Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftler bestätigen erhöhte Blutkrebsrate in La Hague

28.06.2001


Zunahme von Leukämie bei Kindern - Sellafield will Einleitungen ausweiten

Eine neue Studie französischer Wissenschaftler belegt, dass Kinder aus der Umgebung der sogenannten Wiederaufarbeitungsanlage La Hague deutlich häufiger an Blutkrebs (Leukämie) erkranken als in anderen Regionen. Deutsche Stromkonzerne sind die Hauptkunden der Atomanlage, in der aus abgebrannten Brennelementen Plutonium abgespalten wird. Zugleich wurden Greenpeace Dokumente zugespielt, aus denen hervorgeht, dass die Betreiber der zweiten "Wiederaufarbeitungsanlage" in Europa im britischen Sellafield künftig noch stärker verseuchte Abwässer und Abgase in die Umwelt einleiten wollen als bisher.

Aus der Studie von Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultät Paris-Sud ergibt sich, dass die Blutkrebsrate unter Kindern bis zu 10 Jahren im 10-Kilometer-Umkreis um die "Wiederaufarbeitungsanlage" signifikant dreifach höher ist als in anderen Regionen Frankreichs. Bei den Fünf- bis Neunjährigen ist das Leukämie-Risiko sogar um das Sechsfache erhöht. Damit werden Forschungsergebnisse von Epidemologen der Universität Besancon bestätigt, die schon in den neunziger Jahren auf ein erhöhtes Blutkrebsrisiko in La Hague hingewiesen hatten.

"Die Strahlung von Atomanlagen, in denen deutscher Atommüll verarbeitet wird, ist höchstwahrscheinlich dafür verantwortlich, dass Kinder an Blutkrebs erkranken", sagt Veit Bürger, Energie-Experte bei Greenpeace. "Trotzdem dürfen die Stromkonzerne mit Genehmigung der Bundesregierung noch vier Jahre lang immer weiter Atommüll nach Frankreich und England schicken. Und dieser Müll darf dann nach 2005 noch auf unbestimmte Zeit weiterverarbeitet werden. Bundesregierung und Stromkonzerne nehmen damit die Krebserkrankungen der dort lebenden Kinder und Erwachsenen billigend in Kauf. Das ist eine Ungeheuerlichkeit."

Die internen Sellafield-Dokumente listen auf, welche Mengen an radioaktiven Substanzen das britische Atomunternehmen BNFL in den nächsten Jahren in die Umwelt einleiten will. Demnach werden die Einleitungen ins Meer und in die Luft im Vergleich zu 1998 drastisch steigen. Bei einer Vielzahl von radioaktiven Nukliden, zum Beispiel dem hochgiftigen Plutonium-241, soll sogar ein Überschreiten der Grenzwerte in Kauf genommen werden. BNFL bricht damit eine Vereinbarung der Umweltminister der Nordost-Atlantik-Anrainerstaaten (OSPAR) von 1998, die beschlossen hatten, die Einleitung radioaktiv verseuchter Abwässer drastisch zu senken.

Deutsche Atomfirmen wie Eon, RWE und EnBW zählen zu den Hauptkunden beider Atomanlagen. Allein für dieses Jahr liegen Transport-Genehmigungen für 56 Atommüllbehälter nach La Hague und Sellafield vor. Bürger: "Ob in Frankreich oder England, die sogenannte Wiederaufarbeitung ist ein schmutziges Geschäft. Deutschland muss endlich aufhören, da mitzumischen. Es darf kein weiteres Gramm Atommüll mehr ins Ausland geschafft werden."

Veit Bürger | ots
Weitere Informationen:
http://www.greenpeace.de

Weitere Berichte zu: Atommüll

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops