Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kat-Recycling bislang uneffizient - Edelmetall geht verloren

05.10.2004


Das Recycling von Abgaskatalysatoren ist nach Einschätzung von Branchenexperten bislang wenig effizient. In den vergangenen zehn Jahren gingen deshalb weltweit 65 Prozent der dafür eingesetzten Edelmetalle verloren. Nach Angaben amerikanischer Fachleute verteilten sich 25 Prozent der Edelmetalle auf den Straßen und weitere 36 Prozent kamen beim Kat-Recycling wegen ungenügender Sammelstrukturen nicht an. „Ein Schatz bestehend aus Platin, Palladium und Rhodium vagabundiert“, so die Kritik des Fachjournalisten Peter Thompson aus Detroit. Im Jahr 2003 wurden weltweit Edelmetalle und Edelstahl im Wert von mehr als 4 Milliarden US-Dollar für die Produktion von Abgaskatalysatoren eingesetzt.



Der Edelstahl dient als hitzebeständiges und nichtrostendes Gehäuse. Im Innern befindet sich eine Keramikwabe, die mit den Katalysatormetallen Platin, Palladium oder Rhodium beschichtet ist oder einer Mischung daraus. Zusammengefasst werden sie Platin-Gruppen-Metalle (PGM) genannt, da sie chemisch einander ähnlich sind. Mehr als die Hälfte der weltweiten PGM-Produktion fließen in die Herstellung von Fahrzeugkatalysatoren. „Das sind im herkömmlichen Sinne keine riesigen Tonnagen, aber enorme Werte. Die gesamte Platinerzeugung liegt gegenwärtig bei jährlich 193 Tonnen, entsprechend 6,2 Millionen Unzen. Nach Statistiken nordamerikanischer Recycling-Unternehmen und Edelmetallfachleute wurden in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich nur 35 Prozent der Edelmetalle, die in Fahrzeugkatalysatoren eingesetzt waren, auch wieder zurückgewonnen. 65 Prozent gingen verloren“, so die Erkenntnis von Thompson.



Die Verluste entstünden beim Fahrzeugbetrieb, beim Erfassen der Altkatalysatoren auf Autoschrottplätzen und in Werkstätten, beim Verarbeiten der Katalysatoren und beim Einschmelzen der Edelmetalle. „Während der Fahrt verlassen statistisch rund 25 Prozent der PGM das Gehäuse - maximal 5 Prozent durch normalen Verschleiß und der Rest durch Beschädigung oder Zerstörung des Wabenkörpers. Weitere 36 Prozent der ursprünglich vorhandenen Edelmetalle kommen nicht beim Recycling an, weil die Sammellogistik mangelhaft ist. Die Fahrzeuge werden entweder samt Katalysator geshreddert oder der Abgasstrang wird komplett beim Autoverwerter zwecks Wiederverkauf ausgebaut und später vergessen, das heißt ebenfalls dem Stahlschrott oder Edelstahlschrott zugeschlagen“, führt Thompson aus.

Rund zwei Prozent der Edelmetalle gingen beim Trennen des Gehäuses von der Keramikwabe, dem so genannten Decanning, verloren. „Sie verschwinden durch den obligatorischen Staubfilter oder bleiben am Gehäuse haften. Weitere zwei Prozent Schwund werden dem Ein- und Umschmelzen zugeschrieben. Das eingesetzte Mahlgut aus Keramik und Edelmetallstaub hat einen höheren PGM-Gehalt als entsprechende Erze bei der Verhüttung. Man erkennt leicht: Je näher die Edelmetalle der PGM-Rückgewinnung kommen, um so sorgfältiger wird in dem Materialkreislauf gearbeitet“, betont Thompson. Um dem Schwund auf die Spur zu kommen, hat ein großer Altkat-Verarbeiter in den USA im Jahr 2003 mehr als 50.000 gebrauchte Katalysatoren untersucht. Es zeigte sich, dass 11 Prozent der von Sammelunternehmen angelieferten Kats leer waren. Weitere 12 Prozent waren teilentleert. Man geht davon aus, dass diese Zahlen nur ein Teilergebnis darstellen, da leere Katalysatoren für Sammelunternehmen wenig attraktiv sind und zum Teil vorab aussortiert werden.

Unter Berücksichtigung des normalen Verschleißes kommt man zu dem Ergebnis, dass rund 25 Prozent der Edelmetalle während des Fahrzeugbetriebes auf der Strecke bleiben. Über Katalysatoren, welche die erste Recyclingstufe, das Abtrennen vom Fahrzeug und die Einsammlung nicht erreichten, konnte das Unternehmen natürlich keine Untersuchung anstellen. Ein Vergleich der betrachteten Gesamteffizienz des Recyclings ergab eine weitgehende Übereinstimmung mit den Zahlen der Edelmetallerzeuger. Jene rechnen damit, dass Katalysatormetalle durchschnittlich zehn bis zwölf Jahre in den Fahrzeugen im Einsatz sind und damit zeitverzögert zurücklaufen. In der gesamten Branche wünscht man sich, dass der Edelmetallschwund verringert wird. Als realistisches Szenario stellt man sich folgende Entwicklung bis zum Jahre 2015 vor: Halbierung des Verlustes im Fahrbetrieb durch Entwicklung robusterer Katalysatoren und Steigerung der Sammeleffizienz um 10 Prozent. Durch diese Maßnahmen könnten jährlich Edelmetalle und Edelstahl im Materialwert von mehr als 400 Millionen US-Dollar zusätzlich zurückgewonnen werden.

Gunnar Sohn | ne-na
Weitere Informationen:
http://www.ne-na.de

Weitere Berichte zu: Edelmetall Edelstahl Gehäuse Kat-Recycling Katalysator Recycling

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen