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Naturmedizin boomt auf Kosten der Natur

02.12.2004


Umweltorganisationen warnen vor massiver Artenbedrohung


Steigendes Interesse an Naturmedizin bringt Pflanzen und Tiere zum Teil nahe an den Abgrund des Aussterbens: Eine nun veröffentlichte Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN) macht es deutlich. Etwa 4.000 Heilpflanzenarten sind in ihrem Bestand gefährdet. Die Gründe dafür liegen im steigenden Verbrauch und der nicht nachhaltigen Ernte. Mehr als 400.000 Tonnen Heilpflanzen-Rohware im Wert von mehr als 1,4 Mrd. Dollar gelangen jährlich in den internationalen Handel, berichtet die Umweltorganisation WWF vom Treffen der IUCN in Bangkok.

Seit Jahrtausenden werden Pflanzen als Heilmittel verwendet. Etwa 50.000 Pflanzenarten, einige Tausend Tierarten und Hunderte von Pilz- und Bakterienarten liefern heute einem Großteil der Menschheit wichtige Substanzen für die Gesundheitsversorgung. Phytopharmaka werden nicht mehr nur traditionell genutzt, sondern auch in der Schulmedizin verwendet. Die Nachfrage wächst weltweit rasant an. Die Folgen für die Umwelt sind allerdings weniger positiv, denn immer mehr Wildpflanzenarten werden übermäßig und unkontrolliert geerntet und gehandelt. Zahlreiche Tierarten werden durch eine starke Nachfrage seitens der Medizin rücksichtslos und in großem Stil gejagt.


Zu den Ursachen der Gefährdung zählen vor allem der Verlust des Lebensraums, Bestandsübernutzung und der internationale Handel. Frühlingsadonisröschen und Ginseng sind nur einige Beispiele für durch Übernutzung und Handel akut gefährdete Heilpflanzen. Etwa 80 Prozent der weltweit für medizinische Zwecke verwendeten Pflanzenarten stammen aus Wildsammlung. Auch bei den für medizinische Zwecke genutzten Tierarten sieht es nicht besser aus: Tiger, Nashörner, Seepferdchen sind nur einige Beispiele für extrem bedrohte Spezies. Auch hier bilden Lebensraumveränderungen und Überjagung die Hauptursachen für den Populationsabfall.

TRAFFIC ist das weltweit größte Programm zur Untersuchung, Überwachung und Dokumentation des Handels mit wildlebenden Tier- und Pflanzenarten. Seit 1976 unterstützt das Programm die Aufgaben des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES. TRAFFIC versucht gemeinsam mit dem WWF gegen diese Trends zu steuern, indem sie Druck auf die am Handel beteiligten Länder und Handelspartner ausüben und Strategien für eine nachhaltige Wildnutzung entwickeln, die sowohl der Natur helfen als auch den meist einkommensschwachen Sammlern eine Lebensgrundlage bieten. Gleichzeitig wird aber auch auf gezielte Aufklärung der Anwender und Nutzer und damit einhergehende Verhaltensänderungen gesetzt.

Mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 45.000 Tonnen Heilpflanzen pro Jahr ist Deutschland im europäischen Vergleich Spitzenreiter. Weltweit steht Deutschland sowohl beim Import als auch beim Export an vierter Stelle.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.wwf.de
http://www.traffic.org
http://www.cites.org

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