Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Küstenschutzbauten zur Wahrung der Meeresflora und -fauna

07.12.2004


Wellenbrecher verlangsamen zwar die Küstenerosion, sie gefährden aber auch das ausgewogene Gleichgewicht zwischen den lokalen Meereslebewesen und ihrer Umwelt. Die Marine Biological Association in Großbritannien hat verschiedene klar formulierte Konstruktionsempfehlungen entwickelt, welche die marine Artenvielfalt eher fördern als hemmen.



Die Anzahl und die Arten der Meeresorganismen, die in einem bestimmten Bereich einer Felsenküste leben, sind abhängig von den geografischen, physikalischen und biologischen Merkmalen der Region. Das gilt auch für Unterwasserstrukturen (Low Crested Structures - LCS), die mit felsigen Küsten viel gemeinsam haben, obwohl sie von Menschenhand und allein zum Schutz der Küste errichtet wurden.



Auch wenn die mit LCS verbundene biologische Diversität oder Artenvielfalt bis zu einem gewissen Grad vorherbestimmt ist, haben die Forscher der Marine Biological Association gelernt, wie sie jede Situation optimal nutzen können. Insbesondere haben sie verschiedene universelle Maßnahmen zur Maximierung der LCS-Artenvielfalt entdeckt.

So fördert beispielsweise die Einbeziehung unregelmäßiger Oberflächeneigenschaften die Kolonisation verschiedener Epibionten. Wenn sich eine solche Spezies einmal niedergelassen hat, werden in der Nahrungskette höher angesiedelte Räuber angelockt, die dann diese Region besiedeln. Die Forscher entdeckten noch weitere solcher Vorgänge, bei denen ein anfängliches Konstruktionsmerkmal über den Domino-Effekt zu einer Anreicherung der marinen Lebensgemeinschaft in den LCS führt. So fand man beispielsweise heraus, dass weiche karbonathaltige Baumaterialien ebenfalls die schnelle Besiedlung begünstigen.

Nachdem ein Lebensraum entstanden ist, tragen weitere Faktoren dazu bei, die Überlebenschancen gegenüber externen Kräften zu stärken. Die stabile Befestigung von LCS und zusätzliche Bermen verhindern einen Rückgang der Epibionten bei starkem Seegang bzw. durch Auskolkungen und mindern ebenso die Gefahr der Ablösung während der Fortpflanzung. Die angemessene Positionierung von LCS in Regionen mit starken Gezeiten bietet den Meereslebewesen bei Ebbe einen Schutzort, an dem sie nicht entdeckt werden.

Neben der Steigerung der Artenvielfalt birgt die Beachtung dieser Empfehlungen für die jeweiligen Regionen weitere Vorteile, die in erster Linie wirtschaftlich sind. Eine angemessene Artenvielfalt gewährleistet, dass dieses Gebiet weiterhin Besucher anzieht. Ebenso sind viele Freizeitaktivitäten von einer gesunden, nachhaltigen Meeresumgebung abhängig. Diese Besucher kurbeln den Tourismus und somit die lokale Wirtschaft an.

In Anbetracht der neuesten Tendenzen mit Hinblick auf Überflutung und Küstenerosion wurden LCS zu einem notwendigen Übel. Forschungsarbeiten wie diese stellen aber sicher, dass LCS auf intelligente Weise konstruiert werden, damit sie den marinen Lebensraum und gleichzeitig den Küstenstreifen schützen.

Ergänzende Arbeiten durch Partner der Marine Biological Association in ganz Europa vom Mittelmeer bis zur Nordsee bestätigten die breite Anwendbarkeit dieser LCS-Konstruktionsrichtlinien. Im Rahmen einer weit reichenden Veröffentlichung sollen die erworbenen Kenntnisse an die gewünschte Zielgruppe weitergegeben werden von Unternehmen, die LCS konstruieren und bauen, über öffentliche Behörden bis hin zur akademischen Welt.

Dr. Paula Moschella | ctm
Weitere Informationen:
http://www.mba.ac.uk/

Weitere Berichte zu: Artenvielfalt Epibionten Küstenschutzbauten LCS Meereslebewesen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wie gefährlich ist Reifenabrieb?
19.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Verbreitung von Fischeiern durch Wasservögel – nur ein Mythos?
19.02.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics