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Verzicht auf chemische Bekämpfung - mit Schlupfwespen gegen Schädlinge in Obst und Gemüse

03.11.2004


Insektizide im Essen will niemand. Deshalb werden vor allem in Gewächshäusern Schädlinge biologisch bekämpft: statt chemischer Keule werden ihre natürlichen Feinde benutzt, um Obst und Gemüse zu schützen.

Mit Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) soll es nun dem Baumwollkapselwurm gesundheits- und umweltschonend an den Kragen gehen. Seine Raupe findet über 60 Pflanzen wie Tomate oder Mais schmackhaft und ist sehr unempfindlich gegen Insektizide. Deshalb müsste sie mit einer hohen Dosis Chemie bekämpft werden. Die hessische Firma AMW Nützlinge (Pfungstadt) und das Institut für biologischen Pflanzenschutz der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (Darmstadt) gehen einen anderen Weg: sie wollen den Baumwollkapselwurm mit Schlupfwespen unschädlich machen. Diese legen ihre eigenen Eier in die Schädlingseier, aus denen dann anstatt der Schädlingsraupen Schlupfwespen schlüpfen. Die DBU unterstützt diese "Kuckucksei-Technik" mit rund 235.000 Euro.

Der Baumwollkapselwurm wird zu einem immer größeren Problem für die Gemüseanbauer. Denn die borstige Raupe dieser aus Afrika und dem Mittelmeerraum eingewanderten Mottenart mag nicht nur die Baumwollpflanzen, die ihm seinen Namen gegeben haben, sondern auch viele Gemüsesorten. "Wenn gegen ihn kein geeignetes biologisches Bekämpfungsverfahren gefunden wird, muss der Baumwollkapselwurm mit erheblichen Insektizidmengen bekämpft werden", sagt Dr. Bernd Wührer von der Firma AMW. "Unser Ziel ist es deshalb, Trichogramma-Schlupfwespen gegen die Eier des Schädlings einzusetzen. Sie sind als natürlicher Feind des Baumwollkapselwurms gut geeignet und für Menschen, Pflanzen und andere Tiere unbedenklich."

Das Prinzip ist einfach: die Schlupfwespen legen ihr eigenes Ei in das Schädlingsei, aus dem dann anstatt Schädlingsraupen eine neue Schlupfwespengeneration schlüpft. Durch diese "Kuckucksei-Technik" wird der Befall früh verhindert. Für die Schlupfwespen gibt es dabei viel zu tun: ein einzelnes Motten-Weibchen kann über tausend Eier ablegen, aus denen die Raupen entstehen.

Das Projektteam um Bernd Wührer will in Zusammenarbeit mit Gewächshausbetrieben und Pflanzenschutzdiensten den optimalen Zeitpunkt für die Bekämpfung des Baumwollkapselwurms durch Schlupfwespen ermitteln. Auch welche Schlupfwespenart am geeignetsten ist und wie viele der Tiere man auf welche Art am besten einsetzt, soll getestet werden. Anschließend wird ein Leitfaden erarbeitet, mit dem der Praktiker die biologische Bekämpfung selbst durchführen kann. Damit die ideale Schlupfwespenart in ausreichender Menge zur Verfügung steht, wird sie von der Firma AMW gezüchtet.

"Das Projekt hilft, den praktizierten biologischen Pflanzenschutz fortzuführen und zu stärken", so DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde. "Der Baumwollkapselwurm ist hochgradig resistent gegen viele Pflanzenschutzmittel und somit nur durch häufige Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln noch einigermaßen chemisch zu bekämpfen. Bei einer Rückkehr zur chemischen Bekämpfung in Gewächshäusern würde die Umwelt stark belastet, und es könnten verstärkt Pflanzenschutzmittelrückstände in die Nahrungsmittelkette gelangen."

Franz-Georg Elpers | Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

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