Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Arktis schmilzt und die Industriestaaten schauen zu

08.11.2004


Bald Ananas aus Alaska?


Durch abschmelzende Gletscher ist mit einem Anstieg des weltweiten Meeresspiegels zu rechnen



Kein Eis am Nordpol – dieses Szenario könnte schon sehr bald eintreten. Ein aktueller Bericht des Arktischen Rates kommt zu dem Ergebnis, dass der Klimawandel in der Arktis rasant, quasi im Zeitraffertempo, zuschlägt. Das Klimaprogramm des Rates „Arctic Climate Impact Assessment“ (ACIA) legt in dieser Woche den bislang umfassendsten Bericht zum Klimawandel in der Arktis vor. Der Arktische Rat, ein Forum aus den acht Anrainerstaaten, hat mehr als 250 Wissenschaftler an der Untersuchung beteiligt. Sie kommen zu dem Schluß, dass die Temperaturen in der Polregion zwei bis drei Mal so stark ansteigen werden wie in anderen Teilen der Welt. Das sommerliche Packeis ist auf dem Rückzug und könnte bis zum Ende des Jahrhunderts völlig verschwunden sein. Auch im Winter wird die Eisdecke erheblich dünner. Die Folgen sind dramatisch: Eisbären, deren Lebensraum das Packeis ist, dürften bis zum Ende des Jahrhunderts zum Aussterben verurteilt sein. Durch abschmelzende Gletscher ist mit einem Anstieg des weltweiten Meeresspiegels um etwa einen Meter zu rechnen. Die gewaltigen Mengen an Schmelzwasser könnten die Meeresströmungen beeinflussen, selbst eine Störung des Golfstromes schließen die Forscher nicht aus.



Für den WWF ist das ein geradezu „apokalyptisches Szenario“. „Die Folgen werden nicht nur für die Polregion gravierend sein, sondern sich auf der ganze Welt auswirken. Die Industriestaaten müssen mehr tun, um ihren Treibhausgasausstoß möglichst schnell herunterzufahren“ so Dr. Peter Prokosch, ehemaliger Direktor des WWF Arktisprogramms und heutiger Geschäftsführer des WWF Deutschland.

Der WWF als ständiger Beobachter im Arktischen Rat sieht in dem Dokument eine eindeutige Grundlage, die zum Handeln zwingen müsse. „Gerade die USA, die eine Veröffentlichung des Berichts vor den Präsidentschaftswahlen verhindert haben, belegen mit ihren eigenen Wissenschaftlern die Tragweite des Klimawandels und die notwendigen Konsequenzen“, erläutert Prokosch. Die arktischen Staaten, darunter neben den USA auch Kanada und Russland, seien für etwa 30 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Es sei höchste Zeit, dass der Klimaschutz auch von diesen Ländern konsequenter vorangetrieben werde. Nur so lasse sich die gravierenden Folgen abschwächen.

Der Bericht beschreibt klar, dass die klimatischen Veränderungen im Norden auch für den Rest der Welt erhebliche Auswirkungen haben: Ein Anstieg des Meeresspiegels bedroht rund 17 Millionen Menschen, deren Heimat nur einen Meter über dem derzeitigen Meeresspiegel liegt. Betroffen sind dem Bericht zufolge neben Bangladesh und Indien auch Florida und Louisiana.

Schon heute lässt sich in der Arktis ein dramatischer Temperaturanstieg beobachten. In den nächsten 100 Jahren ist mit einer weiteren Zunahme um vier bis sieben Grad zu rechnen. Außer dem Packeis ist auch die arktische Schneedecke auf dem Rückzug. Die Wissenschaftler erwarten, dass sich dieser Trend noch verstärkt. Weniger Schnee bedeutet, dass weniger Sonnenwärme reflektiert und der Planet zusätzlich aufgeheizt wird. Ein Teufelskreis.

Jörn Ehlers | WWF
Weitere Informationen:
http://www.wwf.de

Weitere Berichte zu: Arktis Klimawandel Meeresspiegel Packeis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu Sprachdialogsystemen und Mensch-Maschine-Kommunikation in Saarbrücken

24.07.2017 | Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Power-to-Liquid: 200 Liter Sprit aus Solarstrom und dem Kohlenstoffdioxid der Umgebungsluft

24.07.2017 | Energie und Elektrotechnik

Innovationsindikator 2017: Deutschland auf Platz vier von 35, bei der Digitalisierung nur Rang 17

24.07.2017 | Studien Analysen

Netzwerke statt Selbstversorgung: Wiesenorchideen überraschen Bayreuther Forscher

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie