Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bakterien helfen, gefährliche Schwermetalle im Boden zu binden

20.09.2004


DAAD fördert deutsch-argentinisches Projekt zur Aufbereitung belasteter Böden



Schwermetallbelastete Böden gibt es nicht nur in Thüringen auf dem ehemaligen Wismutgelände, sondern auch entlang des Rio Hondo-Flusses in Argentinien. Wollte man diese Gebiete einer Nachnutzung zuführen, mussten bisher die kontaminierten Bodenschichten großflächig abgetragen werden. An einer kostengünstigeren Alternative, bei der resistente Pflanzen und Mikroorganismen zum Einsatz kommen, wird sowohl an der Friedrich-Schiller-Universität Jena als auch am Planta Piloto de Procesos Industriales y Microbiológicos in Tucumán (Argentinien) geforscht. Wissenschaftler beider Einrichtungen arbeiten schon länger gemeinsam an Strategien zur natürlichen Beseitigung von Schwermetallen aus Böden. Jetzt fördert der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) im Rahmen seines PROALAR-Programmes das gemeinsame Vorhaben. Über 20.000 Euro stehen den Partnereinrichtungen für den projektbezogenen Wissenschaftleraustausch für die nächsten zwei Jahre zur Verfügung. Das Projekt ist eines von nur vier, die der DAAD für förderungswürdig befunden hat.



"Die Ähnlichkeit der Problematik in Tucumán und bei der Wismut in Ostthüringen sowie die Wahl derselben Bodenmikroben hatte zum ersten Kontakt zwischen unseren Forschergruppen geführt", berichtet Prof. Dr. Erika Kothe. Ebenso wie ihre argentinischen Kollegen untersucht die Mikrobiologin von der Universität Jena Bodenbakterien, die eine Resistenz gegenüber Nickel, Cadmium, Chrom oder Kupfer aufweisen. Inzwischen wurden an beiden Standorten mehrere Stämme gefunden, die die genannten Schwermetalle aus dem Boden aufnehmen und in ihren Zellen speichern können. "Damit sind die Schwermetalle in den Mikroorganismen gebunden und können nicht mehr mit dem Sickerwasser in Flüsse und Grundwasser gelangen oder von Pflanzen aufgenommen werden", erläutert Kothe.

Ziel des Projektes ist es, die Nutzung der belasteten Böden zu ermöglichen, indem man die Anzahl dieser natürlich existierenden, angepassten Bakterienstämme künstlich erhöht. Um das zu erreichen, studieren die Wissenschaftler mit molekularbiologischen Methoden die Resistenzmechanismen der Kleinstlebewesen und bestimmen im Labor, wie viel Schwermetall sie aufnehmen können. Dabei haben sich die Gruppen in Argentinien und in Jena sowohl auf verschiedene Methoden als auch auf verschiedene Mikroorganismen spezialisiert und profitieren von den Erkenntnissen der jeweils anderen Seite. "So vermeiden wir, dass an zwei verschiedenen Orten der Welt Erkenntnisse doppelt produziert werden", verdeutlicht Erika Kothe.

Mit den bewilligten DAAD-Geldern kann nun die erfolgreiche Kooperation zwischen der Jenaer Universität und dem argentinischen Institut fortgeführt werden. Die Mittel fließen in den Wissenschaftleraustausch. "Ein vorrangiges Ziel ist die Nachwuchsförderung", betont Prof. Kothe. "Besonders Doktorandinnen und Doktoranden sollen die Möglichkeit zum Besuch der Partnereinrichtung erhalten." Weiterhin sind gemeinsame Lehrveranstaltungen geplant, wie sie bereits in der Vergangenheit in Form von gemeinsamen Graduiertenkursen in Jena ("Biology of Streptomycetes", 2002) und Tucumán ("Bioremediation", 2003) zustande gekommen sind.

Kontakt:

Prof. Dr. Erika Kothe
Institut für Mikrobiologie der Universität Jena
Neugasse 24, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949291
E-Mail: erika.kothe@uni-jena.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.daad.de/lateinamerika-sued/argentinien_progs.html#4

Weitere Berichte zu: Bakterien Mikroorganismus Schwermetall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie