Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Symbolpflanze der Grünen wird patentiert - spanische Behörde erhält Patent auf Sonnenblumen

22.11.2004


Wenige Wochen vor der Umsetzung der umstrittenen EU-Biopatent- Richlinie in deutsches Recht hat Greenpeace erneut eine weit reichendes Patent auf Saatgut aufgedeckt.

Das Patent auf Sonnenblumen, die einen verbesserten Ölgehalt haben, hat die spanische Behörde Consejo Superior de Investigaciones Cientificas im September 2004 vom Europäischen Patentamt (EPA) erhalten. Das Patent (EP 1185 161) erstreckt sich auf jede Variante dieser Sonnenblume, unabhängig davon, ob sie aus normaler Züchtung stammt, aufgrund von Mutationen oder durch den Einsatz von Gentechnik entstanden ist. Patentiert wurden die Pflanze, das Saatgut, sowie das Öl zum Backen, Rösten und Kochen, als Bestandteil von Margarine und Backwaren. Ein ähnliches Patent auf Mais mit einem bestimmten Ölgehalt hatte das EPA in München bereits 2003 nach Einsprüchen von Greenpeace zurücknehmen müssen.

"Patente auf Pflanzensorten und auf biologische Verfahren zur Züchtung sind in der Biopatent-Richtlinie verboten", sagt Patent- Experte Christoph Then von Greenpeace. "Dennoch ist beides in diesem Patent enthalten. Das EPA beweist ein weiteres Mal, dass die Verbote der EU bisher nicht wirken. Doch statt derartige Patente zu verhindern, will Rot-Grün jetzt auch im anstehenden deutschen Patentgesetz Patente auf Pflanzen und Tiere ohne wesentliche Einschränkungen zulassen. Es ist zu befürchten, dass die grüne Partei auch jetzt einfach nur zusieht, wenn ihre Symbolpflanze patentiert wird."

Das Sonnenblumen-Patent ist ein aktuelles Beispiel für die Ausweitung von Patenten auf herkömmlich gezüchtete Pflanzen. Bis Ende September 2004 genehmigte das EPA etwa 450 Patente auf Pflanzen, davon etwa ein Drittel auf Pflanzen ohne Gentechnik. Patentiert wurden neben dem Mais mit verbessertem Ölgehalt auch bereits Weizen aus Indien und Tomatensorten mit verringertem Wassergehalt aus herkömmlicher Züchtung.

Damit geraten Landwirte in neue Abhängigkeiten von Saatgutkonzernen. Nach Plänen des Gen-Konzerns Monsanto, der weltweit große Teile der Saatgutbranche aufgekauft hat, könnten Landwirte mit Hilfe des Patentrechtes in Zukunft sogar dazu gezwungen werden, Gen-Pflanzen gegen ihren Willen anzubauen. Konkret plant Monsanto in den USA eine neue Sojabohnensorte mit verbesserter Ölqualität auf den Markt zu bringen, die normal gezüchtet wurde. Bevor das Saatgut an die Farmer verkauft wird, soll es aber zunächst mit Gen-Saaten gekreuzt werden, die gegen das firmeneigene Spritzmittel resistent gemacht wurden. Will der Bauer die neuen Pflanzensorten, hat er keine andere Wahl, als Gentech-Saatgut zu kaufen. Konzerne, die Patente auf Pflanzen mit und ohne Gentechnik besitzen, können also jederzeit beschließen, Saatgut ohne Gentechnik erst gar nicht mehr anzubieten.

Simone Miller | Greenpeace
Weitere Informationen:
http://www.greenpeace.de

Weitere Berichte zu: EPA Gentechnik Patent Saatgut Sonnenblumen Symbolpflanze Züchtung Ölgehalt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

nachricht "Brauchen wir das?" Auf dem Weg zu einer umweltgerechten Bedarfsprüfung von Infrastrukturprojekten
09.08.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Filterschutz fürs Gehirn: Weniger Schlaganfälle bei Herzklappenersatz-OP

17.08.2017 | Medizintechnik

Magenkrebs: Auch Bakterien können Auslöser sein

17.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

17.08.2017 | Biowissenschaften Chemie