Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kunststoffrecycling: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen

22.06.2001


Elektronikschrott ©Fraunhofer IVV


Handys, PCs, HiFi-Anlagen: heute brandneu - morgen schon im Müll. Dabei enthält Elektronikschrott wertvolle Rohstoffe. Einziges Problem: Die Wertstoffe liegen nicht sortenrein vor und sind zum Teil mit gefährlichen Giftstoffen vermischt. Fraunhofer-Forscher entwickeln ein neues Verfahren, das diese Stoffe abtrennt und die Kunststoffanteile in hochwertige Rohstoffe umwandelt.

Die rasante Entwicklung der Unterhaltungselektronik, der Datenverarbeitung und der Telekommunikation erzeugt eine stetig wachsende Menge an Elektronikschrott. Allein in Deutschland fallen davon jährlich ca. 1,8 Mio Tonnen an. Auf Eisenbahnwaggons verladen ergibt das eine Schlange von 2 000 Kilometern - ein Güterzug von München bis Madrid. Dieser Abfall enthält zu ca. 20 Prozent Kunststoffe, die zum Wegwerfen zu schade, zum Wiederverwenden zu gefährlich sind. Denn flammgeschützte Kunststoffe im Elektronikschrott enthalten teilweise giftige Dioxine und Furane. Jedes Jahr werden deshalb riesige Kunststoffmengen aus Elektronikschrott nicht in den Rohstoffkreis zurückgeholt, sondern in Müllverbrennungsanlagen oder auf Abfalldeponien entsorgt.

Das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Freising entwickelt derzeit ein neues Verfahren, mit dem auch flammgeschützte Kunststoffe recycelt werden können. Dazu müssen die Dioxine und Furane, aber auch einige Flammschutzmittel - insbesondere bromierte Diphenylether (PBDE) und bromierte Biphenyle (PBB) - aus dem Kunststoff herausgelöst und entsorgt werden. Zurück bleiben Rohstoffe, die nahezu die Qualität von Neuware erreichen.

»Die Basis des neuen Verfahrens bilden selektive Extraktion und Fällung«, erklärt Thomas Luck vom Fraunhofer IVV. »Zuerst suchen wir ein Lösemittel, das nur den Zielkunststoff löst.« Die Wissenschaftler filtern die gewonnene Kunststofflösung und entfernen so unerwünschte Fremdkunststoffe und Verschmutzungen. Diese Lösung enthält allerdings noch die Flammschutzmittel und die giftigen Dioxine und Furane. »In einem zweiten Schritt«, so Luck weiter, »wird der Kunststoff gezielt ausgefällt - ein Phänomen, das vielen Menschen vom Kochen bekannt ist: Die Soße ist fast fertig, nur noch einen Spritzer Zitronensaft - und plötzlich flockt das Eiweiß aus.« Diesen chemischen Vorgang nutzen die Forscher. Durch die Wahl des Fällmittels steuern sie, welche Stoffe zusammen mit dem Kunststoff ausfallen und welche in der Lösung bleiben. So kann der gewünschte Kunststoff zurückgewonnen werden. Die giftigen Substanzen bleiben in der Lösung und werden entsorgt.

Zum Recycling von PVC werden diese beiden Methoden bereits mit Erfolg eingesetzt. Damit die Recyclingfirmen die Qualität ihrer Produkte kontrollieren können, entwickeln die Fraunhofer-Forscher parallel ein Qualitätssicherungssystem. Potentielle Kunden können die Eigenschaften von Neu- und Recyclingware vergleichen und sich überzeugen, dass die rezyklierten Kunststoffe den Anforderungen der Chemikalienverbotsordnung (ChemVV) entsprechen.

Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Thomas Luck
Telefon: 0 81 61/4 91-6 50, Fax 0 81 61/4 91-6 78, luck@izk.fhg.de
Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV
Giggenhauser Str. 35
85354 Freising

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw
Weitere Informationen:
http://www.ivv.fhg.de/load.html?/mainframes/germany/press/presse_elektroschrott.html
http://www.fraunhofer.de/german/press/pi/index.html

Weitere Berichte zu: Dioxin Rohstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Nachhaltige Wasseraufbereitung löst Algenprobleme
26.10.2017 | SCHOTT AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte