Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tropische Regenwälder: Gefährung durch zunehmende Luftverunreinigung

26.01.2005


Bergregenwald in Panama, wo die Nachwuchsforschergruppe ihre Experimente durchführen wird. Foto: Dr. James Dalling


Robert Bosch Sfitung fördert Forschungsarbeiten zu den Folgen erhöhter Stickstoffzufuhr


Tropische Regenwälder sind nicht nur durch Abholzung, Brand und Raubbau, sondern auch durch Luftverunreinigungen gefährdet. Wie dabei der Wald auf eine erhöhte Zufuhr von Stickstoff reagiert, ist bislang vollkommen unbekannt und soll nun von einer Nachwuchsforschergruppe an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Georg-August-Universität untersucht werden: Das Team junger Forscher unter Leitung der philippinischen Bodenwissenschaftlerin Dr. Marife D. Corre wird dazu Experimente im Tieflandregenwald und im Bergregenwald von Panama durchführen. Für die auf zunächst drei Jahre angelegten Forschungsarbeiten am Göttinger Institut für Bodenkunde und Waldernährung stellt die Robert Bosch Stiftung Fördermittel in Höhe von 600.000 Euro zur Verfügung. Eine Verlängerung der Förderung um zwei Jahre ist möglich.

Tropische Regenwälder gelten als eindrucksvolle Beispiele intakter Natur mit nicht zu überschätzender Bedeutung für die biologische Vielfalt und den Stoffhaushalt der Erde. Eine bislang kaum beachtete Gefahr für diese Ökosysteme stellen Luftverunreinigungen dar. "Irrtümlich ging man davon aus, dass derartige Verschmutzungen nur ein Problem der Industrieländer darstellen, denn die Phänomene wurden bisher nur hier beobachtet und untersucht", sagt Dr. Corre. "Im Zuge der Bevölkerungszunahme in den Tropen und des damit verbundenen raschen Wachstums von Städten und Industriezentren, der Zunahme des Verkehrs sowie der Intensivierung der Landwirtschaft sind es insbesondere Stickstoffverbindungen, die freigesetzt und als ungezielte Düngung die Strukturen und Funktionen der Regenwalder verändern - und dies auf immer größeren Flächen."


In dem Forschungsprojekt von Dr. Corre geht es dabei nicht nur um die Frage, wie die riesigen Bäume auf dieses zusätzliches Stickstoffangebot reagieren; die Wissenschaftlerin wird zugleich untersuchen, wie groß die Speicherkapazität dieser Ökosysteme für Stickstoff ist. Dr. Corre: "Die Kenntnis der Aufnahmekapazität ist sehr wichtig, da deren Überschreitung negative Folgen für die Wasserqualität und die Freisetzung von Treibhausgasen wie Lachgas und Kohlendioxid hat. Viele Großstädte in tropischen Ländern erhalten ihr Trinkwasser aus Bergregenwäldern, die bis jetzt Wasser von hoher Qualität geliefert haben." In ihrem Projekt wird Dr. Corre mit Forschern aus Panama, Deutschland und den USA am renommierten Smithsonian Tropical Research Institute zusammenarbeiten.
Marife D. Corre ist in dem kleinen Ort Alicia auf der Insel Bohol in den Philippinen aufgewachsen. Nach dem Bachelor-Abschluss an der Leyte State University und einigen Jahren Tätigkeit als Beraterin für landwirtschaftliche und forstliche Projekte in abgelegenen Dörfern ihrer Heimat hat sie sich erfolgreich auf ein Stipendium der Universität Gent in Belgien beworben. Dort absolvierte sie mit Auszeichnung das Studium der Bodenkunde und wurde dann in einem Forschungsprojekt über Treibhausgasemissionen aus Böden in Saskatchewan (Kanada) promoviert. Nach zwei Jahren Forschungstätigkeit beim US Department of Agriculture in Pennsylvania kam Dr. Corre 1999 mit einem Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung an das Institut für Bodenkunde und Waldernährung der Universität Göttingen. Hier konzentrierten sich ihre Forschungsarbeiten auf die Folgen hoher Stickstoffdepositionen in deutschen Wäldern. Diese Erfahrungen wird sie in den kommenden fünf Jahren einsetzen, wenn sie die Stickstoffeinträge in tropischen Wälder erforschen wird.

Kontaktadresse:
Dr. Marife D. Corre
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Institut für Bodenkunde und Waldernährung
Büsgenweg 2, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-9843, Fax (0551) 39-3310
e-mail: mcorre@gwdg.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.gwdg.de/~ibw

Weitere Berichte zu: Bodenkunde Luftverunreinigung Regenwald biologische Vielfalt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops