichtungen wird eine ’Stiftung zur Förderung des ökologischen Fortschritts bei Getränkeverpackungen’ eingerichtet, die durch Spenden und Beiträge der Wirtschaft gespeist wird. Um Zahlungsfähigkeit und Bonität der Stiftung von Anfang an zu gewährleisten, werden einzelne Unternehmen eine Patronatserklärung (Bürgschaft) abgeben.

Dieses innovative Modell einer durch öffentlich-rechtlichen Vertrag zusätzlich abgesicherten Selbstverpflichtung wird die Unternehmen in den kommenden Jahren zwar fordern, aber im Unterschied zu einem Zwangspfand greifbare Verbesserungen für den Umweltschutz bewirken. Bei einem Zwangspfand müsste dagegen mit Milliardenaufwand ein kompliziertes neues Rücknahmesystem aufgebaut werden, das nur bei einem starken Anstieg der Einwegverpackungen wirtschaftlich vertretbar betrieben werden könnte. Die Kosten für den Aufbau des Zwangspfandsystems müssten durch eine spürbare Erhöhung der Preise sämtlicher Getränke zu Lasten der Verbraucher aufgebracht werden. Vor diesem Hintergrund ist aus Sicht von BDH und BVE entlarvend, dass an einem Zwangspfand finanziell interessierte Gruppen die Zusagen der Wirtschaft als nicht ausreichend kritisieren, selbst aber keinerlei Schutzziele für ökologisch vorteilhafte Verpackungen und für Mehrweg garantieren können und wollen. Vielmehr wird im Entwurf der Zwangspfandverordnung das Umweltziel bei Getränkeverpackungen abgeschafft und die Bepfandung zum Selbstzweck erhoben. Wenn sich dies in einigen Jahren allgemein als Irrweg erweist, würden zehntausende von Pfandautomaten als Investitionsruine zurückbleiben. Daher ist es Zeit, dass der Bundesrat mit einem möglichst kraftvollen Konsens den Streit beendet und den Weg zu modernem Umweltschutz bei Getränkeverpackungen frei macht.

Bernd-Ulrich Sieberger (BVE) | ots

Weitere Berichte zu: BDH Getränkeverpackung Mehrweg Zwangspfand

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Versauerung: Wie der Klimawandel die Süßgewässer belastet
12.01.2018 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Tote Bäume haben zahlreiche und treue Begleiter
10.01.2018 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Projekt "HorseVetMed": Forscher entwickeln innovatives Sensorsystem zur Tierdiagnostik

17.01.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt

17.01.2018 | Physik Astronomie

Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

17.01.2018 | Physik Astronomie