Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Politik muss Verlust der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft stoppen

13.01.2005


Öko-Institut untersuchte rechtlichen und politischen Hintergrund / Umfassende Analyse jetzt veröffentlicht


Nur noch zwölf Pflanzenarten und fünf Nutztierarten bilden die Grundlage unserer Ernährung. 99,6 Prozent der Kulturpflanzen bleiben hingegen ungenutzt und rund 2000 Nutztierrassen sind derzeit vom Aussterben bedroht. Das wissenschaftliche Verbundprojekt "Agrobiodiversität entwickeln!" untersuchte die Ursachen und Folgen, die der Verlust der Artenvielfalt im Bereich der Landwirtschaft mit sich bringt. "Die gesetzlichen Regelungen und Bestimmungen haben nicht zum Erhalt der Rassen- und Sortenvielfalt beigetragen", sagt Miriam Dross, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich Umweltrecht des Öko-Instituts e.V. Die ExpertInnen des Institutes haben sich in dem Projekt mit den rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen beschäftigt. Jetzt liegt der Projektbericht vor und zugleich sind die Ergebnisse der Forschungsarbeit in einer Broschüre veröffentlicht worden.

Die wichtigste Ursache für den Verlust von Agrobiodiversität ist die moderne "Hochleistungs-Landwirtschaft", die vor allem auf einen kurzfristigen Ertrag ausgerichtet ist. Die Risiken dieser industrieller Agrarproduktion werden hingegen nicht ausreichend berücksichtigt: Wenn nur wenige Sorten und Rassen die landwirtschaftliche Nutzung dominieren, werden unter anderem die genetischen Grundlagen für die Züchtung zerstört. "Damit gehen zukünftige Optionen für die Ernährungssicherung verloren. Die verschiedenen Möglichkeiten sind jedoch notwendig, um den sich wandelnden Umweltbedingungen und Bedürfnissen gerecht zu werden", gibt Ruth Brauner, Biologin im Forschungsbereich "Biodiversität, Ernährung & Landwirtschaft" zu bedenken. Lebensmittelverarbeitung und Handel, die sich auf immer weniger Unternehmen konzentrieren und gängige Abnahmepraktiken fördern ebenfalls die Standardisierung in der Landwirtschaft. Und damit die Monotonie auf Feldern und Weiden, so ein weiteres Ergebnis der Studie.


Auch die bestehende Gesetzgebung und Förderpraxis leisten einförmigen Zuchtzielen und einer starken Ertrags- und Leistungsorientierung Vorschub, die sich nachteilig auf die landwirtschaftliche Vielfalt auswirken. Zwar ist die Förderung der Diversität zumindest im Tierzuchtgesetz als Ziel genannt, es fehlt aber an wirksamen Politikinstrumenten, dieses Ziel auch umzusetzen. "Bisher gibt es kaum politische Instrumente, um den Verlust der Agrobiodiversität zu verhindern und die landwirtschaftliche Vielfalt aktiv zu entwickeln", sagt die Juristin Miriam Dross. Erste Ansätze finden sich in den Fachprogrammen zum Erhalt pflanzen- und tiergenetischer Ressourcen, die 2005 nun endlich auch durch ein Förderprogramm unterlegt werden sollen. "Die EU hat sich verpflichtet, den Verlust von Biodiversität bis 2010 zu stoppen - dies schließt die landwirtschaftliche Biodiversität ein. Die Agrarwende muss hierzu aktiv beitragen", fordert Franziska Wolff, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Öko-Instituts. Ein wichtiger Schritt auf politischer Ebene wäre es, Vorsorge- und Verursacherprinzip auch im Bereich der Tier- und Pflanzenzucht zu stärken. Als anerkannter Grundsatz der deutschen Umweltpolitik fordert das Vorsorgeprinzip ein vorbeugendes Handeln vor allem dann, wenn wissenschaftliche Unsicherheiten bestehen und nicht umkehrbare Folgen zu befürchten sind - wie es im Bereich der Agrobiodiversität der Fall ist.

Weitere Handlungsstrategien für mehr Vielfalt sind im Einzelnen in der Broschüre "Agrobiodiversität" zusammengefasst. Das Projekt "Agrobiodiversität entwickeln!" wurde durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Förderschwerpunkt "Sozial-ökologische Forschung" gefördert. Das Projektteam bestand aus dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), dem Öko-Institut e.V., der Schweisfurth-Stiftung, dem Landesumweltamt Brandenburg, dem Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und der Projektkoordination Tiergesundheit und Agrobiodiversität.
Das Projekt "Agrobiodiversität entwicklen!" gehört dem Kompetenznetzwerk Agrar- und Ernährungsforschung an (http://www.regionalerwohlstand.de/core/index.php?lang=de&id=2129)

Der Projektbericht und die Broschüre können unter www.agrobiodiversitaet.net kostenlos heruntergeladen werden.

Ansprechpartner Innen:

Projektleitung, ökonomische Dimension und Öffentlichkeitsarbeit:
Ulrich Petschow, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung gGmbH (IÖW) Berlin
Tel. 030/884594-23, Fax 030/8825439, E-Mail: ulrich.petschow@ioew.de; http://www.ioew.de

Rechtlichinstitutionelle Dimension:
Miriam Dross, Öko-Institut e.V. Berlin
Tel. 030/28 04 86 60; Fax 030/28 04 86 88, E-Mail: m.dross@oeko.de

Projektpartner:

Tierzüchterische Dimension und Gender:
Dr. Anita Idel
Projektkoordination Tiergesundheit & Agrobiodiversität
Monumentenstr. 3, 10829 Berlin
Tel. 030-70509501; E-Mail: Anita.Idel@t-online.de

Schweisfurth-Stiftung
Dr.a. Maite Mathes
Südliches Schlossrondell 1, 80638 München
Tel. 089-17 95 95 10; Fax: 089-17 95 95 19
E-Mail: gottwald@schweisfurth.de

Pflanzenzüchterische Dimension:
Landesumweltamt Brandenburg, Abt. Raumentwicklung/Großschutzgebiete
Rudolf Vögel
Tramper Chaussee 2, 16225 Eberswalde
Tel. 03334-66-2721, Fax 03334-66-2650; E-Mail: rudi.voegel@lua.brandenburg.de

Politikwissenschaftliche Dimension:
Dr. Markus Wissen
Freie Universität Berlin - Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Ihnestr. 22, 14195 Berlin
Tel. 030-838-54965, Fax 030-838-54066; E-Mail: wissen@zedat.fu-berlin.de

Christiane Rathmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.schweisfurth.de
http://www.grossschutzgebiete.brandenburg.de

Weitere Berichte zu: Agrobiodiversität Forschungsbereich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften